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Mit den Händen arbeiten

Vor dem Abitur hätte Heide Klatt nicht damit gerechnet, Zahnmedizin studieren zu können. Die Schülerin dachte, ihr NC reiche nicht.

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Heide Klatt, 24 Jahre, 5. Semester, Universität Jena, seit 2008 Stipendiatin bei der Hans-Böckler-Stiftung

Aber: Sie reichte aus. Dicke. Auf die Idee, Zahnmedizin zu studieren, war sie nach und nach während der Schulzeit gekommen. Im Rahmen der Studienorientierung hatte sie festgestellt, dass ihr feingliedrige Arbeiten liegen. "Ich wollte deshalb unbedingt ein Fach studieren, bei dem ich etwas mit den Händen machen kann. Zahnmedizin schien mir eine tolle Verbindung zwischen diesem praktischen Aspekt und anspruchsvollen Inhalten zu sein“, erklärt sie. Jetzt, kurz vor dem Physikum und ihrem zweiten Phantomkurs, hat sich diese Erwartung bestätigt.

Auf den Einstieg ins Berufsleben als Zahnärztin freut Heide sich aus mehreren Gründen: "Ich finde es toll, dass man im Laufe des Tages mit vielen verschiedenen Menschen Kontakt hat. Teilweise kommen die Patienten mit Problemen zu einem, die sie selbst nicht verstehen können. Meine Motivation ist es, ihnen Zusammenhänge zu erklären und ihnen mit dem, was ich gelernt habe, weiterzuhelfen.“ Die ersten Jahre würde sie diese Aufgabe gerne als Zahnärztin in der Entwicklungsarbeit wahrnehmen. Für ihre Famulatur denkt sie deshalb über einen Aufenthalt in Südamerika nach.

Gegen Ende der Schulzeit hatte ein Lehrer Heide gefragt, ob sie sich vor ihrem Studium nicht für ein Stipendium bewerben wolle. "Mir war überhaupt nicht bewusst, dass es so etwas gibt. Aber Studieren war auch erst einmal kein Thema für mich, weil ich für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Spanien gegangen bin“, berichtet sie.

In Katalonien arbeitete die junge Hessin in einer Werkstatt für geistig Behinderte. Sie war zuständig für das Freizeitprogramm, beispielsweise die Organisation von Kinobesuchen. Vor allem aber gehörte der Sport in ihren Aufgabenbereich. "Wir haben Fußball und Basketball angeboten und zusammen mit einer Kollegin habe ich eine Fahrradmannschaft aufgebaut“, erzählt Heide.

Mit Katalonien fühlt sich die Studentin bis heute verbunden. "Die Menschen in der Region sind sehr herzlich und geerdet, sie machen nicht so weitschweifige Pläne. Mir gefällt auch, dass die sozialen Schranken dort nicht so ausgeprägt sind“, beschreibt Heide ihre Zuneigung zu dem Landstrich in Nordspanien. Diese Lebensart passt zu der jungen Frau, der man ihre Bodenständigkeit bei allem, was sie sagt, anmerkt.

Nach ihrer Rückkehr aus Katalonien hieß es dann: Auf zum Zahnmedizinstudium nach Jena. Die frisch eingeschriebene Studentin - die seit dem ersten Semester in einem internationalen Wohnheim im Stadtteil Kernberge lebt - kam auf das Angebot ihres Lehrers zurück. Er wollte sie für eine parteinahe Stiftung vorschlagen, doch damit fühlte Heide sich nicht wohl. Sie zog ein Stipendium von einer politisch und konfessionell ungebundenen Stiftung vor, bewarb sich bei der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) und wurde genommen.

Das Stipendium empfindet sie als einen echten Zugewinn für ihr Studium. Zum einen bedeutet es für sie eine finanzielle Entlastung, zum anderen eine große inhaltliche Vielfalt. "Ich kann Seminare besuchen, die thematisch nichts mit Zahnmedizin zu tun haben. Dadurch schmore ich nicht so im eigenen Saft“, sagt sie lachend. Auch selbst aktiv zu werden ist möglich: So bietet Heide seit einiger Zeit zusammen mit anderen Stipendiaten die Seminarreihe "Medizin im Nationalsozialismus“ an.

Werte und Pflichten

Seit dem Antritt ihres Stipendiums bei der HBS verfolge sie die politischen Entwicklungen im Gesundheitswesen noch aufmerksamer, sagt die Hessin, und dass sie auch immer mehr eigene Standpunkte entwickle. Eine ihrer Überzeugungen lautet: "Ich finde, dass Einkommen und Gesundheitsversorgung nicht voneinander abhängen dürfen. Der Anspruch auf gesundheitliche Versorgung ist ein Wert für eine Gesellschaft und auch eine Pflicht.“

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