Geld

Leasen oder kaufen?

Ob Niederlassung oder Austausch der Praxiseinrichtung - die Frage der Finanzierung steht im Raum. Wie sind die Konditionen beim Kauf per Darlehen, wie bei einem Leasing-Vertrag?

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Junge Zahnärzte verfügen in der Regel nicht über eigenes Vermögen, das für die Anschaffung von Praxisgeräten, Behandlungsstühlen und Einrichtungsgegenständen eingesetzt werden kann. Und auch ein bereits erfolgreich niedergelassener Zahnarzt braucht möglicherweise nach Jahren neue Geräte, weil die vorhandenen überholt oder nicht mehr einsatzfähig sind. Wenn das eigene Kapital dafür nicht reicht, geht es Zahnärzten so wie fast jedem Unternehmer: Die nötigen Käufe müssen entsprechend finanziert werden. Medizinern bietet sich neben der Möglichkeit des Bankdarlehens auch die Variante des Leasings. Doch wo liegen die Unterschiede oder Vorteile? Welche Form ist im Einzelfall die passende Alternative ?

Bei der Finanzierung verlangen die Kreditinstitute in der Regel bis zum Vertragsende Sicherungsrechte an dem gekauften Gegenstand. Danach kann der Zahnarzt - als Eigentümer - das Objekt nutzen, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Weiterer Vorteil eines Darlehens ist die Tatsache, dass der Vertrag jederzeit, gegebenenfalls mit einer Abschlagszahlung, durch den Kreditnehmer kündbar ist.

Auch die steuerlichen Vorteile sind interessant, da die gekauften Objekte auf die Laufzeit verteilt gleichmäßig abgeschrieben werden können. Allerdings bedeutet ein Darlehen für den Zahnarzt häufig eine geringere Liquidität. Hinzu kommt das Problem, dass die angeschafften Geräte nach einer langen Finanzierungslaufzeit bisweilen schon wieder veraltet sind.

Beim Leasing verhält es sich ein wenig komplizierter. Denn hier bleibt der Leasing-Geber rechtlich und wirtschaftlich Eigentümer des geleasten Objekts. Endet der Leasingvertrag, muss der Gegenstand an den Leasing-Geber zurückgegeben oder kann mit ausdrücklicher Zustimmung vom Leasing-Nehmer (oder einem Dritten) gekauft werden.

Ein Leasingvertrag ist also zunächst lediglich ein zeitlich begrenzter Gebrauchsüberlassungsvertrag, der dem Zahnarzt gegen Gebühr das Nutzungsrecht überträgt. Und obwohl er als Leasingnehmer nicht Eigentümer wird, trägt er - wenn nicht besondere Gewährleistungsregeln vereinbart wurden - im Falle einer Beschädigung selbst das Risiko und wird für die Instandhaltung haftbar gemacht. Außerdem kann ein Leasingvertrag nicht ohne Weiteres gekündigt werden.

Die regelmäßige Leasingrate berechnet der Leasinggeber aus Kaufpreis, Laufzeit, Restwert, geleisteter Anzahlung und einem kalkulatorischem Zinssatz (zusammengesetzt aus Refinanzierungskosten, Risikozuschlag, Verwaltungskosten, Gewinnmarge). Letztendlich müssen sich Anschaffung und Überlassung vor allem für den Leasinggeber rechnen.

Die Technik leasen

Doch auch für den Zahnarzt kann Leasing Vorteile beinhalten, etwa aus steuerlicher Sicht. Denn die Leasingraten sind Betriebsausgaben und dadurch steuerlich absetzbar. Außerdem entlastet Leasing die Kreditlinie des Zahnarztes bei der Bank und verbessert somit das Bankenrating. Vor allem technische Gegenstände können unter Umständen besser geleast werden, wenn nach dem Ende der Vertragslaufzeit die (nunmehr veralteten) Geräte an den Leasinggeber zurück gegeben und neue Geräte über einen weiteren Leasingvertrag angeschafft werden.

Was sinnvoller ist, muss im Einzelfall entschieden werden und hängt auch von der finanziellen Situation der einzelnen Praxis ab. Ein wesentlicher Entscheidungsfaktor sollte die durchschnittliche Zinsbelastung durch die Investition sein. Sie kann aufgrund der unterschiedlichen Vertragsgestaltungen jedoch oft nur schwer beurteilt werden.

Eine Zahnarztpraxis leaste in einem konkreten Fall zwei Behandlungseinheiten im Wert von 92.081 Euro netto (Kaufpreis 109.577 Euro). Dies entspricht einer monatlichen Leasingrate von 1.586,95 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer also 1.888,46 Euro. Wie beim Leasing üblich, bleibt die Leasinggesellschaft Eigentümerin; die Kosten entstehen für das Recht der Nutzung.

Nicht automatisch günstiger

Bleibt die Frage nach der Zinsbelastung, die in diesem Fall über eine Laufzeit von 72 Monaten 8,93 Prozent beträgt. Die Leasingrate mindert steuerlich direkt den Gewinn, während beim Kauf die Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer verteilt werden - bei einer Behandlungseinheit in der Regel zehn Jahre. Im Falle einer linearen Abschreibung wäre das eine Gewinnminderung von 10.957,70 Euro. Das Leasing hingegen mindert den Gewinn pro Jahr um 22.661,52 Euro.

Man könnte nun annehmen, Leasing sei wegen höherer Gewinnminderung automatisch günstiger. Richtig ist jedoch, dass zwar die Leasingrate direkt abzugsfähig ist, bei einer Finanzierung die Abschreibungen und Zinsen jedoch den Gewinn mindern. Somit sind in beiden Fällen die Ausgaben über die gesamte Laufzeit abzugsfähig; einen Unterschied gibt es lediglich beim Zeitpunkt der Abzugsfähigkeit.

Nach Zahlung der Raten und Abschlusszahlung gehen die Behandlungseinheiten nicht automatisch in das Eigentum des Zahnarztes über, sondern die Gegenstände müssen gegen Kaufpreis übernommen werden. Im Beispiel lag der Kaufpreis bei 511,57 Euro. Problem dabei: Eine Kaufpreisaussage erhalten Leasingnehmer in der Regel nicht zu Beginn des Vertrags.

Eine Finanzierung über Kauf wäre in genanntem Beispiel günstiger gewesen. Nimmt man für die Finanzierung einen Zinssatz von fünf Prozent an, liegt der Gesamtbetrag bei 127.061 Euro (Zinsanteil 17.484 Euro), während der Zahnarzt beim Leasing insgesamt 143.098 Euro für die Behandlungseinheit aufbringen musste (Zinsanteil 33.521 Euro). Er hätte also effektiv 16.037 Euro sparen können.

Leasing ist "Rating-freundlicher"

Dennoch entscheidet der Einzelfall, ob Leasing oder die Fremdfinanzierung über ein Darlehen vorteilhafter ist. Neben einer Vergleichsrechnung sollte man sich mehrere Angebote einholen - egal, ob von Leasingfirmen oder Kreditinstituten. Fest steht hingegen: Das Leasing mindert das Fremdkapital und belastet nicht die Eigenkapitalquote. Dadurch ist es "Rating-freundlicher".

Detlef Diehr
Betriebswirt
Münsterstraße 111
48155 Münster
info@diehr-praxisplus.de


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