Brennpunkt

Holger und Leonie: "Alles sollte besprechbar sein"

Holger ist Geschäftsführer einer Agentur, die Spenden für gemeinnützige Organisationen einwirbt. Und er ist HIV-positiv. Seine Angestellten wissen von der Infektion.

BgZA

"Alles sollte besprechbar sein“, sagt Holger, während er in der Teamküche Süßigkeiten und Obst auf einen großen Holzteller drapiert. „Krankheiten sind Teil unseres Lebens; entscheidend im Umgang miteinander sind für mich Charakter und Verhalten meiner Mitarbeiter“, meint der 49-Jährige. Der Unternehmer möchte weder mit Samthandschuhen angefasst noch gemieden werden. Und genau so geht er auch mit seinen Angestellten um.

Leonie ist Personalchefin und Call-Room-Managerin in Holgers Agentur. Sie koordiniert ein Team von etwa 40 Telefonistinnen und Telefonisten in dem wachsenden Unternehmen. Dass sie Holgers Engagement für die Kampagne „Positiv zusammen leben!“ unterstützen würde, war für sie sofort klar. Sie möchte dazu beitragen, dass Vorurteile abgebaut werden und dass die Krankheit HIV/Aids mit der gleichen Sachlichkeit und Menschlichkeit behandelt wird wie andere Krankheiten auch.

"Callcenter - das klang ziemlich schrecklich"

„Niemand ist frei von Vorurteilen. Aber wird man sich ihrer bewusst, kann man daran arbeiten und sie abschaffen“, sagt die 56-Jährige und spielt dabei auf ihre eigene Erfahrung an. „Als Holger mich damals fragte, ob ich bei ihm arbeiten möchte, habe ich dankend abgelehnt. Callcenter - das klang ziemlich schrecklich für mich“, berichtet sie und verdreht dabei die Augen.

Dass die Callcenter-Agents der Berliner Agentur mit viel Herzblut Spenden für Menschen und Tiere in Not auf der ganzen Welt sammeln, wusste Leonie. Dass das auch Spaß macht, kam ihr nicht in den Sinn. „Irgendwie habe ich mir dann aber einen Ruck gegeben und es mir doch angeschaut. Und siehe da: Ich bin immer noch hier“, sagt sie lachend und wirft ihre blonde Mähne über die Schulter.

Eine Pillendose mit aufgedruckten Wochentagen

Holger ist seit zehn Jahren HIV-positiv. Acht Jahre lang kam er ohne Medikamente aus. Dann verschlechterten sich seine Blutwerte und er musste mit der antiretroviralen Therapie beginnen. Er hat Glück: Unter Nebenwirkungen leidet er bisher kaum. Doch er macht sich Sorgen um die Langzeitfolgen.

Die psychische Belastung begleitet ihn jeden Tag. „Ich habe eine Pillendose mit aufgedruckten Wochentagen. Manchmal werde ich nachts wach und weiß nicht genau, ob ich meine Medikamente genommen habe. Ich stehe dann auf, sehe nach und komme mir vor wie ein schusseliger alter Mann“, erzählt der sonst so fröhliche Holger nachdenklich.

Erst durch HIV ist dem Agenturchef die eigene Sterblichkeit richtig bewusst geworden. „Mein Leben erscheint mir wertvoller, ich passe besser auf mich auf und habe eine andere Ehrlichkeit mir selbst gegenüber entwickelt“, fasst er zusammen.

Zur Mittagszeit versammelt sich die Belegschaft in der Küche. „Wir versuchen so oft wie möglich, gemeinsam zu Mittag zu essen“, erzählt Leonie. „Und mindestens zweimal jährlich gibt es eine große Feier für alle Mitarbeiter und deren Freunde.“ Schaut man in die Runde, sieht man, dass Holger und seine Angestellten ein harmonisches Miteinander verschiedener Persönlichkeiten im Berufsalltag bilden.

"Wenigstens um die eigenen Vorurteile wissen"

„Ich wünsche mir ganz einfach eine tolerante und neugierige Öffentlichkeit, die sich ihrer Vorurteile zumindest bewusst ist - wenn sie sie schon nicht ganz überwinden kann. Ich hoffe, dass Berührungsängste und falsches Mitleid weiter abgebaut werden zugunsten einer offenen Kommunikation“, sagt Holger, der in seinem Unternehmen neben Menschen verschiedenster Nationalitäten auch einen blinden Mann beschäftigt.

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