Arbeit

"Mütter sollten sich zurückhalten"

Barbara Beckers-Lingener ist Kinderzahnärztin in Sankt Augustin bei Bonn. Sie macht schwierige Kids behandlungsfähig. Deshalb reisen Familien von weither zu ihr an. Im Interview erklärt sie, wie das Team einen Zugang zum Kind findet.

slobo_iStockphoto.com

zm-online: Frau Beckers-Lingener, was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Faktoren, um ein Zahnarzttrauma bei Kindern zu verhindern?

Barbara Beckers-Lingener: Meiner Ansicht nach ist es unabdingbar, immer ruhig, klar, berechenbar und ehrlich mit den Kindern umzugehen. Das ist die Basis für ein solides Vertrauensverhältnis. Hilfreich ist auch, wenn die Eltern - vor allem die Begleitpersonen - den Zahnarzt unterstützen, indem sie mit Ruhe und Gelassenheit dem Kind signalisieren, dass sie einverstanden sind und dem Zahnarzt vertrauen.

Das zeigt sich dadurch, dass die Begleitperson sich aus der Behandlung heraushält, dem Zahnarzt die Führung des Kindes überlässt und nur dann auf den Plan tritt, wenn der Zahnarzt sie um Unterstützung bittet. Sie kann nach Anleitung dem Kind zusätzlich Mut und Kraft geben.

Bei einem guten Vertrauensverhältnis können Kinder unangenehme Situationen oder gar Schmerzen durchaus akzeptieren. Kinder lösen dies oft, indem sie sich ihrer natürlichen Fähigkeit bedienen, diese Situationen mit Trance und Trancezuständen zu lösen.

"Diese zu erkennen und zu lenken setzt eine Ausbildung voraus - optimalerweise in hypnotischer Kommunikation - die ein Kinderzahnarzt heute meiner Meinung nach unbedingt haben sollte und zum Beispiel in meinem Konzept der "Ritualisierten Verhaltensführung" umgesetzt ist." Falls das Kind dennoch irritiert war oder es gar weh getan hat, ist es extrem wichtig, das Kind mit Hilfe kleiner und einfacher nonverbaler Techniken zu beruhigen und es wach und in einem guten Zustand zu entlassen.

Warum kann es förderlich sein, wenn Kinder während der Behandlung schreien?

Grundsätzlich ist zu klären, warum das Kind schreit. Sind es Zorn, Angst oder Schmerz wäre das absolut kontraproduktiv. Hat der Zahnarzt zum Kind einen guten Kontakt und ein solides Vertrauensverhältnis, kann er dem Kind unter Einsatz von Zeichen, die Trancezustände anzeigen, helfen und auch Geräusche fördern, die das Kind macht.

Schreien ist eine Hilfe zur Selbsthilfe, um den ersten Schmerz oder Schock zu überdecken. Das wissen Kinder aus ihrem Alltag. Anders verhält es sich mit dem Brüllen: Das ist etwas anderes als Weinen oder Schreien. Es enthält die Komponente Wut. Auf die Situation, auf den Zahn, auf die Schmerzen, gezielt nicht aber auf den Zahnarzt.

Bei Extraktionen zum Beispiel kann lautes und gezieltes Brüllen alle anderen Sinneseindrücke wie Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und eben auch Fühlen überdecken. Der Zahnarzt sollte dabei seine Arbeit unter Anfeuern, Ermuntern, noch lauter zu sein, und Loben, schnell und sicher durchführen. Danach die Situation wieder herrunterfahren, das Kind aus der Trance heraus begleiten. Und sehr oft fragt mich dann das Kind: „Und wann ziehst du jetzt den Zahn?“.

745615732325732326732327745616 745617 745554
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare