Brennpunkt

Gesucht: Arzt im Außendienst

Der Sachverständigenrat gibt in seinem aktuellen Bericht Empfehlungen, wie man die Versorgung auf dem Land sichern kann. Dr. Alexis M. Müller-Marbach prüft die Vorschläge aus Sicht eines jungen Mediziners.

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Problem Unterversorgung: "Die sektorübergreifende Versorgung kann ein Teil der Lösung sein", sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bei der Begrüßung. Insgesamt 75 Millionen Euro sollen deshalb in die Versorgungsforschung gehen. zm-jt
"Die bisherigen Maßnahmen sind nicht ausreichend", bilanzierte Prof. Ferdinand Gerlach, als er den Bericht des Sachverständigenrats vorstellte. Ein garantierter zehnjähriger Landarztzuschlag von 50 Prozent auf das Grundgehalt könnte größere Anreize schaffen. zm-jt
Als eine innovative Lösung für die Unterversorgung auf dem Land bezeichnete Gerlach die Lokalen Gesundheitszentren. Hier könnten junge Ärzte in Kooperationen arbeiten. "Das soll kein Plädoyer gegen die Einzelpraxis sein", sagte er, "vielmehr eine Abstimmung der Jungen mit den Füßen." zm-jt
Die Experten aus Regierung und Wirtschaft sind laut Gröhe "sehr eng beieinander". Er wünsche sich aber, dass der Berufsstand mehr Begeisterung für den Berufsalltag entfacht. "Eine pessimistische Konferenz mit säuerlicher Miene kann auch durch eine professionelle Kampagne nicht so schnell revidiert werden." zm-jt
Ratsmitglied Prof. Marion Haubitz sprach sich deutlich für eine Zusammenführung der Notfallversorgung aus. "Wir brauchen eine zentrale Leitstelle und eine Notfallnummer für die Patienten", sagte die Ärztin. zm-jt
"Anders als auf dem Land haben wir es in der akutstationären Versorgung im Krankenhaus oft mit einer Überversorgung zu tun", erklärte Ratsmitglied Prof. Wolfgang Greiner, Jurist aus Bielefeld. Der Rat empfehle daher, dass sich die Krankenhäuser im ländlichen Raum auf die Grund- und Regelversorgung konzentrieren. zm-jt
"Eine Konzentration auf weniger Krankenhäuser muss nicht zwangsläufig schlecht für die Versorgung sein." Dabei könne ein neuer Investitionsfonds bei der Abwicklung von Schließungen oder Umbaumaßnahmen helfen, empfahl der Ökonom Gregor Thüsing. zm-jt
"Wir werden immer pflegebedürftiger", subsumierte Versorgungsforscherin Prof. Doris Schaeffer die demografische Entwicklung. Neben der Stärkung von Prävention und Rehabilitation müsse man über neue Wege nachdenken: Großpflegedienste in der ambulanten Pflege könnten zu mehr Flexibilität führen. zm-jt
"Die Bestandsmarktprüfung bei Medikamenten abzuschaffen war ein Fehler", sagte Prof. Petra Thürmann. Die Pharmakologin empfahl die Einrichtung eines nationalen Instituts für Gesundheitswissen und forderte, auch stationär verwendete Arzneimittel zu prüfen. zm-jt
"Der Marktzugang von Medizinprodukten muss strenger reguliert werden", verlangte Ökonom Prof. Eberhardt Wille. Als Vorbild nannte er das Kosten-Nutzen-Verfahren der FDA in Amerika. zm-jt

zm-online: Laut Sachverständigenrat muss man das Image des Landarztes aufpolieren. Leider nannten die Experten nur wenig konkrete Maßnahmen. Was macht das Landleben für junge Mediziner - abgesehen von einer besseren Vergütung - attraktiv?

Dr. Alexis Michael Müller-Marbach: Wir brauchen flexiblere Arbeitsmodelle, die mehr dem aktuellen Zeitgeist und einer modernen flexiblen und weniger sesshaften Lebensweise entsprechen. Das Modell einer lebenslang geführten Landpraxis entspricht dem nicht mehr, weil viele Kollegen sich nicht mehr durch eine eigene Praxis und einen eigenen Kredit über 20 bis 30 Jahre an einen Ort binden möchten. Auch die Vorstellung, als Einzelkämpfer in einem Landkreis für die Versorgung verantwortlich zu sein, kann junge Kollegen abschrecken.

Ein Modell mit der Bildung von Zentren mit mehreren Ärzten, die auf Zeit dort effizient und vernetzt gemeinsam arbeiten, wäre eine gute Alternative. Attraktiv wäre auch die Möglichkeit einer Festanstellung mit Gewinnbeteiligung und die Bereitstellung von Assistenzpersonal in dem Zentrum - also Arzthelfern, Sozialarbeitern, Schwestern und Pflegern, die auch zu den Patienten vor Ort fahren und Hilfe bei der Versorgung vor Ort leisten können. Ferner müssen klare Urlaubs- und Freizeitregelungen bestehen. Eine Quasi-Rufbereitschaft in der Freizeit und häufige Notdienste schrecken ab.

Eine weitere Grundvoraussetzung, um Ärzte auf das Land zu locken, ist eine gute Infrastruktur - neben einer Verkehrsanbindung insbesondere auch eine High-Speed-Internetanbindung. Wichtig wäre dann auch die Bildung von EDV-basierten Praxisnetzwerken, um schnell und zentrumsübergreifend Zugriff auf radiologische Bilder und Patientendaten zu haben, wie das in Kliniknetzwerken als Standard etabliert ist.

Der Rat schlägt vor, Lokale Gesundheitszentren (LGZ) zu errichten, die die ländliche Versorgung sicherstellen. Arbeiten in einer Gemeinschaftspraxis, relativ geregelte Arbeitszeiten und sogar eine hauseigene Kinderbetreuung sollen dort realisiert werden. Für wie realistisch und attraktiv halten Sie diese Vorschläge?

Ich kenne viele junge Fachärzte, die eine Arbeit abseits der großen Kliniken suchen, aber die Übernahme oder Gründung einer eigenen Praxis aufgrund der finanziellen Risiken und der langfristigen Bindung scheuen und stattdessen eine Tätigkeit in einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in einer Stadt wählen.

Für diese wären solche Modelle sicherlich eine attraktive Perspektive - zumindest für den Zeitraum einiger Jahre. Eine adäquate und gesicherte Bezahlung mindestens auf dem Niveau eines Oberarztes in einer Klinik muss aber gewährleistet sein. Für die Kollegen, die sich dann vor Ort wohl fühlen und fest dort bleiben möchten, müssten dann flexible Möglichkeiten zur finanziellen Beteiligung in diesen Zentren geboten werden, wodurch eine langfristige Bindung bei Interesse möglich wäre.

Schließlich kann man das größte Interesse an dem Erfolg eines Zentrums dadurch fördern, wenn man die Ärzte dort entsprechend ihren Wünschen auch betriebswirtschaftlich einbindet und beteiligt. Wichtig ist, dass die Unabhängigkeit und Freiheit des ärztlichen Berufes durch solche Systeme nicht marginalisiert und gefährdet werden, sondern dies als Erweiterung der Optionen für junge Ärzte verstanden wird.

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