Brennpunkt

Handeln bei Parodontitis

Auf dem Forum Zahn- und Mundgesundheit diskutierten Kenner aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft im Bundestag über Parodontitis. Mit dem Ziel, mit Blick auf die Prävention konkrete Handlungsempfehlungen zu verabschieden.

Der Hintergrund: Die Parodontitis ist neben der Zahnkaries die bedeutendste orale Erkrankung und für Patienten ab 50 die häufigste Ursache für Zahnverlust. 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung weisen eine moderate und etwa vier bis 22 Prozent der Erwachsenen und Senioren eine schwere Parodontitis an einem oder mehreren Zähnen auf. Deutlich weniger Erkrankte lassen sich aber behandeln.

"Diese Zusammenhänge kennt die breite Bevölkerung nicht."

Dabei werden Parodontalerkrankungen in der wissenschaftlichen Literatur bekanntlich zunehmend im Kontext mit anderen Erkrankungen des Körpers diskutiert. So wird unter anderem darüber beraten, inwieweit Parodontitis und Diabetes mellitus aber auch Atherosklerose - also Schlaganfall und Herzinfarkt - ähnliche Risikofaktoren zugrunde liegen. Diese Zusammenhänge sind aber der breiten Bevölkerung kaum bekannt, das heißt, das mangelnde Krankheitsverständnis über Parodontitis ist ein akutes Problem, dem man dringend entgegengewirken muss.

Um die Mundgesundheitskompetenz der Bevölkerung zu steigern und Ansätze eines optimalen Gesundheitsverhaltens aufzuzeigen, wurden in der Arbeitssitzung diese Forderungen aufgestellt. Sie sollten Eingang in die aktuellen gesundheitspolitischen Überlegungen finden:

  • Stärkung der Mundgesundheitskompetenz in der Bevölkerung unter anderem durch eine stärkere Zusammenarbeit von Zahnmedizin, Gesundheitspsychologie und Public Health
  • Verbesserung der Prävention durch bevölkerungsweite Aufklärungskampagnen zu parodontalen Erkrankungen
  • Stärkung der Früherkennung (Sekundärprävention) in der zahnärztlichen Praxis
  • Erweiterung der Zahnarztausbildung um eine stärkere Fokussierung auf die Prävention und Therapie der Parodontitis
  • entsprechende Schwerpunktsetzung im Rahmen der zahnärztlichen Fortbildung und der Aus- und Fortbildung (zahn)medizinischer Assistenzberufe  sowie der Pflegeberufe
  • einheitliche Empfehlungen zur Zahn- und Mundhygiene sowohl im Hinblick auf die Vermeidung von Karies als auch Parodontitis - auch für Pflegekräfte
  • gesundheitspolitische Inklusion der Zahnmedizin in alle allgemein präventiven Überlegungen vor allem unter dem Gesichtspunkt der anstehenden Präventionsgesetzgebung

Prof. Dr. Dr. Søren Jepsen, Universität Bonn, wies in seinem Impulsreferat auf die hohe Prävalenz der Parodontitis in der deutschen Bevölkerung hin: „40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung weisen eine moderate Parodontitis auf und mindestens acht Millionen Bundesbürger sind parodontal schwer erkrankt. Nur circa eine Millionen von ihnen  werden jedoch auch behandelt. Dies gilt es dringend zu ändern.“

Anschließend erläuterte Jepsen die negativen Auswirkungen der Parodontitis in Bezug auf Atherosklerose und kardiovaskuläre Erkrankungen sowie die sehr ungünstigen Wechselwirkungen mit Diabetes mellitus, einer anderen hochprävalenten Volkskrankheit. Jepsen: „Es ist sehr wichtig, die Bevölkerung über diese Zusammenhänge zu informieren und aufzuklären.“

Aktuelle repräsentative Daten zum Wissensstand in der Bevölkerung präsentierte Prof. Dr. Renate Deinzer, Universität Gießen: „Circa 60 Prozent der Deutschen wissen nicht, woher die Erkrankung kommt und mit welchen Risikofaktoren diese verbunden ist. Einfache Fragen zur richtigen Mundhygiene konnten nicht beantwortet werden. Vor allem Risikogruppen wie Diabetiker und Schwangere sind schlecht aufgeklärt.
Dem Mangel an Wissen gilt es durch entsprechende Aufklärungskampagnen entgegenzuwirken. Dafür sind neben den Zahnärzten und allen anderen medizinischen Bereichen vor allem auch die Medien gefragt.“

"Wir brauchen mehr Aufklärung!"

Dietrich Monstadt, MdB und Schirmherr der Arbeitssitzung, verwies in seinem Statement vor allem auf die Wechselwirkungen mit anderen Erkrankungen: „Was mich als Betroffenen besonders beeindruckt, sind die Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Diabetes. Umso überraschter bin ich, wie wenig Wissen darüber in der Bevölkerung vorherrscht. Dies zeigt: Wir brauchen mehr Aufklärung. Das sollten wir bei der Aus- und Fortbildung von Zahnärzten und anderen medizinischen Berufsgruppen beachten. Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssen wir handeln - insbesondere im Hinblick auf die Situation der Pflegebedürftigen und des Pflegepersonals.“

„Von politischer Seite her können wir vor allem zur Sensibilisierung des Themas beitragen" sagte Dirk Heidenblut, MdB und Schirmherr des Forums in dieser Legislaturperiode. Er betonte in seinem Redebeitrag vor allem die Rolle der Politik: "Wir müssen die Aufmerksamkeit steigern und über die Bedeutung von Parodontalerkrankungen aufklären. Hier können das für Anfang der Legislaturperiode ins Auge gefasste Präventionsgesetz und Aufklärungskampagnen unterstützend wirken. In diesem Zusammenhang sollten wir neben den Kindern und Jugendlichen verstärkt auch die Senioren und Pflegebedürftigen in den Blick nehmen.“

"Die Zahnmedizin ist in der Lage, positiv auf die Gesamtgesundheit einzuwirken."

Auf die präventiven Aspekte der Zahnmedizin verwies Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vorsitzender des Forums und Vizepräsident der Bundeszahn-ärztekammer: „Präventive Maßnahmen in der Zahnmedizin wirken gesundheitsfördernd und beeinflussen die Lebensqualität positiv. Die Zahnmedizin ist also in der Lage, bestimmte Risiken zu beeinflussen und damit gleichzeitig positiv auf die Gesamtgesundheit einzuwirken.“

Gerade die Verbesserung der Prävention und der Therapie parodontaler Erkrankungen sei eine der zentralen Herausforderungen für eine gemeinsame Gesundheitspolitik über die verschiedenen medizinischen Disziplinen hinweg. Insofern sei eine gesundheitspolitische Inklusion der Zahnmedizin, auch in alle allgemein präventiven Überlegungen, zu empfehlen. 

Oesterreich: "Ziel unseres Forum ist, dass die Zahnmedizin bei allen präventiven Maßnahmen der Medizin zwingend mitgedacht wird. Nur so können wir einen umfassenden und lebenslangen Präventionsansatz sicherstellen. Hier sind entsprechende gesundheitspolitische Weichenstellungen der Politik wünschenswert.“

Über das Forum
Das Forum Zahn- und Mundgesundheit wurde am 25. September 2012 unter Beteiligung von Wissenschaft, Fachverbänden, Politik und Wirtschaft gegründet. Das Ziel der Initiative: die Zahn- und Mundgesundheit aller in Deutschland lebenden Menschen zu verbessern. Dafür möchte das Forum Empfehlungen für ein ganzheitliches Präventionskonzept erarbeiten und geeignete Pilotprojekte unterstützen und initiieren. Unterstützt wird das Forum von GlaxoSmithKline Consumer Healthcare und dem Wrigley Oral Healthcare Program. 
















                       






 
















 

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