Brennpunkt

Mit Ausdauer ans Ziel

Junge Zahnärzte und Zahnärztinnen haben in der Standespolitik Seltenheitswert. Wir stellen Kollegen und Kolleginnen vor, die sich schon zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn für die Zahnärzteschaft engagieren und fragen nach, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

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"Ich engagiere mich in der Berufspolitik, weil nur, wer sich engagiert, auch meckern darf", sagt Jungpolitikerin Dorothee Hof, 34 Jahre. privat

Dorothee Hof musste einen langen Atem beweisen, bis es mit der Berufspolitik klappte. Jetzt aber kann sie viel gestalten - für die Pfälzerin ein unverzichtbarer Teil ihrer Freiberuflichkeit.

Ohne Kontakte sei es ihr nicht leicht gefallen, in der Standespolitik Fuß zu fassen, erzählt Dorothee Hof. "Bei mir lief das nach der Methode: Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich habe viel mit meinem Kreisvorsitzenden gesprochen und immer wieder gesagt: Ich möchte gerne etwas tun. Was habt ihr für mich?“, erinnert sich die gebürtige Kaiserslauterin.

Hof: "Ich habe immer wieder nachgehakt und wurde dann irgendwann gefragt, ob ich an einer Mitarbeit in der Wirtschaftlichkeitsprüfung Interesse habe. Das war mein Einstieg.“ Mittlerweile sitzt sie außerdem als Delegierte in den Vertreterversammlungen der Landes- und der Bezirkszahnärztekammer.  Wenn man einmal den Fuß in der Tür hat, sagt sie, ergeben sich viele Möglichkeiten ganz von alleine. Auf Sitzungen treffe man andere Standespolitiker, könne sich austauschen, Kontakte knüpfen, mitgestalten. 

Über einen Mangel an berufspolitischen Aufgaben kann sich Hof heute nicht mehr beschweren. Neben ihrer Tätigkeit als Delegierte und als Wirtschaftlichkeitsprüferin ist sie Mitglied im Disziplinarausschuss der KZV. "Dort gehen wir unter anderem Patientenbeschweren auf den Grund“, führt die Zahnärztin aus. Die 34-Jährige engagiert sich darüber hinaus für die Zahnärztinnen in der BZK Pfalz und rundet ihr berufspolitisches Pensum mit dem Vorsitz ihrer FVDZ-Bezirksgruppe ab.

In der Berufsschule unterrichtet sie Auszubildende zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Der erste von ihr betreute Jahrgang steht jetzt kurz vor der Prüfung - ein aufregender Moment für alle Beteiligten, auch für die Lehrerin.

Dass diese Aufgabe in der Hand der Zahnärzte bleibt, findet sie sehr wichtig. An manchen Schulen sei das nicht mehr der Fall. "Dort übernehmen die Fachkunde und das Thema Abrechnung Gesundheitslehrer, die auch Azubis anderer Gesundheitsberufe unterrichten. Das sehe ich kritisch, weil ich denke, dass man seinen Schülern auch konkrete Erfahrungen aus dem Praxisalltag vermitteln können muss, um sie gut vorzubereiten.“ 

Seit dem Berufseinstieg war es ihr Ziel, in der Berufspolitik mitzuarbeiten. Während des Studiums habe sie sich noch gar nicht dafür interessiert, weil sie mit Kursen und Prüfungen ausgelastet war. "Aber als ich in die Selbstständigkeit gegangen bin, fand ich einfach, dass es dazugehört, sich berufspolitisch zu engagieren und diesen Teil der Freiberuflichkeit mitzugestalten“, sagt sie. 

Zahnärzte sollten die Freiräume der Selbstverwaltung in Ehren halten, findet Hof: "Es ist doch logisch, dass alles, was man aus der Hand gibt, von jemand anderem delegiert wird. Ich denke, dass wir Zahnärzte durch die Freiberuflichkeit noch sehr viel selbst regeln können und dass wir dieses Gut weiter schützen müssen. Dazu gehört es, für die eigenen Belange einzutreten. Ich weiß, das ist schwierig und zeitaufwendig, aber wenn wir es nicht machen, macht es die Politik - und das würde auf keinen Fall besser.“

Als junge Delegierte fühlt sich Dorothee Hof in Rheinland-Pfalz nicht ganz allein auf weiter Flur. Abgesehen von ihr engagieren sich noch weitere Kollegen, die in ihrem Alter sind. Natürlich seien das nicht viele, vergleichsweise befinde sich ihre Generation schon deutlich in der Unterzahl.

Trotzdem fühlt sich die junge Zahnärztin in den berufspolitischen Gremien ihres Bundeslandes willkommen - und auch gefördert. So absolvieren sie und einige Kollegen über die KZV Rheinland-Pfalz einen viersemestrigen Studiengang an der Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement. "Dort werden uns die Grundlagen der Freiberuflichkeit vermittelt, damit wir auch adäquat ausgebildet in die Standespolitik gehen können“, erklärt Hof. 

Das Themenspektrum ist breit angelegt. Neben der zahnärztlichen Selbstverwaltung geht der Studiengang unter anderem auf die Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, politische Entscheidungsverfahren, ökonomische Grundlagen der Gesundheitspolitik oder praktische Aspekte wie Qualitätsmanagement und Kassenzahnarztrecht ein. 

Sitzungen, Ausschüsse, Weiterbildung - Hof investiert viel Zeit in die Berufspolitik. Für ihr Engagement, schätzt sie, fallen momentan - auch wegen der Seminare an der AS-Akademie - circa sechs Wochen im Jahr an. "Das ist nicht gerade wenig. Ich betreibe die Berufspolitik quasi als mein Hobby“, erklärt sie. Freund und Hund müssen sich da manchmal gedulden. Und auch für Hörbücher, in die sie in ihrer Freizeit gerne abtaucht, bleibt dann nur während längerer Autofahrten Zeit. 

Dass sie so intensiv in die Berufspolitik einsteigen kann, verdankt sie zum Teil ihrem Vater, mit dem zusammen sie in Kaiserslautern in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen ist und der, wenn nötig, für seine Tochter einspringt. Dadurch gewinnt die junge Zahnärztin die zeitlichen Freiräume, die sie für ihr Engagement braucht. "Ich kann mir die Arbeit mit meinem Vater teilen und habe außerdem noch keine Kinder. Wer gerade eine Familie gegründet oder eine Praxis eröffnet hat, verfügt sicherlich über weniger Spielraum“, sagt sie.

Wer trotzdem etwas machen wolle, könne sich auch punktuell engagieren. Als Delegierter müsse man beispielsweise nur zu ein bis zwei Sitzungen pro Jahr kommen. Interessierte Kolleginnen und Kollegen - auch Niedergelassene und junge Eltern - kann Dorothee Hof deshalb nur ermuntern: "Auch mit weniger Zeit lässt sich etwas bewegen.“

Gremien: Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) Rheinland-Pfalz, Landeszahnärztekammer (LZK) Rheinland-Pfalz, Bezirkszahnärztekammer (BZK) Pfalz. Aktiv seit: 2007. Posten: Delegierte in den Vertreterversammlungen der LZK Rheinland-Pfalz und der BZK Pfalz; stellvertretende Kreisvorsitzende der BZK Pfalz; Sachverständige für das Prüfwesen für die KZV Rheinland-Pfalz; Mitglied im Disziplinarausschuss der KZV Rheinland-Pfalz.
 

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