Brennpunkt

Künstlicher Pankreas produziert Insulin

Ein ganzes Jahr lang hat ein künstlicher Pankreas für einen Patienten das lebensrettende Insulin produziert. Dresdner Forscher sprechen von einem Durchbruch in der Diabetologie.

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Zum ersten Mal weltweit wurde am Universitätsklinikum Gustav Carus Dresden einem Patienten mit Typ-1-Diabetes ein künstlicher Pankreas eingepflanzt, in dem Inselzellen wie in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) Insulin produzieren. Rund ein Jahr blieb der kleine Bio-Reaktor in Form einer flachen Dose im Körper des Patienten.

Immunsuppression überflüssig

Seine Besonderheit: Das künstliche Pankreassystem macht anders als bei sonstigen Organ- und Gewebetransplantationen die Immunsuppression überflüssig: Es schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt jedoch umgekehrt das Insulin in den Körper. Wichtig sei die kontrollierte Sauerstoffversorgung der Zellen, die dadurch aktiv bleiben, erläuterte Prof. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Uniklinikum.

Damit könnten zukünftig sogar insulinproduzierende Zellen vom Schwein eingesetzt werden, ohne vom menschlichen Organismus abgestoßen zu werden. "Müssen die Empfänger von Spenderzellen nicht mehr lebenslang Immunsuppressiva nehmen und könnte man das Problem der fehlenden Spenderorgane umgehen, könnten viel mehr Menschen mit Diabetes als bisher von einer Inselzelltransplantation profitieren", sagte Bornstein.

Für den Medizin-Nobelpreisträger Prof. Andrew V. Schally von der Miller School of Medicine der University of Miami, der im Forschungsverbund mit den Dresdnern steht, hat dieser Erfolg "historische Bedeutung" weil für Menschen mit Typ-1-Diabetes, die trotz medikamentöser Therapie an lebensbedrohlichen Schwankungen ihres Zuckerhaushalts leiden, die Pankreas-Organ- und die Inselzell-Transplantation zurzeit die einzigen Möglichkeiten seien, um die insulinproduzierenden Beta-Zellen zu ersetzen.

Mehr Kontrolle, mehr Lebensqualität

Beide Optionen brächten eine deutlich verbesserte Diabeteskontrolle und Lebensqualität für die Betroffenen. Doch die dauerhafte Einnahme von Immunsuppressiva macht anfällig für Infektionen oder andere mögliche Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Krebsrisiko. Darum kam die Behandlung bislang nur für Menschen in Betracht, die ganz spezielle medizinische Kriterien erfüllen.

Dr. Barbara Ludwig hat 2008 das Inselprogramm an der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Universitätsklinikum aufgebaut, das seitdem deutschlandweit das einzige aktive Zentrum für die Inseltransplantation ist. Im Zentrum ihrer Forschungsarbeit steht die Verbesserung der Qualität der Inselzellen. Das künstliche Pankreassystem hat sie zunächst umfassend zusammen mit israelischen Kollegen an Tiermodellen erprobt, bevor es erstmals klinische Anwendung fand.

Bevor jedoch mehr Menschen vom Dresdner Forschungserfolg profitieren können, sind weitere Studien und Entwicklungen notwendig. "Wir schätzen, dass das System in fünf Jahren eine Therapieoption in der Behandlung des Diabetes sein wird", so Bornstein.

Zur 3D-Animation des Bioreaktors auf Youtube


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