Brennpunkt

Griechenland: Krise trifft Gesundheitswesen

Düstere Perspektiven für das griechische Gesundheitswesen: Das Diktat des EU-Rettungsprogramms hat immense Auswirkungen auf die Versorgung der Bevölkerung - mit ungewissem Ausgang.

picture alliance

Die EU-Wirtschaftskrise hat tiefe Spuren im griechischen Sozial- und Gesundheitswesen hinterlassen. Als Folge zweier EU-Memoranden von 2010 und 2012 wurden zahlreiche Gesetze zu Reformen im privaten wie im öffentlichen Sektor erlassen. Dazu wurden Löhnen und Renten drastisch gesenkt. Tiefe Einschnitte gab es auch im Gesundheitswesen, angefangen von Kürzungen der öffentlichen Ausgaben im Versorgungsbereich, Maßnahmen gegen eine falsche Verteilung von Ressourcen bis hin zu Kürzungen im Arzneimittelsektor.

Doch die drastischen Maßnahmen böten dem Land auch die Chance, Ausgaben langfristig zu reduzieren und die längst notwendigen Reformen im griechischen Gesundheitswesen voranzutreiben, zeigte sich Dr. Dimitrios Kremalis, Rechtsanwalt aus Athen und Dozent der Universität des Peloponnes, anlässlich der Euroforum-Konferenz am 11. Oktober 2012 in Potsdam, überzeugt.

Das griechische Gesundheitswesen sei bereits vor der EU-Krise an einem kritischen Punkt angelangt, nicht zuletzt wegen der überbordenden Bürokratie und Ineffizienz. Eine Neuorganisation und notwendige Anpassungen seien zwingend erforderlich, gewünscht seien eine Erhöhung der Flexibilität und die Rationalisierung der Ausgaben. Fraglich bleibe jedoch, inwieweit die Einschnitte des Gesetzgebers ins Sozialsystem, die ja aus ökonomischer Sicht erfolgten, verfassungskonform seien.

Die von den EU-Memoranden vorgeschriebenen Kürzungen sehen eine Reduzierung der Ausgaben für das Gesundheitssystems auf unter sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts und die Reduzierung der Arzneimittelausgaben sowie der Rentenfonds um 50 Prozent vor, berichtete Kremalis weiter. Die Eingriffe bezögen sich auf Arbeitsabläufe in Krankenhäusern des nationalen Gesundheitssystems: Dazu gehörten Fusionen, die Computerisierung, die Überprüfung von Vorräten, doppelten Buchführungen oder die Neuberechnung der Kosten für medizinische Verfahren und Dienstleistungen.  

Außerdem seien ein elektronisches System für Rezepte, ein einheitlicher Fonds für die Gesundheitsversorgung (EOPPY), die Nachprüfung von Ausgaben und Gesetze zur Neufestsetzung von Preisen eingeführt worden. Im Arzneimittelbereich seien neue Abrechnungs- und Erstattungssysteme, ein eng kalkuliertes Budget, die Verschreibung von Generika und die Kontrolle von Rabatten bei Pharmaunternehmen und Apotheken etabliert worden.

Vor allem von der Gründung von EOPPY durch die Fusionierung wichtiger Krankenkassen verspreche man sich einen ersten Schritt zur Verbesserung der medizinischen Grundversorgung und die Schaffung eines integrierten Netzwerks für eine primäre Gesundheitsversorgung. Derzeit existierten noch zu viele Krankenhausbetten, erklärte Kremalis. Es gebe zu viele Ärzte, zu wenig Pflegekräfte und die anfallenden Überstunden würden nicht bezahlt. Leidtragender sei der Patient. Wer es sich leisten könne, weiche in die privatärztliche Versorgung aus.

Hilfe erhalten die Griechen vom deutschen Bundesgesundheitsministerium (BMG). Die Zusammenarbeit zwischen dem BMG und dem Ministerium für Gesundheit und soziale Solidarität ist nicht ganz neu. Sie geht auf eine zwischen beiden Ministerien vereinbarte Beratungsinitiative vom Februar 2011 zurück. Udo Scholten, Leiter der Unterabteilung "Europäische und Internationale Gesundheitspolitik" im BMG, skizzierte auf der Euroforum-Konferenz die Hintergründe. 

Ziel sei, die griechische Regierung dabei zu unterstützen, unter Berücksichtigung effizienterer Finanzierungsstrukturen und größerer Haushaltsdisziplin einen universellen Zugang zum Gesundheitssystem zu gewährleisten und die Qualität der Versorgung zu bewahren.

Im Januar 2012 übernahm das BMG auf Bitten der griechischen Regierung und der EU-Kommission in der EU-Taskforce "Greece" eine federführende Aufgabe im Bereich Gesundheit. Im April folgte der offizielle Beschluss zur Zusammenarbeit, die Schwerpunkte der Kooperation wurden in einem „Memorandum of Understanding“ festgelegt.

Derzeit werden Vorschläge für die Entwicklung und Einführung effizienter und transparenter Strukturen in ausgewählten Bereichen des griechischen Gesundheitswesens ausgearbeitet. Dazu gehören Vorschläge zur Einführung eines DRG-Systems, Verbesserungen im Krankenhausmanagement, eine Überarbeitung der Strukturen von EOPPY sowie eine effizientere und transparentere Arzneimittelpreisgestaltung. Konkrete Schritte für die DRG und für EOPPY lägen inzwischen vor, so Scholten. Weitere Vorschläge für die anderen Bereiche würden entwickelt und in einer Roadmap zusammengefasst.


379404369261369262369263379405 379406 379381
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare