Brennpunkt

Geh mir weg mit Forschung

Nachwuchswissenschaftler aus den Bereichen Human- und Zahnmedizin haben es in Deutschland schwer. Eine schlechte Vereinbarkeit von klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit, unzureichende Karriereperspektiven sowie befristete Arbeitsverträge machen eine Forschungsorientierung von Ärzten und Zahnärzten wenig attraktiv.

Dan Race - Fotolia

Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Berliner IGES-Instituts im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Ziel der Befragung war, belastbare Aussagen zu den Problemen von Nachwuchswissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlerinnen zu erhalten, die in Deutschland in der medizinischen Forschung tätig sind.

Hierfür wurden die Probleme zu verschiedenen Zeitpunkten in der wissenschaftliche Karriere sowohl von jungen Medizinerinnen und Medizinern aus der Human- und Zahnmedizin als auch für den Nachwuchs aus den medizinnahen Fächern wie Molekulare Medizin oder Humanbiologie erfasst. Befragt wurden sowohl der Nachwuchs selbst als auch humanmedizinische und zahnmedizinische Fakultäten.

Dreifachbelastung ist das zentrale Problem

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie: Für junge Ärztinnen und Ärzte ist die Dreifachbelastung durch Krankenversorgung, Forschung und Lehre das zentrale Problem. Aber auch die überwiegend Drittmittel-finanzierten sowie zeitlich befristete Stellen stellen eine Belastung insbesondere für den nichtärztlichen Nachwuchs dar. In der Zahnmedizin spielt dagegen eine Forschungsorientierung insgesamt eine wenig bedeutsame Rolle.

Ein wesentlicher Grund für die unzureichende Forschung in der Zahnmedizin ist aus Sicht der befragten Fakultäten der Zeitmangel des Lehrpersonals. Auch attraktive außeruniversitäre Berufsmöglichkeiten mit hohen Verdienstmöglichkeiten in freier Praxis lassen eine wissenschaftliche Karriere für Zahnmediziner unattraktiv erscheinen, heißt es.

Approbationsordnung nur wenig forschungsorientiert

Weitere Gründe sind eine mangelnde Spezialisierung in der Zahnmedizin, kaum Forschungsstellen außerhalb der Universitätsmedizin, eine veraltete, nicht forschungsorientierte Approbationsordnung, der hohe Zeitaufwand für die Durchführung von Studien sowie eine unzureichende Vernetzung mit der Humanmedizin und der Versorgungsforschung.

Nachwuchswissenschaftler und  Nachwuchswissenschaftlerinnen in der Humanmedizin verbringen dagegen insgesamt mehr Zeit mit Forschungstätigkeiten, so die Studie. Gleichwohl wenden sie im Durchschnitt gut die Hälfte ihrer Zeit für die Patientenversorgung auf und nur etwa ein Fünftel für die Forschung.

Klinische und wissenschaftliche Arbeit schlecht vereinbar

Hauptgrund hierfür ist nach Angaben der Befragten die unzureichende Vereinbarkeit von klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit, die nur 19 Prozent als gut bis sehr gut bezeichnen. Diese Situation scheint sich in den letzten fünf Jahren aus Sicht der Fakultäten sogar weiter verschlechtert statt verbessert zu haben, so ein weiteres Ergebnis der Studie.

Als unzureichend werteten 68 Prozent  der Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler ferner die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auch die mitunter auftretenden Schwierigkeiten, Forschungstätigkeiten auf die Facharztweiterbildung anrechnen zu lassen, verstärken den Konflikt zwischen Forschung und klinischer Tätigkeit.

Hinzu kommt, so das IGES-Institut: „Wo ein Wechsel aus der Krankenversorgung in die Forschung mit deutlichen Gehaltseinbußen verbunden ist, wird dies die Bereitschaft zur Forschung maßgeblich einschränken.“ Denn für den beruflichen Aufstieg, zum Beispiel auf eine Oberarztstelle, sowie die damit verbundene bessere Vergütung seien vor allem Tätigkeiten in der Patientenversorgung relevant.

Schon Studierende präferieren die Patientenversorgung

Der Konflikt zwischen klinischer und wissenschaftlicher Tätigkeit tritt allerdings nicht erst bei den fertigen Absolventen der Human- und Zahnmedizin auf. Schon bei den Studierenden erfährt die (zukünftige) Patientenversorgung eine deutlich höhere Wertschätzung als Forschungstätigkeiten. So streben 84 Prozent der angehenden Zahnärzte und 72,1 Prozent der Humanmedizinerinnen und Humanmediziner eine überwiegend klinische Tätigkeit in der Patientenversorgung an.

Eine ausschließliche Tätigkeit in der Forschung strebt dagegen kein einziger Zahnmediziner bzw. Zahnmedizinerin sowie nur zwei Prozent der humanmedizinischen Studentinnen und Studenten an.

Der Bericht zeigt zugleich auf, dass die Medizinischen Fakultäten in den vergangenen Jahren Maßnahmen zur Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses ergriffen haben, wie die Schaffung von Rotationsstellen, Promotionsprogramme oder -preise sowie eine überwiegend auf dem Tarifvertrag-Ärzte beruhende Vergütung für forschende Ärzte. Diese Maßnahmen sind allerdings noch ausbaufähig, so das Fazit der IGES-Studie.
 

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