Brennpunkt

Griechenland wird verarztet

Das griechische Gesundheitssystem liegt am Boden. Jetzt haben das dortige Gesundheitsministerium und die WHO/Europa per Vertrag Reformen vereinbart. Ob die Pläne greifen, hängt davon ab, wie schnell die Maßnahmen umgesetzt werden.

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Der Vertrag gilt von 2013 bis 2015. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) koordiniert auf Wunsch der griechischen Regierung die Maßnahmen unter Einbeziehung der EU-Mitgliedstaaten. Basis dafür ist unter anderem eine bereits seit 2011 bestehende bilaterale Kooperation zwischen Deutschland und Griechenland im Gesundheitswesen.

Empfehlen statt diktieren

Das BMG werde im Rahmen der EU-Initiative "Gesundheit in Aktion" die Gespräche bei der Ausarbeitung konkreter Reformmaßnahmen leiten, teilt eine Sprecherin des Ministeriums mit. Ziel sei allerdings nicht, der griechischen Regierung Reformen zu diktieren, sondern man wolle lediglich Empfehlungen ausarbeiten. "Die demokratischen Strukturen in Griechenland sollen gewahrt werden“, sagte die Sprecherin.

Die Initiative sieht unter anderem vor, Griechenland bei der Einführung eines flächendeckenden Abrechnungssystems im stationären Sektor nach Diagnosis Related Groups (DRG) zu beraten und das Krankenhausmanagement zu reformieren.

In den Krankenhäusern fehlt alles

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat in Griechenland gerade im öffentlichen stationären Sektor zu zum Teil dramatischen Engpässen geführt: In vielen Krankenhäusern fehlt es an fast allem, was zur medizinischen Versorgung notwendig ist - angefangen von Handschuhen und Klopapier bis hin zu lebenswichtiger Medizintechnik.

Darüber hinaus will man das griechische Gesundheitsministerium bei der Preisgestaltung und Kostenerstattung von Arzneimitteln beraten. Ebenfalls auf der Agenda steht die Neustrukturierung des Nationalen Krankenversicherungsträgers für Gesundheitsdienstleistungen "EOPYY“ und der damit verbundenen Maßnahmen zur Neuorganisation der Krankenversicherung.

Zu den Reformmaßnahmen zählt außerdem die Erweiterung elektronischer Arzneimittelverschreibungen auf das umfassende Feld der elektronischen Gesundheitsversorgung (e-Health). Unterstützung erhofft sich der Mittelmeerstaat auch bei der Reform der primären und öffentlichen Gesundheitsversorgung und beim Gesundheitstourismus. Die Schwerpunkte seien von der griechischen Regierung selbst festgelegt worden, so die BMG-Sprecherin.

Seit September 2012 tagen bereits monatlich Arbeitsgruppen zu den einzelnen Themenfeldern. Ein Lenkungsausschuss ist für die Umsetzung der Pläne verantwortlich. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr bekräftigte, dass das BMG als Domain Leader der Aktion sowohl die griechische Regierung als auch die WHO/Europa bei der Umsetzung der Maßnahmen uneingeschränkt unterstützen werden. "Die Vertragsunterzeichnung kann als wesentlicher Meilenstein in der Zusammenarbeit bezeichnet werden“, sagte der Minister.

Die gesamte EU hat Interesse am Erfolg

Das weitere Gelingen werde wesentlich davon abhängen, dass Maßnahmen zügig umgesetzt werden, damit der gesamten griechischen Bevölkerung möglichst schnell geholfen wird. "Der Erfolg struktureller nachhaltiger Reformmaßnahmen liegt im Interesse der gesamten Europäischen Union“, betont Bahr.

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