Freizeit

Lachen mit Risiko

Lachen macht nicht nur glücklich: Britische Forscher sind neben den möglichen körperlichen Vorteilen auch seinen Risiken nachgegangen.

 

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Einer Volksweisheit zufolge ist Lachen die beste Medizin. Besteht diese Annahme auch vor den strengen Augen der Wissenschaft? Sie muss bekanntlich neben dem Nutzen eines Medikaments immer auch seine Risiken und Nebenwirkungen in Betracht ziehen. Aber welche Gefahr kann vom Lachen auf die Gesundheit ausgehen?

Dr. Robin E. Ferner und Dr. Jeffrey Aronson, Klinische Pharmakologen an der Universität Birmingham, gingen dieser Frage mit der gleichen Analysemethode nach, die sie bei der Beurteilung von Arzneimitteln anwenden: Sie unterzogen für das „British Medical Journal“ 785 zwischen 1946 und 2013 zum Thema „Lachen“ publizierte Studien einer systematischen Prüfung auf nachweisliche Effekte und mögliche Risiken und wurden tatsächlich für beide Kriterien fündig (Robin A. Ferner et al. BMJ 2013;347:f7274 doi: 10.1136/bmj.f7274 (Published 12 December 2013).

Für die positive gesundheitliche Wirkung der Heiterkeit gibt es mittlerweile viele wissenschaftlich fundierte und seriöse Erkenntnisse, stellen Ferner und Aronson nach ihrer Literaturrecherche fest. Einige Beispiele: Beim Lachen wird das Herz-Kreislauf-System aktiviert - Herzfrequenz und Blutdruck steigen zunächst, danach führt die Erweiterung der Arterien zu einem Blutdruckabfall.

Wiederholte kurze, kräftige Kontraktionen der Muskeln von Thoraxwand, Abdomen und Zwerchfell erhöhen den Blutfluss zu den inneren Organen. Die verstärkte Atmung steigert den Sauerstofffluss im Blut. Lachen senkt das Herzinfarktrisiko und verlängert die Lebenserwartung. Während des Lachens werden Endorphine ausgeschüttet, die die Schmerzempfindlichkeit senken und den Stoffwechsel anregen.

Lachen beeinflusst den Metabolismus und erhöht den Energieverbrauch. In 15 fröhlichen Minuten werden 40 Kalorien (167,2 Kilojoule) verbraucht. Während eines ganzen Tags voller Freude könnten so rund 2.000 Kalorien (8.360 kJ) verbrannt und damit dem Übergewicht vorgebeugt werden, meinen Ferner und Aronson.

Auch Diabetiker profitieren von einer fröhlichen Unterhaltung: Sieht man eine Comedy, verlangsamt sich der Anstieg des Blutzuckers nach einer Mahlzeit - ein Effekt, der bei Zuhörern eines monotonen Vortrags nicht beobachtet werden kann.

Geradezu verblüffende messbare Folgen hatte das Lachen in einer Studie bei Frauen mit Kinderwunsch. Die Versuchsanordnung der prospektiven, quasi-randomisierten Studie israelischer Fertilitätsexperten war denkbar ungewöhnlich: 110 Frauen wurden nach der In-vitro-Fertilisation und dem Embryo-Transfer in ihrem Krankenzimmer von einem als Klinikkoch verkleideten Clown besucht und 12 bis 15 Minuten lang mit Witzen und Zaubertricks unterhalten.

Die Rate der bei diesen Frauen erzielten Schwangerschaften lag mit 36,4 Prozent deutlich höher als in der Kontrollgruppe (109 Frauen), die nicht zum Lachen gebracht wurde: Dort schlug die IVF-Therapie nur bei 20,2 Prozent der Frauen an (Friedler S, Glasser S, Azani L, Freedman LS, Raziel A, Strassburger D, et al. The effect of medical clowning on pregnancy rates after in vitro fertilization and embryo transfer. Fertil Steril 2011;95:2127-30).

Aber auch das Lachen hat Nebenwirkungen und Risiken, konstatieren die Wissenschaftler. Der Anstieg des intrathorakalen Drucks bei Lachattacken kann Arrythmien auslösen und zu Ohnmachten führen. Auch über Herzrupturen und Pneumothorax wurde schon berichtet. Gefahr besteht auch, wenn man mit vollem Mund zum Lachen gebracht wird, weil man Fremdkörper wie Kaugummi, Popcorn oder Bonbons einatmen kann.

Bei allzu intensivem Lachen besteht das Risiko eines Leistenbruchs oder einer seltenen, aber lebensgefährlichen, spontanen Perforation der Speiseröhre („Boerhaave-Syndrom“). Eine öfter berichtete Nebenwirkung der Lachtherapie sind Blutergüsse im geraden Bauchmuskel („Rectus abdominis“). „Lachen kann - wie auch andere angenehme Dinge des Lebens wie Eiscreme, Schokolade oder Sex - zu Kopfschmerzen führen“, stellen Ferner und Aronson mit trockener Ironie fest. Sie verweisen außerdem auf die Gefahr einer Ausrenkung des Kiefers und auf das mögliche Auslösen eines Asthmaanfalls.

Lachen kann auch krankhaft sein, zum Beispiel bei Schlaganfall, Epilepsien und Hirntumoren. Bei herzkranken Personen besteht sogar die Gefahr, sich buchstäblich zu Tode zu lachen. So geschehen im Fall einer Frau, die an Herzrhythmusstörungen litt: Sie fand während eines drei Minuten dauernden Lachanfalls den Tod.

Eine harmlose, gleichwohl hochpeinliche Nebenwirkung der ungebremsten Fröhlichkeit betrifft Blase und Harnröhre. Wer sich vor Lachen ausschüttet, tut es mitunter wörtlich: Unter Lachinkontinenz („Giggle-Inkontinenz“) leiden besonders häufig junge Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren. Die Störung kann jedoch bis ins Erwachsenenalter anhalten.

Die launige Studie der beiden Pharmakologen erschien im Weihnachtsheft des britischen Fachjournals BMJ, in dem nach alter Tradition auch Berichte abseits des wissenschaftlichen Mainstreams publiziert werden. Die Autoren versichern, dass sie auch nach dem Aufdecken möglicher Risiken davon überzeugt sind, dass die positiven Effekte der Fröhlichkeit überwiegen.

  • Gut gelaunte Menschen können 100 bis 400 Mal pro Tag lachen. Das Lachen dauert selten länger als sieben Sekunden, wenn kein neuer Anlass geboten wird. Der Lachausbruch erfolgt bei Frauen mit einer Grundfrequenz um 502 Hertz, bei Männern um 276 Hertz.
  • Es werden immer ähnliche Lautkombinationen verwendet: „Ha-ha-ha“, „hi-hi-hi“ oder „ho-ho-ho“. Weitere Variationen sind: „Cha-ha-ha“ und „ha-ha-ho“. Andere Kombinationen wie „ha-ho-ha-ho“ oder „ha-hi-ha-hi“ wirken dagegen gestellt und regen nicht zum Mitlachen an.
  • Jugendliche lachen mehr, wenn sie spielen oder flirten. Frauen im Publikum lachen messbar öfter, wenn ein Mann spricht. Allerdings: Redner lachen durchschnittlich 46 Prozent häufiger als ihre Zuhörer. 
  • Im Beruf wird gelacht, um Verbindungen zu stärken oder in Verhandlungen zu überzeugen. Lachen kann auch als Machtmittel eingesetzt werden, etwa zur Kontrolle der Untergebenen: „Wenn der Chef lacht, lachen alle“. -
  • Der Schweizer Neurologe Prof. Dr. Jürg Kesselring, Chefarzt im Rehabilitationszentrum Valens: „Lachen vermittelt vertrauensvolle Nähe, schafft Goodwill, baut soziale Brücken und vermindert Feindschaft und Aggression. Wir lachen, wenn wir Spannung zwischen Fremden abbauen wollen oder Nein sagen müssen, bei Entschuldigungen. Selten, wenn wir allein sind: Jemand, der für sich alleine ohne erkennbaren Grund laut lacht, gilt bald als verrückt“. 

Am ersten Maisonntag des Jahres sollen die Menschen um Punkt 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit für drei Minuten in kollektives Gelächter ausbrechen, um damit für den Weltfrieden zu demonstrieren. Die Idee zu diesem „Weltlachtag“ stammt aus der Yoga-Lachbewegung, die weltweit in über 6.000 Lachclubs organisiert ist. Diese Form des Yoga offeriert Übungen, mit deren Hilfe der Anwender von einem anfangs künstlichen Lachen zu einem echten Lachen animiert wird. Lachen als Therapie wird bereits in 176 Lachclubs in Deutschland sowie in 13 österreichischen und zwölf schweizerischen Lachclubs praktiziert (www.lachverband.org).


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