Brennpunkt

Kuschelroboter im Pflegeheim

Die meisten demenzkranken Bewohnerinnen des Bremer Pflegeheims freuen sich, wenn sie Besuch von der Roboterrobbe Ole bekommen. Für die eine ist er ein Hund, für die andere ein Baby.

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Wird er gestreichelt, öffnet er seine großen, dunklen Augen. Er schlägt die langen schwarzen Wimpern auf und nieder und wackelt mit seinen Flossen. Aus seinem Bauch, in dem ein großer Akku liegt, kommen die Rufe einer Robbe. Ole ist ein Roboter. Eine 60 Zentimeter lange und 2,7 Kilo schwere Roboterrobbe mit weißem Fell, in dem Sensoren sitzen. Ein Plüschtier, das auf Berührungen reagiert und den Kopf in die Richtung dreht, aus der eine Stimme kommt. 

"Ein süßes Kind", freut sich die 81-jährige Helga Kollert. Sie nimmt die Robbe auf den Schoß und flüstert ihr etwas ins Ohr. "Dann bist du ganz ruhig", sagt sie und schon öffnet Ole die Augen und blickt sie an. "Das könnte mein Hund sein", sagt eine Frau, die mit ihrem Rollator vorbeikommt. "Der ist genauso verschmust." Den Hinweis der Ergotherapeutin Ruth Kurz, dass das die Roboterrobbe Ole sei, nehmen die demenzkranken Bewohnerinnen des Bremer Pflegeheims Haus O'land nicht wahr. 

Kurz arbeitet seit 2009 mit Ole. "Ein Roboter in der Pflege - zuerst waren wir erschüttert", erzählt die 49-Jährige. Doch die anfängliche Skepsis verflog schnell. "Dass Ole es schafft, dass Bewohner über ihre Gefühle sprechen, ist für mich der größte Gewinn." Regelmäßig geht sie mit dem 5.000 Euro teuren Plüschtier durch die Räume des Pflegeheims. Schnell merkt sie, wer Interesse an dem Tier hat. "Etwa ein Viertel der Bewohner will mit Ole nicht so viel zu tun haben, der Rest reagiert sehr begeistert bis positiv", sagt sie. 

"Was erzählst du mir da? Wie traurig. Ich bin ja auch so traurig. Ich will ja auch nach Hause. Du auch, oder?" Tränen laufen Elisabeth Gundlaff über die Wangen, als sie mit Ole spricht. Immer wieder streichelt die 82-Jährige das kleine Tier. Gundlaff ist seit etwa einem Jahr in dem Heim für Menschen mit Demenz und vermisst ihr altes Zuhause. Kurz setzt sich neben sie, nimmt die Seniorin in den Arm und versucht sie zu trösten. "Ihr müsst ihm doch mal ein Küsschen geben!", ruft die Dame mit dem Rollator herüber. 

Rund 50 Roboterrobben gibt es in deutschen Pflegeeinrichtungen. Daneben werden etwa ein Dutzend für wissenschaftliche Zwecke oder Ausstellungen genutzt, berichtet der Händler Tobias Bachhausen aus Seelze bei Hannover. Ihm zufolge ist er der einzige in Deutschland, der das in Japan entwickelte Modell eines Sattelrobbenbabys verkauft. "Es kommen circa drei bis vier Einrichtungen pro Monat hinzu, die kaufen oder mieten", sagt Bachhausen. Paro, wie das Tier offiziell heißt, sei vor allem für Menschen mit Demenz oder Behinderungen geeignet. 

Die Diskussionen um die Kuschelrobbe sind weitgehend verstummt. "Anfangs gab es den Vorwurf, dass wir den Roboter einführen, um Pflegekräfte einzusparen", erzählt Bachhausen. "Nach und nach hat sich gezeigt, worum es geht. Er ist eine hilfreiche Ergänzung, die den Bewohnern Freude bringt." 

Der Ärztliche Direktor des Asklepios Fachklinikums Göttingen, Manfred Koller, sieht das ähnlich. "Es ist nicht wissenschaftlich untersucht, ob es hilft. Aber alles, was eine gute Stimmung macht, ist willkommen", sagt er. Die Atmosphäre im Raum werde selbst von Demenzkranken, die in ihrem Können sehr eingeschränkt sind, gut wahrgenommen.

Ein Kuschelroboter könne beruhigen und Patienten zufriedener machen. Risiken sieht der Mediziner, der sich mit Alterspsychiatrie beschäftigt, lediglich in den hygienischen Bedingungen. Wenn mehrere Bewohner die Robbe benutzen, könnten Infektionen übertragen werden.

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