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"Ich kam entwickelter nach Hause"

Die Armut in Ruanda ist groß. Von der Entwicklungshilfe profitieren nicht die 90 Prozent der Menschen auf dem Land, zahnmedizinische Betreuung gibt es fast gar nicht. Das Bergdorf Kaduha ist nur über eine Piste erreichbar. Dr. Kristin Kunze geht genau diesen Weg.

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Ruanda liegt im Herzen Afrikas, hat elf Millionen Einwohner und ist der am dichtesten bevölkerte Staat des Kontinents. Ruanda ist ein fast reines Bergland mit durchschnittlicher Höhe von 1.500 Metern. Deswegen ist das Klima trotz Äquatornähe eher mild-feucht. www.rendel-freude.de
Das Bergdorf Kaduha liegt im Südwesten Ruandas und ist nur über eine Piste erreichbar. www.rendel-freude.de
Die Gegend um Kaduha ist durch Abholzung verkarstet, die Erde gibt wenig her. Die Folge: Mangelernährung, Abwehrschwäche, akute und chronische Erkrankungen. Ein großes Problem ist Aids. Viele Menschen fallen der Krankheit zum Opfer. Dadurch steigt die durch den Krieg bereits hohe Zahl von Waisen- und Straßenkindern an. www.rendel-freude.de
Nur 12 Prozent der Bevölkerung Ruandas lebt in Städten. Die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln und die medizinische Betreuung sind deswegen die größten Probleme des Landes. Besonders bei der medizinischen Betreuung ist das Land auf die aktive Unterstützung aus dem Ausland angewiesen. www.rendel-freude.de
Wer in Ruanda arbeitet, sieht auch die sozialen, körperlichen und seelischen Folgen des Völkermordes vor 20 Jahren. Und das Bemühen ums Weiterleben und Versöhnung. www.rendel-freude.de
Zahnmedizinische Behandlungsangebote sind fast nur in der Hauptstadt Kigali vorhanden. In Kaduha gibt es eine einfache Zahnstation im benachbarten Hospital. Dr. Kristin Kunze untersucht dort einen Patienten. www.rendel-freude.de
"medica mondiale" ist eine feministische Frauenrechts- und Hilfsorganisation, die Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten unterstützt. www.rendel-freude.de
Entwicklungshelferin Dr. Kristin Kunze in Ruanda (Mitte in orange) www.rendel-freude.de

Dr. Kristin Kunze leistet Entwicklungshilfe. Seit 45 Jahren. In 15 verschiedenen Ländern war sie bisher unterwegs. Ihr Motto: Immer wieder neu schauen, nichts besserwissen. Und sich berühren lassen vom Dennoch-Mut.

45 Jahre Afrika: Beginn einer Lebensreise

Kunze beginnt ihre Arbeit in der Entwicklungshilfe vor 45 Jahren im Albert-Schweitzer-Hospital in Lambarene in Westafrika. "Wir behandelten und bildeten Helferinnen und Zahntechniker aus, fuhren oder flogen als mobiles zahnärztliches Team in andere Urwaldgegenden um dort zu arbeiten. In den abgelegensten Ortschaften ohne Straßenverbindung war der Gebisszustand gut, aber dort, wo entlang neuer Pisten wegen Abtransport tropischer Hölzer auch neue Siedlungen entstanden, war der Zahnverfall dramatisch", berichtet Kunze.

"Wir sahen deutlich den Zusammenhang zwischen entwurzelter Lebensweise und Krankheitsentstehung. Die Menschen hatten bis dahin selbstversorgend gelebt - von dem was Erde und Wasser hergaben. Nun waren sie in ihrer Ernährung angewiesen auf die LKW-Lieferungen: polierter Reis, Weißbrot und Konserven."

Sansibar: Schattenseiten des Tourismus

Vor vier Jahren führte es die Zahnärztin nach Sansibar, an die von den Bewohnern genannte „Küste der Schwarzen“ in Ostafrika. Hier habe der Tourismus zu einer Verarmung der Bevölkerung geführt, sagt Kunze: "Ausländische Hotelanlagen schneiden den Zugang zum Meer ab, Fischen und Algenzucht werden eingeengt. Auf ihrer Insel haben die Sansibaris Gärten, kultivieren Gemüse, Kartoffeln, Maniok, Obst. Aber große Hotels kaufen die Ernte auf, bieten ihren Gästen frische Salate und tropische Früchte."

"Die Inselbewohner freuen sich über das Geld, sie können ihren Kindern Schulkleidung oder Hefte kaufen und… den geschälten Reis aus China, Weißbrot, Konserven und Softdrinks. Der Zahnverfall ist erschreckend."

Ruanda: Armut wohin man blickt

2013 kommt Kunze zum ersten Mal mal nach Ruanda und sieht die einzigartige 1000-Hügel-Landschaft. "Schön und arm zugleich. Ruanda bekommt aus vielen Ländern Entwicklungshilfe. Davon profitieren jedoch nur wenige - nicht die 90 Prozent der Bevölkerung, die auf dem Lande lebt."

Medizinische Betreuung findet kaum statt. Zahnmedizinische Behandlungsangebote sind nur in der Hauptstadt vorhanden, berichtet die Zahnärztin. In Kaduha, einem entlegenen Bergdorf, das nur über eine Piste zu erreichen ist, gibt es ein Militärkrankenhaus mit einer Zahnstation. "Dort gibt es zwei ruandische „Health Worker“. Einer ist spezialisiert auf Extraktionen. Andere Maßnahmen waren nicht möglich. An der Unit tat es nur das Licht. Die zweite Person konnte in seltenen Fällen von Hand exkavieren und mit Glassionomer füllen."

Die Patienten haben meist starke Schmerzen, erzählt die Entwicklungshelferin: "Ein Zahn wird kariös, schmerzt, der Defekt vergrößert sich, die betroffene Seite wird geschont. Die Folge über Jahre und Jahrzehnte: Zahnstein, Konkremente, Pulpitiden, Abszesse, Parodontitiden. Ganz selten wird bei mobiler oder stationärer zahnärztlicher Hilfe der Zahn entfernt. Doch mit oder ohne Behandlung: Die Zahnfleischsituation bleibt als massive Entzündung bestehen."

Eine Zahnsteinentfernung und sorgfältige Reinigung mit Handscalern ist Langzeitknochenarbeit, erläutert Kunze. Unter dortigen Gegebenheiten würde sie Stunden dauern. "Doch da warten ja noch so viele andere Patienten! Und da die Menschen oft zu Fuß von weit her kommen, müssen sie gegen Mittag wieder aufbrechen, damit sie in der Dunkelheit Zuhause sind."

Entwicklungshilfe per Telefon - und Pantomime

Seit ihrem ersten Besuch in Kaduha blieb die Zahnärztin über das Handy mit den Mitarbeitern der Zahnstation in Verbindung. "Was wünscht ihr euch?", fragte Kunze. "Sie wollten eine gute Zahnreinigung in kürzerer Zeit und mit wenig Kraftaufwand. Da die Behandlungseinheit unzureichend ausgestattet ist, packten wir beim nächsten Besuch ein mobiles Ultraschallgerät ein."

"Die beiden Ruandischen Kollegen waren begeistert", erinnert sich Kunze. "Ich zeigte und erklärte - oft pantomimisch - denn der eine sprach kein Englisch oder Französisch und ich kein Kinyarwanda. Aber der Erfolg war da und ich verließ Kaduha mit Zufriedenheit. Schon letztes Jahr hatten wir wenigsten die Turbine zum Laufen gebracht, jetzt das Ultraschallgerät - ein kleiner Beitrag."

Entwicklungshilfe "andersrum"

Die Situation in Ruanda sei anders gewesen, erläutert Kunze. Sie erfordere andere Maßnahmen als an anderen Orten und zu anderen Zeiten: " Prophylaxe? Verteilte Zahnbürsten werden von den Ärmsten dort gleich weiterverkauft. Ebenso wie unsere Brillen- oder T-Shirt-Spenden." Und doch. Ruanda hat auch etwas gegeben. "Ich kam entwickelter nach Hause."

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