Brennpunkt

Keine Revolution, nirgends

Seit März arbeiten junge Akademiker und Berufseinsteiger im "Young Lions Gesundheitsparlament" an Zukunftsideen für unser Gesundheitssystem. Erstes Ergebnis: Evolution statt Revolution.

Janssen-Cilag

Das Parlament wurde vom Arzneimittelhersteller Janssen-Cilag einberufen. Auch die Finanzierung stellt der Konzern sicher. Die Young Lions sind rund 80 Abgeordnete, die sich in ihrem Studium oder in ihrem Beruf mit dem Gesundheitssystem beschäftigen. Organisatorisch folgt der Thinktank der Struktur des Deutschen Bundestags, mit Plenum, Präsidium und Ausschüssen.

"Wir haben ein halbes Jahr organisiert nachgedacht."

Nach ihrem Selbstverständnis sind die Gesundheitsparlamentarier "eine organisierte Denkgruppe, die die junge Generation an der Weiterentwicklung des Gesundheitssystems beteiligt". Der Hauptteil der Arbeit findet online über eine eigene Webseite und Social Media statt. Zudem gibt es regelmäßige Telefonkonferenzen.

In Berlin wurden nun die ersten Ergebnisse nach einem halben Jahr Arbeit vorgestellt. Die Parlamentarier stellen dabei das Grundkonstrukt des Gesundheitssystems nicht infrage. Viel mehr wollen sie eine Weiterentwicklung, um den finanziellen und demografischen Herausforderungen begegnen zu können.

Die Eckpfeiler: Solidariät bei mehr Wettbewerb

Patientenorientierung war für alle Vorsitzenden, die die Ergebnisse ihrer Ausschüsse vorstellten, das Zauberwort. Man habe keine neuen Konzepte entwickelt, von denen man noch nie gehört hat, sagte Sebastian Klesper, Leiter des Ausschusses "Organisation" und Student der Gesundheitsökonomie. Aber: "Wir haben uns für ein Konzept entschieden." Klespers Kreis sprach sich für eine Beibehaltung des Solidaritätsprinzips aus und stellt die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung infrage.

Der Ausschuss "Wettbewerb" plädiert für einen stärker qualitätsorientierten Wettbewerb zwischen den Leistungserbringern. Zudem sollte die Versorgung einen größeren regionalen Bezug bekommen. Die Vorsitzende Annegret Schnick von der Universität Bayreuth wünscht sich einen "sozialen Wettbewerb", der das Handeln und Haften der Akteure im Gesundheitswesen zusammenführt und eine sektorenübergreifende Versorgung ermöglicht.

Weniger suboptimale Versorgung

"Eines unserer größten Probleme ist die Fehlversorgung der Patienten", sagte die Vorsitzende des Ausschusses "Dringende Probleme", Pflegewissenschaftlerin Lydia Neubert. "Fachkräftemangel und suboptimale ärztliche Versorgung sind nur zwei Beispiele für eine Fülle von Ursachen." Die Antwort ihres Arbeitskreises: Delegation von ärztlichen Tätigkeiten an Pflegefachkräfte und eine Reform der Pflegeausbildung.

Die Überalterung der Gesellschaft wurde vom Ausschuss "Demographie" als Zukunftsproblem erkannt. Lösungsvorschläge wurden vom Arbeitskreismitglied Dr. Felix Cornelius nicht präsentiert. Er berichtete nur über die Denkrichtung: "Das deutsche System ist im internationalen Vergleich äußerst leistungsfähig und gut. Die größte Motivation ziehen wir deshalb nicht aus dem Wunsch nach Verbesserung, sondern aus der Sorge um Verschlechterung."

Weiter so, aber besser

Die Young Lions präsentierten sich als reflektierte Gesundheitsdenker, die sich im Rahmen des Möglichen eine Evolution des bestehenden Systems wünschen. Doch ein wenig mehr Mut zur Revolution, abgelöst vom Machbarkeitsdogma, hätte man sich gewünscht. Als Thinktank darf man auch größer, weiter denken. Für die Arbeit auf dem trockenen Boden der Realität gibt es genug Gesundheitspolitiker.

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