Brennpunkt

"Hier gelte ich als Sozialist"

Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr verbrachte ein halbes Jahr am Center for American Progress - einem demokratennahen Think Tank in Washington. Dabei musste er feststellen: Selbst die Überzeugungen eines FDP-Politikers sind vielen Amerikanern noch zu "sozialistisch".

Martina Merten

Die Fachjournalistin Martina Merten traf Daniel Bahr im Sommer in Washington, wo er als Senior Follow bei einer unparteiischen Bildungseinrichtung arbeitete. Martina Merten

Herr Bahr, welchen Eindruck haben Sie vom aktuellen Reformgeschehen in den USA?

Daniel Bahr: Ich hatte in der Vergangenheit viel von den Reaktionen auf Obamacare gelesen. Dass die die Frage, ob jeder Zugang zu einer Krankenversicherung haben soll, allerdings so aggressiv und fundamental diskutiert wird, hatte ich nicht erwartet. Es sind nach wie vor so viele, die es als freiheitsberaubend empfinden, dass der Bundesstaat von ihnen verlangt, sich zu versichern.

Woher stammt diese massive Ablehnung einer staatlichen Versicherungspflicht gegenüber?

Die USA sind ein Kontinent. Der ist nicht zu vergleichen mit Deutschland oder der Europäischen Union. Doch auch wenn die Europäische Kommission auf die Idee käme, das einheitliche Gesundheitssystem in der EU aufzubauen, würde das nicht funktionieren. Aus guten Gründen ist auch in Europa das Gesundheitssystem eine nationale Verantwortung und Aufgabe. Dennoch gibt es einen europäischen Konsensus über den Zugang zu einer Versicherung.

Der Begriff "socialized medicine" fiel häufig im Zusammenhang mit der Einführung von Obamacare. Ist das ein falscher Begriff?

Wahlkämpfe laufen hier anders ab als bei uns. Viele Amerikaner kennen Europa gar nicht. Oder ein System außerhalb Amerikas. Daher sind sie anfällig dafür, dass in Europa alles angeblich sozialistisch ist. Die meisten glauben tatsächlich, dass in Europa alle Systeme so sind wie der NHS in Großbritannien. Sie sind immer wieder überrascht, wenn ich ihnen erläutere, dass wir die freie Arztwahl haben, Freiberuflichkeit und Therapiefreiheit. Sie denken, hier herrscht Rationierung.

Daniel Bahr, 37, Mitglied der FDP, arbeitete von Frühjahr bis Sommer 2014 als Senior Fellow am Center for American Progress (CAP), einer unparteiische Bildungseinrichtung mit Sitz in Washington D.C. Von 2011 bis 2013 war er Bundesgesundheitsminister, von 2009 bis 2011 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesgesundheitsminister. 

Das Interview führte Martina Merten, Fachjournalistin für Gesundheitspolitik, während eines Recherchestipendiums des American Council on Germany in Washington D.C.


 
 

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