Arbeit

Implantate im Ohr

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Dank ihrer Hörimplantate kann Kirsten Keppler wieder arbeiten. privat
Röntgenaufnahme ihres Schädel mit den Cochlea Implantaten. privat
Isoliert: Gemälde von Kirsten Keppler aus der Zeit vor den Cochlea Implantaten. Kirsten Keppler
Geliebtes Ohr: Dieses Bild entstand nach dem Einsatz der Implantate. Kirsten Keppler

Studium und Arbeit mit Einschränkung

Wie schafften Sie es, mit stark eingeschränktem Hörvermögen über Jahre erfolgreich zu studieren und zu arbeiten?

Ich musste vom Mund ablesen und mir die Bruchstücke des akustisch und visuell Erfassten zusammenreimen. Ein war ein bisschen so, wie nonstop ein Kreuzworträtsel zu lösen. Ich war und bin ein geistiger Marathonläufer.

Außerdem lernte ich zu kompensieren. So schaffte ich mir in meiner Praxis günstige Arbeitsbedingungen. Ich schulte mein Personal in Hör- und Kommunikationstaktik. Die Selbstständigkeit war für mich die Chance, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die mir eine Art Schonraum, eine Idealumgebung ermöglichten, um einigermaßen in der hörenden Welt zu funktionieren. Ich arbeitete mit hörenden Kollegen, als Gemeinschaftspraxis und beschäftigte mich außer der Patientenbetreuung viel mit administrativen Aufgaben.

Wichtig ist auch, sich zu outen. Ich nutzte eine Funkmikrofonanlage, die das Gesprochene direkt an meine Hörgeräte sandte und mir so ein wenig mehr akustischen Input verschaffte. Und ich erklärte jedem Patienten, was das für eine Anlage war und dass ich taub bin. Unzählige Mal am Tag. Tag für Tag. Irgendwann gewöhnte ich mich daran. Im Studium wurde ich zur Autodidaktin und wirkte dabei auf viele als „Streberin“. Außer zu studieren, tat ich nicht viel anderes.

Wussten Ihre Kollegen und Patienten zu jedem Zeitpunkt von Ihrer Hörstörung?

Die ersten fünf bis sechs Jahre in der Praxis wussten es nicht alle. Ich konnte ja meisterhaft verstecken und vom Mund absehen.  Als ich dann immer müder und erschöpfter wurde, ging ich offen mit der Behinderung um. Dann wusste es jeder.

2011 mussten Sie Ihren Beruf aufgrund einer Erschöpfung aufgeben. Was ging damals in Ihnen vor?

Ich suchte nach beruflichen Alternativen beziehungsweise dachte darüber nach, mich komplett ins Administrative zurückzuziehen, was mir absolut nicht gefiel und mich sehr traurig machte.

Wie fühlt sich das Arbeiten mit den CI im Vergleich zu vorher an?

Ich fühle mich normal, vergesse, dass ich eigentlich taub bin. Denke nicht mehr an meine Implantate. Es ist kein Thema mehr. Die Ertaubung hat keinerlei Einfluss mehr auf mein Berufsleben. Ich bin eine Hörende und führe ein mehr oder weniger anstrengendes Berufsleben - wie jeder andere Kollege auch.

Sie haben sich mithilfe von Kunst aus Ihrer Isolation befreit. Wie kann sie helfen, Gefühle zu verarbeiten?

Sie kann visualisieren. Malen macht Unsichtbares sichtbar, begreifbar. Gibt Form, Farbe, Umriss. Definition. Danach kann man Gefühle besser verarbeiten und damit leben. Und die Bilder anderen zeigen und darüber  sprechen. Das Verständnis und Mitgefühl des Umfelds ist häufig angesichts der Bilder und des daraus sich entwickelnden Dialogs höher.

Wen wollen Sie mit Ihrer Kunst erreichen?

Vor allem Mitbetroffene, die sich darin wiederfinden und Mut fassen, denselben Weg in Richtung neues Hören und neues Leben dank Cochlea Implantat einzuschlagen. Insbesondere junge Menschen, die sich wegen ihrer Taubheit nicht trauen, sich beruflich zu entfalten.

Ich will aber auch Hörende zum Dialog über das Thema Taubheit und ihre Folgen anregen. Mehr Toleranz und Aufklärung erreichen und die Stigmatisierung von Hörbehinderten ausräumen. Mehr Wissen um eine gelingende und mögliche Kommunikation trotz Hörschädigung des Gegenübers.

Was sind Ihre Pläne und Träume für Ihre künftige Arbeit?

Ich möchte noch mehr Weiterbildungen im Bereich der Implantologie und digitalen computergestützten Zahnheilkunde belegen. Das soll mir helfen, meine Patienten hochqualitativ zu beraten und zu versorgen, auch in mehreren Sprachen. Außerdem plane ich mehrere Auslandsaufenthalte und ehrenamtliches zahnärztliches Engagement. All dies wird mir dank meiner Hörimplantate mühelos möglich sein.

 

 


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