Arbeit

"Meine Mutter war echt erschrocken."

Was bewegt junge Männer dazu, sich in einen klassichen "Frauenberuf" zu begeben? Im Interview erklärt der Berliner ZFA Mischa Sebekow seine Motivation und wie er seine Mutter mit der Berufswahl geschockt hat.

Momentan kann sich Mischa Sebekow nichts schöneres vorstellen, als in der Praxis zu arbeiten. zm

zm-online: Stellen Sie sich vor, Sie sind Zahnarzt. Warum würden Sie einen männlichen ZFA einstellen?

Sebekow: Ich würde einen männlichen ZFA einstellen, um die Denkweise des Teams zu erweitern. In unseren Teambesprechungen wird Selbstinitiative vorausgesetzt. Da ist eine Mischung aus Männern und Frauen sinnvoll, um umfangreicher überlegen und diskutieren zu können.

Warum haben Sie sich für den Beruf des Zahnmedizinischen Fachangestellten entschieden?

Auf den Beruf kam ich zufällig, da damals viele Stellen für eine Ausbildung in dem Beruf frei waren. Mir war es wichtig, in einem Team zu arbeiten, in dem alle dasselbe Ziel verfolgen, nämlich die Patienten zu unterstützen und ihnen ihre Ängste zu nehmen.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Der Umgang mit den Patienten macht mir am meisten Spaß. Klar, es gibt schwierige Fälle, aber das ist gerade die Herausforderung, auch mit denen klarzukommen und die Patienten von ihren Ängsten ablenken zu können.

Auf welchen Teil Ihrer Arbeit könnten Sie auch verzichten?

Die Dokumentation ist echt lästig. Klar, bei so vielen Patienten ist es wichtig alles zu notieren, aber darauf würde ich gerne verzichten.

War es schon immer Ihr Wunsch in diesem Bereich zu arbeiten?

Nein, mir war es wichtig einen Job zu finden, in dem ich in einem Team arbeite und im Alltag mit Menschen zu tun habe.

Was haben Ihre Freunde und Ihre Familie zu ihrer Entscheidung gesagt?

Meine Mutter war am Anfang echt erschrocken, weil sie nicht damit gerechnet hätte, das ich mal im medizinischen Bereich arbeiten würde. Sie stand von Anfang an hinter mir und hat mich bestens unterstützt. Meine Freunde finden die teilweise ekeligen Horrorgeschichten aus dem Zahnarztalltag immer wieder unterhaltsam und stehen auch hinter mir.

Wie haben Sie die Ausbildungszeit erlebt?

Ich hatte drei tolle Jahre in meiner alten Praxis, ich wurde praktisch, wie auch theoretisch bestens auf meinen Abschluss vorbereitet. Ich habe in einer Zahnarztpraxis gearbeitet, in der alle Bereiche abgedeckt wurden von chirurgisch bis prothetisch. Das hat sehr geholfen, da ich zum theoretischen Teil in der Schule alles in der Praxis gesehen habe. So hatte ich keine Schwierigkeiten den Abschluss zu machen.

War es problematisch, dass Sie überwiegend unter Frauen waren?

Nein, gar nicht. In der Berufsschule hatte man manchmal einen Vorteil, da wir deutlich in der Minderheit waren. Bei mir in der Klasse waren wir drei Jungs, was bis heute der Rekord an der Schule ist. Kleine Zankereien mit den Mädels gab es schon, aber im Großen und Ganzen hatte ich eine Klasse, wo die meisten gut miteinander ausgekommen sind.

Haben Sie sich mit der hohen Frauenquote in dem Beruf vor Beginn der Ausbildung auseinandergesetzt?

Also wenn ich ehrlich bin, hatte ich mir darüber gar keine Gedanken gemacht.
Ich hatte in meiner Schulzeit schon keine Probleme mit Mädchen was zu unternehmen und das hat sich jetzt eben so fortgesetzt. Was ja auch ein großer Vorteil sein kann. Ich sag mal so, welcher Mann kann von sich sagen, dass er mit so vielen tollen Frauen arbeiten darf beziehungsweise arbeiten durfte?

Wurden Sie jemals für Ihre Berufswahl angefeindet?

Nein, also so weit ging noch keiner. Klar wird öfters festgestellt, dass das doch eigentlich ein Frauenberuf ist. Wobei ich mir denke, dass man das heute gar nicht mehr sagen kann. Man sieht zwar, dass es hauptsächlich Frauen sind in diesem Beruf, aber in jedem Bereich findet ein Umdenken statt und es vermischt sich immer mehr.

Erleben Sie in Ihrem Umfeld Vorurteile gegenüber Männern, die sich für den Beruf des ZFA entscheiden?

Mit dem Vorurteil, dass das ein Frauenberuf ist, kann ich gut leben. Ich kenne eine Menge Leute, die im medizinischen Bereich arbeiten, die es gut finden Männer im Team zu haben, da sie eine gute Unterstützung sein können. Mir ist es wichtig, dass ich meinem Team eine Stütze bin und sie sich auf mich verlassen können.

Kommt es vor, dass Patienten gegenüber einem männlichen ZFA Vorurteile haben?

Klar gibt es einige Menschen gerade älterer Generationen, die einen komisch anschauen, aber da brauch man einfach Selbstvertrauen und ein bisschen Humor. Wenn man die Leute drauf anspricht, kommen oftmals interessante Gespräche raus.

Wünschen Sie sich mehr männliche ZFAs?

Ja! Ich kann nur jede Praxis dazu animieren, Männer in ihr Team aufzunehmen.
Ich kann nur von mir und seit neustem von unserem männlichen Azubi sprechen, aber wir nehmen unseren Kolleginnen gerne Aufgaben ab, wenn sie an ihre Grenzen kommen und andersrum genauso. Und handwerklich und technisch kann man immer einen Mann gebrauchen.

Wie sind ihre weiteren Karrierepläne?

Da schaue ich nicht so weit. Ich hätte die Möglichkeit mit meiner Fachhochschulreife noch was zu studieren oder in andere Bereiche reinzuschnuppern. Ich bin 25 Jahre jung und muss noch eine lange Zeit arbeiten. Gerade fühle ich mich wohl, deswegen ist keine Änderung notwendig.

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