Brennpunkt

Krebs und Sport

Lange wurde Krebspatienten geraten, sich körperlich zu schonen. Genau das Gegenteil scheint richtig zu sein: Sport ist für sie in wichtig, wobei ein intensives Ausdauertraining sogar die Tumorabwehr stärkt.

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Für eine aktuelle Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln absolvierten 15 Patienten mit Brust-, Darm- oder Prostatakrebs, deren Krebstherapie mindestens ein Jahr zurücklag, zusammen mit 15 gesunden Kontrollpersonen sechs Monate lang ein intensives Lauftraining und nahmen dann am Kölner Halbmarathon teil.

Vor Beginn des Trainings, nach drei und sechs Monaten sowie aktuell vor und nach dem Halbmarathon wurde der Immunstatus der Teilnehmer untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass unter der körperlichen Aktivität die Zahl der aktivierten natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) im Blut ansteigt.

„Es handelt sich um Zellen, die für die Tumorabwehr von entscheidender Bedeutung sind“, berichtete Prof. Dr. Wilhelm Bloch aus Köln. Die Veränderungen waren bei den Krebspatienten sogar ausgeprägter als bei den Kontrollpersonen. Bloch nimmt an, dass sich durch das intensive Ausdauertraining wichtige Funktionen des Immunsystems bei der Erkennung und Zerstörung von Tumorzellen verbessern.

Die Studie widerlegt aus seiner Sicht zudem eindeutig die vielfach geäußerte Annahme, ein intensives körperliches Training könne die Immunabwehr schwächen und so Krebspatienten schaden. „Wir müssen als Konsequenz aus den Ergebnissen wohl unsere Vorstellungen über den optimalen Belastungsbereich bei Krebspatienten überdenken und neu definieren“, gab der Sportmediziner zu bedenken.

Dass ein moderates körperliches Training bei Krebspatienten Sinn macht, ist nach Dr. Freerk Baumann, Köln, bereits länger bekannt. „Allerdings fehlen uns noch konkrete wissenschaftliche Daten zur optimalen Trainingssteuerung und Trainingsintensität“, sagte der Sportwissenschaftler in Berlin. Zudem dürfte es nach seiner Ansicht Unterschiede abhängig von der Tumorart, dem Tumorstadium und der individuellen Situation der Patienten geben. „In diesem Bereich besteht noch erheblicher Forschungsbedarf“, so Baumann.

Gut dokumentiert aber ist, dass ein regelmäßiges Bewegungstraining auch bei Tumorpatienten die körperliche Ausdauer und die Muskelkraft verbessert, dass es Nebenwirkungen der Krebstherapie wie ein Fatigue-Syndrom lindern kann, dazu beiträgt, die Mobilität der Patienten zu erhalten und insgesamt die Lebensqualität steigert. Gezeigt wurde ferner, dass ein gezieltes Bewegungstraining positiv auf die Inkontinenz von Prostatakrebs-Patienten wirkt.

Lässt es der Allgemeinzustand der Patienten zu, so kann mit dem Training rasch nach einer Krebsoperation begonnen werden und es ist durchaus auch hilfreich, während einer Strahlentherapie, einer Chemo- oder sogar einer Hochdosis-Chemotherapie ein Bewegungsprogramm zu absolvieren. „Wir starten beispielsweise bei Frauen mit Brustkrebs schon innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach der Operation mit ersten bewegungstherapeutischen Übungen“, berichtete Baumann.

In puncto Sport und Krebs vollzieht sich somit derzeit ein Paradigmenwechsel. Körperliches Training ist dabei als relevanter Teil der Behandlung anzusehen und als therapeutische Intervention bei Krebspatienten zu verstehen. Allerdings fehlen bislang Standards zur konkreten Durchführung des Trainings. Außerdem, so Baumann abschließend, fehlen flächendeckende sporttherapeutische Angeboten für Krebspatienten.

Quelle: Pressekonferenz „Sport und Krebs“ beim 31. Deutschen Krebskongress in Berlin

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