Brennpunkt

Marika: 52 Jahre, HIV-positiv

Marika hat sich lange vor ihren Mitmenschen versteckt. Sie lebt mit einem doppelten Stigma, denn sie war nicht nur drogenabhängig: Seit 1989 weiß die 52-Jährige, dass sie HIV-positiv ist.

BgzA

Sie sitzt mit ihrer Mutter Waltraut und ihrer Schwester Conny im Garten, als sie sich erinnert: "Als die beiden mir damals sagten, dass ich HIV-positiv bin, habe ich die Tragweite dieser Botschaft erst gar nicht realisiert. Ich hatte wochenlang im Koma gelegen, wäre fast an den Folgen meiner Drogensucht und der Infektion gestorben."

Ihr Leben wäre fast vorbei gewesen

Irgendwann, als es ihr besser ging, wurde ihr bewusst, was überhaupt passiert war: "Dass sich mein Leben, was bis dahin wahrlich kein Einfaches gewesen war, verändern und vielleicht sogar schon bald vorbei sein würde. Ich weiß nicht warum, aber ich war mir damals sicher, dass sich meine Familie nicht von mir abwenden würde - obwohl wir seit mehr als zwei Jahren keinen Kontakt hatten.“

Die Diagnose hat Waltraut schwer erwischt

"Mich hat die Diagnose schwer erwischt“, beginnt ihre Mutter Waltraut zu erzählen. "Ich bin in tiefe Depressionen gefallen. Aber ich habe für Marika alles getan, was ich konnte. Ich nahm sie bei mir auf, pflegte sie, suchte ihr eine neue Wohnung.“

Waltraut wusste damals nicht viel über HIV. Aber eines war auch bei ihr angekommen: "Ende der Achtziger war HIV ein Todesurteil und ein Stigma. Wie sollte es weiter gehen?“, fragt sie kopfschüttelnd und zuckt die Schultern. Sie wusste es nicht. Aber die Frauen, die heute hier zusammen sitzen und selbstgebackenen Orangenkuchen essen, haben es geschafft.

Schwester Conny wandte sich nach dem ersten Schreck an die lokale Aids-Hilfe. "Ich habe versucht, ganz normal mit Marika umzugehen, sie einfach als meine Schwester zu sehen.“ Was Conny beschreibt, trifft den Kern all dessen, wofür Marika und die anderen Botschafterinnen und Botschafter der Kampagne „Positiv zusammen leben!“ sich einsetzen: Menschen als Menschen zu sehen, mit all ihren kleinen Schwächen, die jede und jeder von uns hat.

Marika will nicht ausgegrenzt werden

"Man sollte einen Menschen nicht einfach im Regen stehen lassen, nur weil er vielleicht anders ist, als man selbst. Ich möchte nicht ausgegrenzt werden. Ich bin trotz HIV ein Mensch, ich habe ein Herz, das in meiner Brust schlägt. Ich habe Gefühle“, sagt Marika und fast treten ihr dabei die Tränen in die Augen.

Marika, Waltraud und Conny haben als Familie gelernt, die Erkrankung auch als Chance zu begreifen. Sie sehen ihr Leben mittlerweile mit anderen Augen, setzen sich anders mit den Dingen auf dieser Welt und mit ihren Mitmenschen auseinander.

Rausgewurschtelt und freigestrampelt

"Meine Familie im Rücken zu haben, gibt mir die Kraft, immer weiter zu machen, so schwierig es manchmal auch sein mag.“ Dass dies keine leeren Floskeln sind, steht Marika ins Gesicht geschrieben. "Ich habe mich aus dem ganzen Schlamassel rausgewurschtelt und freigestrampelt."

Darauf ist sie stolz. "Ich kann meinem Leben heute so viel abgewinnen. Ich freue mich über die kleinsten Dinge. Wenn ich morgens die Schmetterlinge vor meinem Fenster sehe, wenn ich etwas Leckeres koche, wenn ich Freundinnen treffe. Ich habe mich lange versteckt, das war sehr anstrengend. Ich möchte das nicht mehr“, sagt Marika und isst das letzte Stückchen Kuchen.

Kommt heraus aus dem Versteck

Waltraut hat vor kurzem ein Lied von den Hooters im Radio gehört. "Der Liedtext geht mir nicht mehr aus dem Kopf, denn er beschreibt genau, was wir als Team, als Familie empfinden. Er lautete ungefähr so: "Kommt heraus aus dem Versteck, zeigt Euer Gesicht und übernehmt Verantwortung."

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