Freizeit

Mehr Öffentlichkeit für soziales Engagement

Der Zahnarzt ist Heiler und Helfer - nicht nur in der eigenen Praxis, für viele ist weltweites soziales Engagement selbstverständlich. Allerdings kriegt die breite Öffentlichkeit davon kaum etwas mit. Eine "Koordinierungskonferenz für Hilfsorganisationen" soll das im März 2015 ändern. Die Veranstalter im Gespräch.

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Warum und mit welcher Zielsetzung wurde 2009 eine Koordinierungskonferenz für Hilfsorganisationen ins Leben gerufen?

Prof. Dietmar Oesterreich/ Dr. Wolfgang Schmiedel: Das soziale Engagement des zahnärztlichen Berufsstandes ist bemerkenswert hoch und außerordentlich vielfältig. Es wird von zahlreichen Organisationen sowie einzelnen Zahnärztinnen und Zahnärzten getragen.

Viele Initiativen bestehen bereits mehrere Jahrzehnte. In den letzten 20 Jahren hat der Berufsstand an die 100 Millionen Euro an Hilfsmitteln gespendet, um die Not der Ärmsten der Armen bei uns vor der Tür und weltweit zu lindern. Nicht zuletzt durch die regelmäßige Berichterstattung in den zm über die verschiedenen Aktivitäten gab es in den vergangenen zehn Jahren eine deutliche Zunahme dieses sozialen Engagements.

Um diesem herausragenden sozialen Engagement und den Hilfsaktivitäten eine Plattform zu geben, haben wir uns 2009 entschlossen, regelmäßige Koordinierungskonferenzen in der Bundeszahnärztekammer durchzuführen. Ziel ist, den Austausch zwischen den sozialen Projekten zu fördern und die Aktivitäten innerhalb der (Landes-)Zahnärztekammern noch stärker zu zeigen.

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich ist Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer und Präsident der Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern. | bzaek-pietschmann

Gleichzeitig war und ist es die Aufgabe der BZÄK, das soziale Engagement des Berufsstandes auch auf der politischen Ebene deutlich sichtbarer zu machen. Parallel dazu bemüht sich die BZÄK, dabei zu helfen, dass Probleme oder Hinderungsgründe für die Aktivitäten einer Lösung zugeführt werden können.

Darüber hinaus bietet die Koordinierungskonferenz, die nunmehr alle zwei Jahre im Rahmen der IDS in Köln stattfindet, auch eine Plattform für die Entwicklung neuerer Aktivitäten und Hilfsprojekte einschließlich der damit verbundenen Suche nach finanzieller und logistischer Unterstützung.

So hat die Bundeszahnärztekammer auch dafür gesorgt, dass in Kontakten mit dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die ehrenamtlichen sozialen Engagements des Berufsstandes nicht nur entsprechende Würdigung gefunden haben, sondern diese auch in den gesamt-gesellschaftlichen Anstrengungen zur Linderung von Not und Leid sowohl in Deutschland als auch in der Welt Eingang gefunden haben.

Mit welchen Problemen sehen sich die einzelnen Hilfsorganisationen konfrontiert?

In der Regel sind dies finanzielle und logistische Probleme. Ehrenamtliches Engagement, sei es für notleidende Menschen vor der eigenen Haustür oder für den weltweiten Einsatz von Zahnärztinnen und Zahnärzten in Notgebieten, kostet Geld und Zeit.

Da die verschiedenen Hilfswerke sich ausschließlich über Spenden finanzieren, braucht es bisweilen viel Geduld und Beharrlichkeit, um die notwendigen Mittel beizubringen, die es schließlich erlauben, nachhaltig helfend tätig zu werden.

Darüber hinaus braucht es immer wieder viel Überzeugungsarbeit, gerade junge Kolleginnen und Kollegen dazu zu bewegen, sich bereits während der Assistenz- oder Praxisgründerzeit ehrenamtlich zu engagieren. Diese „Nachwuchsarbeit“ wird unter anderem ein Aspekt der kommenden Koordinierungskonferenz im März 2015 in Köln sein.

Dr. Wolfgang Schmiedel ist Präsident der Zahnärztekammer Berlin und Vorstandsreferent der Bundeszahnärztekammer für Soziale Aufgaben und Hilfsorganisationen. | bzaek-pietschmann

Ein weiteres Problem der einzelnen Hilfswerke besteht darin, dass es in der Vergangenheit bereits vorgekommen ist, dass bei Auslandseinsätzen zwei zahnärztliche Hilfsorganisationen nur wenige Kilometer voneinander entfernt gleichzeitig tätig waren und beide nichts davon wussten.

Während die einen bestimmte zahnärztliche Materialien in Hülle und Fülle vorrätig hatten, benötigten die anderen gerade genau diese Materialien dringend. Hier gilt es in Zukunft, eine bessere Vernetzung über spezielle Online-Plattformen zu erreichen, um Synergieeffekte zu erzielen und die notwendigen Hilfsmaßnahmen effektiver vornehmen zu können.

Bei der letzten Koordinierungskonferenz im März 2013 kündigte der Verband der Deutschen-Dental-Industrie an, um mehr Unterstützung bei den Mitgliedsunternehmen zu werben. Wie bewerten Sie, fast zwei Jahre später, die aktuelle Situation?

Wir sind dankbar, dass die Dentalindustrie ihren Worten auch Taten hat folgen lassen. Uns ist bekannt, dass sich regionale Depots tatkräftig und großzügig an der Umsetzung der erforderlichen Hilfsmaßnahmen beteiligen, bis hin zur Bereitstellung kompletter zahnärztlicher Behandlungseinheiten - in Deutschland und in Notgebieten weltweit.

Dafür sagen wir ausdrücklich unseren Dank. Auch auf der Koordinierungskonferenz im März wird die Dentalindustrie vertreten sein und wir sind gewiss, dass wir weiterhin auf diese wertvolle Unterstützung setzen können.

Wie hat sich das Engagement der Bundesregierung in den letzten Jahren verändert?

Zum Ministerium hält die BZÄK seit der vergangenen Koordinierungskonferenz, bei der als Referent Stefan Sckell vom BMZ teilnahm, einen guten Kontakt. Die Organisation "Engagement Global", die im Auftrag des Ministeriums tätig ist, betreibt eine Onlineplattform für soziale Projekte.

Wir freuen uns, dass ein Vertreter der Organisation "Engagement Global" seine Teilnahme als Referent für die kommende Veranstaltung bereits fest zugesagt hat. Er wird den Teilnehmern die hilfreichen Möglichkeiten der Onlineplattform erläutern und damit für die oben angesprochene dringend erforderliche Vernetzung der verschiedenen zahnärztlichen Hilfsorganisationen sorgen.

Im März 2015 findet die nächste Koordinierungskonferenz statt. Welche Aspekte möchten Sie in die Diskussion mit einbringen?

Das oben angesprochene herausragende soziale und gesellschaftliche Engagement der deutschen zahnärztlichen Hilfsorganisationen wird in der breiten Öffentlichkeit leider viel zu wenig wahrgenommen. Dieser regionale und weltweite Einsatz von Kolleginnen und Kollegen, die Geld und Freizeit opfern, um weltweit und vor der eigenen Haustür Not zu lindern, verdient Anerkennung und Respekt.

Neben den bereits angesprochenen Themen der Intensivierung der Zusammenarbeit und der Vernetzung, bis hin zur Motivation der Kollegenschaft, sich in diesem Bereich weiterhin und vermehrt ehrenamtlich zu engagieren, hoffen wir, dass die mediale Begleitung der kommenden Koordinierungskonferenz mit dazu beiträgt, das Ansehen unseres Berufsstandes zu mehren, der sich im Einsatz für Hilfsbedürftige fürsorglich und helfend in den Dienst der Menschheit stellt.

Im März 2013 fand im Rahmen der IDS 2013 in Köln die letzte Koordinierungskonferenz Hilfsorganisationen statt. Teilgenommen hatten die von den jeweiligen (Landes-)Zahnärztekammern vorgeschlagenen zahnärztlichen Hilfsorganisationen. Die nächste Koordinierungskonferenz findet wieder im Rahmen der IDS in Köln statt - im März 2015.

Die Fragen stellte Navina Haddick.


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