Brennpunkt

In den letzten Zügen

Zigarettenfreunde gegen Rauchverächter: Von New York bis NRW kämpfen die Raucher um ihre letzten Refugien - auch am heutigen Weltnichtrauchertag.

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Nachdenklich sitzt Don Draper in der Retro-Serie "Mad Men" in seinem Büro in Manhattan über einer Werbekampagne - und raucht. In "Frühstück bei Tiffany" zieht Audrey Hepburn gleich in Dutzenden Szenen an ihrer berühmt gewordenen langen weißen Zigarettenspitze. Heute unvorstellbar.

Das aus den 60er-Jahren in Filmen und Serien nicht wegzudenkende, allgegenwärtige Rauchen in New York ist weitgehend rar und verpönt geworden - und das vor allem wegen eines Mannes: Michael Bloomberg. Seit fast zwölf Jahren ist der Milliardär Bürgermeister der US-Ostküstenmetropole und seitdem auf Dauer-Kreuzzug gegen die Zigarette. 

Vergangener Charme: "Smirting" vor der Kneipe

Gleich zum Amtsantritt verbot Bloomberg das Rauchen in fast allen Bars und Restaurants. Raucher trafen sich nun auch bei klirrender Kälte auf dem Bürgersteig vor den Kneipen. Rasch prägten sie dabei das Wort "smirting" - eine Mischung aus rauchen ("smoking") und schäkern ("flirting") beim erzwungenen gemeinsamen Außenaufenthalt. 

Es folgten Verbote für Büros, öffentliche Gebäude und schließlich Parks, öffentliche Plätze und Strände. Bei Picknicks im Central Park oder beim Sonnenbaden in Coney Island sind Zigaretten seitdem verschwunden. Wer sich nicht an die zu den schärfsten Anti-Zigaretten-Regelungen der USA gehörenden Vorschriften hält, dem drohen empfindliche Geldstrafen.

10,50 Dollar für eine Schachtel

Und Bloomberg ist noch lange nicht fertig: Rauchen soll erst ab 21 Jahren und nicht wie bislang ab 18 erlaubt sein. Und ein Päckchen Zigaretten soll mindestens 10,50 Dollar (etwa 8 Euro) kosten - was es in den meisten Läden schon tut.

Gesundheitsbehörden attestieren Bloombergs Maßnahmen Wirkung. Nachdem es ein Jahrzehnt lang keine Veränderungen gegeben habe, sei die Zahl der rauchenden New Yorker zwischen 2002 und 2006 um fast 20 Prozent gesunken, teilten die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) mit.

Doch Protest bleibt nicht aus. Unter Gastronomen, aus Prinzip freiheitsliebenden Amerikanern und - natürlich - überzeugten Rauchern hat sich Bloomberg viele Gegner geschaffen. "Wir bewegen uns auf eine totalitäre Gesellschaft zu", kritisierte der New Yorker Abgeordnete Robert Jackson.

"Wir müssen die Leute erziehen."

Auf der anderen Seite des Atlantiks, in Nordrhein-Westfalen, wo seit dem 1. Mai ein landesweites Rauchverbot gilt, sind vor allem Kneipenbesitzer verunsichert wegen der strengen Regeln. In der Düsseldorfer Kneipe "Dä Spiegel" gehörte die Zigarette einfach dazu. Betreiber Peter Klinkhammer hat als Ersatz ein Beduftungsgerät installiert  - dadurch riecht es in der Kneipe nach Orange.

Zwar werde ihn die Regelung bestimmt Umsatz kosten, prophezeite der 56-Jährige kurz vor Inkrafttreten des Verbots. "Zum Wohlfühlen gehört für viele nun einmal der Griff zur Zigarette", sagt er. Aber schon nach wenigen Monaten würden selbst die hartnäckigsten Raucher zurückkehren, glaubt er. "Wir müssen die Leute erst einmal erziehen." 

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht Kneipen wie "Dä Spiegel" durch das absolute Rauchverbot akut gefährdet. 20 Prozent der kleinen Eckkneipen seien existenziell betroffen, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellwig. "Das bedeutet die Schließung von 3000 Betrieben", rechnet er vor. Hellwig vergleicht das Konzept einer Kneipe mit einem dreibeinigen Barhocker: "Reden, Trinken und Rauchen". Sobald ein Bein des Barhockers verschwinde, breche die Konstruktion in sich zusammen.

Der qualmende Bürgermeister

Der Bürgermeister von Neuss kämpft an einer ganz persönlichen Front gegen Nichtraucher. Herbert Napp (CDU), bekannter Vielraucher, soll das Qualmen in seinem Dienstzimmer einstellen, fordert die Initiative Pro Rauchfrei.

Weil die Aufsichtsbehörden sich weigerten, gegen Napp vorzugehen, habe man nun Beschwerde bei der Bezirksregierung in Düsseldorf eingereicht, sagte der Bundesvorsitzende von Pro Rauchfrei, Siegfried Ermer. Napp habe sein Dienstzimmer kurzerhand zum Raucherzimmer erklärt. Dies sei unzulässig, erklärte Deutschlands größter Nichtraucherverband. 

"Diese Initiative verfolgt mich mit missionarischem Eifer. Das ist doch abstrus", sagte Napp. Er teilte öffentlich mit, dass er in seinem Dienstzimmer weiter rauchen werde. Was er unternehme, falls die Nichtraucher tatsächlich ein Rauchverbot in seinem Dienstzimmer durchsetzen, wisse er noch nicht genau, sagte Napp, aber: "Vielleicht miete ich es dann als privaten Raum an."

Eine aussterbende Art

Doch die Raucher kämpfen wohl auf verlorenem Posten für ihr ungesundes Hobby. Denn die öffentliche Stimmung ist eindeutig gegen das Rauchen. Viele Deutsche würden zum Schutz der Gesundheit eine Preiserhöhung bei Zigaretten begrüßen. Das ergab eine repräsentative, online durchgeführte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zum Weltnichtrauchertag (31. Mai) im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa.

Danach sind 42 Prozent der Befragten dafür, den Preis für eine Schachtel Zigaretten anzuheben. 29 Prozent halten die Kosten für angemessen. Nur etwa ein Viertel der Interviewten (23 Prozent) ist der Ansicht, dass Zigaretten billiger werden sollten. Die meisten überlassen das Rauchen lieber Don Draper.

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