DG PARO stellt sich vor

Mehr als nur „Kratzen“

Die Parodontologie ist das verbindende Element für alle zahnärztlichen Teildisziplinen. Im Studium werden die Grundlagen gelegt. Anschließend sollte durch gezielte Fortbildungen das parodontologische Wissen erweitert werden, da ein suffizientes Präventions- und Behandlungskonzept in jeder Praxis und für jeden Patienten erforderlich ist.

"Wir sind der festen Überzeugung, dass die Beurteilung der Parodonts die Grundlage eines jeden Therapieplans ist - egal ob restaurativ, prothetisch, implantologisch, endodontisch oder kieferorthopädisch", sagt DG PARO-Vorstandsmitglied Dr. Lisa Hierse. "Erst mit einem gesunden Parodont werden unsere gesamten zahnmedizinischen Bemühungen langfristig erfolgreich und auch ästhetischer Behandlungserfolg möglich." aerial2010 Fotolia

Das Spannende und Reizvolle an der Parodontologie ist ihre Schlüsselrolle im Rahmen synoptischer Behandlungskonzepte. Ohne die Parodontologie als Schnittstelle zu anderen zahnmedizinischen Teildisziplinen wie Implantologie und Prothetik geht es nicht. Die Parodontologie bietet weit über das „Kratzen“ hinaus eine Vielfalt an interessanten Therapiefacetten. Besonders bei schweren Formen der Parodontitis ist häufig die nichtchirurgische Therapie nicht ausreichend, so dass weiterführende Therapieschritte notwendig sind. Daher sollte jedem Zahnarzt bekannt sein, welche ergänzenden Maßnahmen zur effektiven Beseitigung der parodontalen Entzündung sinnvoll sind. Diese kann er dann entweder selbst durchführen oder den Patienten an einen weitergebildeten Kollegen überweisen. 

Der Stellenwert der Parodontologie wird besonders im implantologischen Zeitalter deutlich – Stichwort periimplantäre Entzündungen. Und nicht zuletzt ist der interdisziplinäre Ansatz mit der Schnittstelle der Parodontologie zur Allgemeinmedizin ein wichtiger Aspekt, den jeder Zahnarzt bei seinen Patienten berücksichtigen muss. In einem systematischen PA-Konzept liegt der Schlüssel zum Langzeiterfolg. Kurz gesagt: Ohne Parodontologie ist keine moderne Zahnheilkunde durchzuführen. 

Paro als Nischenfach?

Auch wenn die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie eine Abnahme der Parodontitisprävalenz zeigt, bleibt nach den Bewertungen der Deutschen Gesellschaft fürParodontologie (DG PARO) dennoch eine hohe Behandlungslast in Deutschland von über 11 Millionen parodontal schwer Erkrankten. Eine schwere Parodontitis ist die sechsthäufigste Erkrankung weltweit und die häufigste Ursache für Zahnverlust. Daher ist die effektive Therapie von entscheidender Bedeutung, und dabei ist jeder Zahnarzt gefragt. Milde und moderate Formen der Parodontitis sind durch den allgemeinzahnärztlich tätigen Kollegen vorhersagbar behandelbar. Allerdings kann es für die Beurteilung und Behandlung schwerer und komplizierter Fälle hilfreich sein, an einen auf das Fachgebiet Parodontologie spezialisierten Zahnarzt zu verweisen. Es ist wichtig, dass wir Zahnärzte uns über das Studium hinaus mit aktuellen Behandlungskonzepten und -methoden auseinandersetzen und uns fortbilden. Nur so kann eine flächendeckende parodontaltherapeutische Versorgung dieser Volkskrankheit erfolgen.

"Ohne Parodontologie ist keine moderne Zahnheilkunde durchzuführen", sagt Dr. Lisa Hierse, DG PARO-Vorstandsmitglied.

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Im Studium werden parodontologische Grundlagen vermittelt. Allerdings gibt es bezüglich der parodontologischen Lehre an deutschen Fakultäten leider eine ungleiche Verteilung an eigenständigen Abteilungen und Lehrstühlen. Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf die Qualität und Intensität der studentischen Ausbildung. Vor dem Hintergrund einer neuen Approbationsordnung wäre es wünschenswert, wenn die Parodontologie früher ins Studium integriert werden würde, um ihren Stellenwert im zahnärztlichen Behandlungsablauf frühzeitig zu festigen. Weiterhin sollten parodontaltherapeutische Bewegungsabläufe bereits in der Vorklinik geschult werden, so wie auch der Umgang mit Hand- und Winkelstücken dort geübt wird. Außerdem kann im Studium nicht früh genug auf den Zusammenhang zwischen der Parodontologie und Allgemeinerkrankungen eingegangen und das Bewusstsein der zukünftigen Zahnärzte dafür geschärft werden. 

Auch wenn die Grundlagen im Studium gelegt werden, ist die parodontologische Ausbildung keinesfalls zu diesem Zeitpunkt vollumfänglich abgedeckt und abgeschlossen. Weiterführende Fortbildungen als Ergänzung sind in jedem Fall lohnenswert, nicht zuletzt, um ein eigenes praxistaugliches Konzept zu erarbeiten.

Nach dem Studium

Das Schöne an der aktuellen Fortbildungslandschaft ist, dass es Fortbildungen verschiedener Intensitäten gibt. Dies ermöglicht eine Anpassung an eure persönlichen und beruflichen Umstände und berücksichtigt unterschiedliche Interessenlagen. So ist die umfangreichste Ausbildung eine dreijährige Vollzeitweiterbildung zur/zum DG PARO-Spezialist/-in für Parodontologie® und zur/zum Fachzahnarzt/-ärztin für Parodontologie. Da es die Weiterbildung zum Fachzahnarzt für Parodontologie nur im Kammerbereich Westfalen-Lippe gibt, hat die DG PARO 1992 den DG PARO-Spezialisten für Parodontologie® als deutschlandweit zu absolvierendes Pendant ins Leben gerufen. An speziellen Ausbildungsstätten kann diese Weiterbildung durchgeführt werden. 

In Deutschland gibt es weniger als 250 DG PARO-Spezialisten für Parodontologie. Diese hohe Qualifikation ist nach wie vor etwas ganz Besonderes und leider noch viel zu wenig verbreitet. Für diejenigen, die bereits familiär oder beruflich an einen Ort gebunden sind, gibt es die besondere Möglichkeit, praxisbegleitend den DG PARO-Masterstudiengang zu absolvieren. So ein Masterstudium dauert ca. zwei Jahre und findet in 24 Unterrichtseinheiten statt. Seit Kurzem haben DG PARO-Masterabsolventen, aktuell bis 2024 zeitlich begrenzt, sogar die Möglichkeit zum Aufstieg zum DG PARO-Spezialisten. Bislang haben sieben der insgesamt 200 DG PARO-Masterabsolventen einen solchen Aufstieg entsprechend der Weiterbildungsordnung erreicht. 

Eine weitere, mehr abgestufte Fortbildungsmöglichkeit sind curriculare Fortbildungen. Hier finden strukturierte Kurse in einer geringeren Stundenzahl statt, die das parodontologische Wissen für den allgemeinzahnärztlichen Praxisalltag deutlich bereichern. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass eine bereits absolvierte curriculare Fortbildung für den DG PARO-Masterstudiengang anerkannt wird, wodurch sich die Gebühren verringern.

Die DG PARO organisiert über das Jahr hinweg mehrere Fortbildungsveranstaltungen. Ziel aller Veranstaltungen ist es, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in Einklang mit der Relevanz im Praxisalltag zu bringen. Daher sind die DG PARO-Veranstaltungen nicht nur für parodontologisch spezialisierte Zahnärzte von Interesse, auch allgemeinzahnärztlich tätige Kolleginnen und Kollegen bekommen einen Überblick über klinisch relevante Aspekte, umsetzbare Behandlungskonzepte und aktuelle Neuigkeiten aus der Parodontologie. Als Highlight ist die DG PARO-Jahrestagung als größte parodontologische Tagung Deutschlands hervorzuheben. 

Fachgesellschaft lohnt sich

Die DG PARO nimmt wissenschaftliche und fachliche Aufgaben auf dem Gebiet der Parodontologie wahr. Für ihre gut 4800 Mitglieder sowie zahnärztliche Organisationen ist sie seit über 90 Jahren beratend und unterstützend in parodontologischen Fragen tätig. Zu den Aufgaben der DG PARO gehören u. a. die Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Auswertung, Verbreitung und Vertretung der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Wesentliche Tätigkeitsschwerpunkte, neben der Durchführung von wissenschaftlichen Tagungen, sind die Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Ausrichtung entsprechender Veranstaltungen. Die DG PARO arbeitet, auch interdisziplinär, intensiv mit wissenschaftlichen Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Institutionen des In- und Auslandes zusammen und ist daher weltweit gut vernetzt. Die DG PARO tritt für gesundheitspolitische Belange ein. 

Weiterhin werden intensive Gespräche mit Politikern und der zahnärztlichen Standesvertretung geführt, um den Stellenwert und die gesundheitspolitische Bedeutung der Parodontitis hervorzuheben. Außerdem trägt die DG PARO wesentlich dazu bei, die Wahrnehmung der Volkskrankheit Parodontitis in der Öffentlichkeit zu fördern. Jeder parodontologisch interessierte Zahnarzt sollte sich als Mitglied der DG PARO registrieren. Der Beitritt lohnt sich!

Als Mitglied der DG PARO erhaltet ihr eine Vielzahl unterschiedlicher Vorteile. Dazu gehören nicht nur reduzierte Teilnahmegebühren für die DG PARO-Veranstaltungen, sondern auch der kostenlose Zugriff auf parodontologische Fachzeitschriften, um euer Wissen zu erweitern. Außerdem werden Praxisunterlagen zu unterschiedlichsten Themen zum Download zur Verfügung gestellt. Ein besonders hervorzuhebendes Feature ist der kostenfreie Zugang zu online gestellten Videoaufzeichnungen von Vorträgen unserer Fortbildungsveranstaltungen. Somit könnt ihr euch interessante Beiträge wiederholt anschauen und Tagungen nachbereiten.

"Um gezielte Ansprechpartner für junge Kollegen zu haben, hat die DG PARO 2012 das Junior Committee gegründet. Das Junior Committee besteht aus jungen Parodontologen aus Hochschule und Praxis und kümmert sich um die Kommunikation und Vernetzung jüngerer Kolleginnen und Kollegen. Des Weiteren fährt das Junior Committee innovative Fortbildungsformate auf und lädt herzlich dazu ein, Kontakte unter jungen Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft und Praxis zu knüpfen. So könnt ihr in einem entspannten Umfeld und lockeren Rahmen diskutieren und Fragen zu parodontologischen Themen oder Weiterbildungswegen stellen", erläutert Dr. Lisa Hierse, DG PARO-Vorstandsmitglied.

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