Brennpunkt

"Hier wird man nicht in die Irre geleitet!"

25 Jahre Vertrauensförderung zwischen Zahnarzt, Zahntechniker und Patient. Dafür steht das Kuratorium perfekter Zahnersatz (KpZ). Wie das geht, erzählt Prof. Hans-Christoph Lauer, Leiter des wissenschaftlichen Beirats des KpZ, im Interview.

Michael Tieck_Fotolia

zm-online: Herr Prof. Lauer, als Leiter des wissenschaftlichen Beirats des Kuratoriums perfekter Zahnersatz setzen Sie sich dafür ein, dass Patienten umfassend und vor allem individuell über Zahnersatz  aufgeklärt werden. Wie sieht Ihre Erfahrung aus: Gibt es den gut informierten Patienten?

Prof. Hans-Christoph Lauer: Die Kenntnisse der Patienten sind sehr unterschiedlich, das gilt auch für die Erwartungen und Wünsche. Wenn wir die 25 Jahre reflektieren, in denen das KpZ Patientenfragen beantwortet, stellen wir fest, dass sich in manchen Bereichen die Fragen wenig verändert haben - beispielsweise, wenn es um schlechtsitzende Prothesen geht.

Gleichzeitig erhalten wir vermehrt Anfragen von Patienten, die sehr genaue Vorstellungen haben von dem, was sie möchten, und auch recht gut informiert sind. Manche haben dieses Wissen im Laufe der Jahre erworben, etwa weil sie unter Allergien oder Unverträglichkeiten leiden.

Dieses selbst erworbene Wissen ist natürlich eher allgemein, der Patient kann es in der Regel entweder nicht an seine individuelle Situation anpassen oder nicht die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Das bedeutet jedes Mal eine Herausforderung für uns.

Zudem entstehen häufig weitere Fragen, je tiefer ein Patient in das Fachwissen einsteigt. Bei der Beratung zum Zahnersatz spielen viele Kriterien eine Rolle: Wie sieht die Situation aus? Was wünscht sich der Patient? Wie ist sein Pflegeverhalten? Wie sieht seine Situation in zwei oder auch zehn Jahren aus? Es geht darum, alle diese Fragen in das Bewusstsein des Patienten zu rücken. Die Hilfe von Experten ist dabei wichtig.

Bei schriftlichen Anfragen und Hotline-Aktionen bringen sich deshalb alle Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirats ein. Mit Prof. Jürgen Geis-Gerstorfer und Prof. Ina Nitschke, Zahntechnikermeister Uwe Bußmeier und Zahntechnikermeister Wolfgang Kohlbach verfügen wir über Spezialisten zu Prothetik, Materialkunde, Seniorenzahnmedizin und Zahntechnik.

Wie beziehungsweise auf welchem Wege informiert sich der Patient?

Die erste Information erhält der Patient nach wie vor über den Zahnarzt, wenn die Diagnose gestellt wird. Anschließend tauchen oft Fragen auf oder Unsicherheiten. Viele informieren sich dann über das Internet. Google beispielsweise liefert 1.170.000 Einträge allein zum Stichwort Zahnersatz. Auch auf unserer Website www.zahnersatz-spezial.de registrieren wir über die Jahre steigende Zugriffszahlen auf die  Patienteninformationen. 

Printmedien werden ebenfalls gerne zur Information genutzt, beispielsweise Apothekenzeitungen. Andere fragen Bekannte, das führt sehr oft zu Irritationen, denn Befunde werden dabei eher oberflächlich abgeglichen und die Kosten fokussiert.

Wir stellen fest, dass manche reißerische Meldung aus den Medien auch nach Jahren noch zu Verunsicherungen führt. „Ich habe mal gelesen“, sagen die Patienten dann im persönlichen Gespräch. Oder sie schreiben es uns, wenn sie sich an uns wenden.

Sehr gute Erfahrungen haben wir damit gemacht, wenn Patienten von ihrem Zahnarzt neutrale Informationen mit nach Hause bekamen, wie beispielsweise unsere Broschüre „Zahnersatz aktuell - Versorgungen im Vergleich“. Dann konnten die Patienten noch einmal in Ruhe zu Hause nachlesen, um was es geht. Manche Frage klärt sich von ganz alleine, diese Rückmeldung haben wir auch von Zahnärzten erhalten.

Wie kann der Patient sicher sein, dass die Informationen, die er im Internet findet, auch seriös sind?

Das ist ein großes Problem, denn natürlich werden dort viele Versprechungen gemacht, die oft nicht einhaltbar sind. Bei allen Informationen, die der Patient selbst recherchiert hat, sollte er möglichst die Rückkopplung mit Experten suchen, wie beispielsweise des wissenschaftlichen Beirats des Kuratoriums - damit das, was er verstanden hat, auch in seiner individuellen Situation zutrifft. Das kann je nach Themenlage der Zahnarzt sein, der Zahntechniker oder auch eine Einrichtung, die sich - wie wir - zur neutralen Information verpflichtet hat.

Wie könnte man erreichen, dass Werbung den Patienten nicht in die Irre leitet?

Werbung machen wir nicht. Werbung impliziert eigentlich die Irreführung, denn es wird suggeriert, dass nur dies das Richtige ist. Das Kuratorium ist hier neutral. Es schaut auf die gesamte Situation und zeigt Alternativen auf. Hier wird man nicht in die Irre geleitet. Wir möchten dem Patienten helfen, selbst die Entscheidung treffen zu können, oder zumindest mit einem Plan, wieder zu seinem Zahnarzt zu gehen und danach gemeinsam eine Entscheidung zu treffen, die langfristig perfekt ist.

Das Kuratorium kann nicht das Vertrauensverhältnis erreichen, das ein Zahnarzt mit der richtigen Ansprache und den richtigen Informationen mit dem Patient erhält. Wir geben neutrale Informationen von Experten an Patienten. Und wir legen großen Wert darauf, dass eine Versorgung nur funktioniert, wenn man davon überzeugt ist und den damit beauftragten Personen vertraut.

Das betrifft die Beziehung zwischen Zahnarzt und Patient und - beim Zahnersatz - eben auch die Beziehung zwischen Zahnarzt und Zahntechniker. Erst wenn es hier ein partnerschaftliches und vertrauensvolles Miteinander gibt, kann der Patient wirklich auf den perfekten Zahnersatz vertrauen. Wir sind seit 25 Jahren dabei, Patienten auf diesem Weg zu begleiten.

Prof. Hans-Christoph Lauer ist Leiter des wissenschaftlichen Beirats des Kuratoriums perfekter Zahnersatz. | Goethe_Uni

Die Fragen stellte Susanne Priehn-Küpper.




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