Geld

Nicht ins Minus rutschen

Von Miete und Essen bis hin zu Büchern und Arbeitsmaterialien: Studieren geht ins Geld. Oft finden sich Hochschüler am Monatsende in den Miesen wieder. Dann heißt es aufpassen, dass aus dem Minus keine dauerhaften Schulden werden.

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Während des Studiums können die wenigsten finanziell aus dem Vollen schöpfen. Laut der im vergangenen Juni veröffentlichten 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW) reichten im Sommersemester 2012 die Einnahmen jedes fünften Studierenden gerade dafür aus, die Kosten für Wohnen, Essen, Kleidung, Transport und andere grundsätzliche Posten zu decken. Die Studenten dieser Gruppe hätten ihr Budget sogar im Schnitt mit 45 Euro überzogen. Insgesamt, so fand das DSW heraus, habe ein Fünftel der Hochschüler bis 25 Jahre höhere Ausgaben als Einnahmen.

Teuer und aufwendig - das Zahnmedizinstudium

Wie schwierig es ist, jeden Monat über die Runden zu kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Studienort. Besonders teure Pflaster sind Köln, München und Hamburg. Auch die Kosten für Materialien schlagen unterschiedlich zu Buche. Studierende der Zahnmedizin müssen nach DSW-Angaben monatlich am meisten in Lernmittel investieren, im Schnitt 65 Euro. Gleichzeitig haben sie, neben den Kommilitonen aus der Human- und Veterinärmedizin, mit 46 Semesterwochenstunden den umfangreichsten Sundenplan. Das schränkt die Zeit ein, die beispielsweise zum Jobben bleibt.

Ganz klar: Knappe Mittel führen nicht zwangsläufig in die Verschuldung. „Mit ernsthaften finanziellen Engpässen haben Studierende oft nur kurzzeitig zu kämpfen“, sagt Beatrix Gomm, Bereichsleiterin der Behinderten- und Sozialberatung des Studentenwerks Berlin. „Wir bieten als Hilfestellung beispielsweise ein Überbrückungsdarlehen an.“ Bei den Darlehensgesprächen stellten ihre Kollegen und sie jedoch immer wieder fest, dass manche Studierende tiefergehende finanzielle Probleme hätten.

In solchen Fällen ist es wichtig, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern sich bewusst mit seinen Finanzen auseinanderzusetzen und auch kritisch zu prüfen, wie gut man mit Geld umgehen kann. Zum soliden Wirtschaften trägt unter anderem eine Einnahmen- und Ausgabenanalyse bei, die offenlegt, wie viel Geld einem im Monat zur Verfügung steht und in welchen Punkten man eventuell über seine Verhältnisse lebt.

Unisport statt Premiumstudio

Muss das teure Fitnessstudio sein oder tut es nicht auch der Unisport, ist eine Frage, die dann beispielsweise auf den Tisch kommen kann. Es empfiehlt sich, die Sozialberatungsstellen der örtlichen Studentenwerke aufzusuchen und sich zu informieren, ob sie bei der Analyse helfen.

Damit es erst gar nicht zu finanziellen Engpässen kommt, sollten Studierende klären, welche Finanzierungsmöglichkeiten sie haben. Neben dem elterlichen Unterhalt und Nebenjobs kommen unter Umständen auch staatliche Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II und Wohngeld in Frage. Vor allen Dingen sollten Studierende ihren Bafög-Anspruch überprüfen. 

Ein halb geschenkter Gaul

„Das machen längst nicht alle Studierenden“, berichtet Beatrix Gomm. „Ich rate aber jedem dazu, das vom ersten Semester an zu tun. Selbst wenn nur Anspruch auf eine geringe Summe besteht, sollte man das wahrnehmen. Schließlich machen oft schon 50 Euro mehr im Monat einen Unterschied. Und: Die Hälfte des Geldes ist geschenktes Geld, es muss nicht zurückgezahlt werden.“ 

Nicht ausschließen sollte man auch die Möglichkeit eines Stipendiums. Viele Studierende schrecken vor dieser Möglichkeit zurück oder denken erst gar nicht darüber nach, weil sie sich nicht als geeignet betrachten. „Für eine Bewerbung muss man aber gar keine Supernoten haben, es reichen gute Zensuren. Wenn man außerdem zielgerichtet und zügig studiert und sich nebenbei vielleicht sozial engagiert, bestehen durchaus Chancen auf eine Förderung“, weiß Beatrix Gomm. Das Studentenwerk Berlin bietet Workshops an, wie man sich erfolgreich bewirbt. 

Um sich nicht finanziell zu überlasten, sollten Studierende außerdem gründlich über die Art ihrer Krankenversicherung nachdenken. Die beste Option ist laut Gomm immer die Familienversicherung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung. „Wer Anspruch darauf hat, sollte nicht verzichten“, empfiehlt Gomm. „In der privaten Krankenversicherung entstehen Studierenden ganz andere Kosten.“

Wer sich nicht an seiner Hochschule Rat zum Umgang mit Geld holen will, kann auch andere Anlaufstellen ansteuern. Es gibt viele Schuldner- und Insolvenzberatungen, die präventiv beraten. Auch die Verbraucherzentralen bieten diesen Service an. „Leider wird diese Möglichkeit kaum wahrgenommen“, berichtet Claudia Both, Leiterin der Schuldner- und Insolvenzberatungsstelle der Verbraucherzentrale Berlin. „Dabei könnte ich mir vorstellen, dass viele Studenten Startschwierigkeiten haben, mit ihrem Budget klarzukommen. Oft werden sie ja gerade erst selbstständig.“  Boths Tipp: Den Umgang mit Geld kann man lernen. Schon ein Haushaltsbuch zu führen, sei sehr hilfreich.

Studenten sehen Claudia Both und ihren Kollegen eher selten in der Schuldnerberatung. „Vielleicht liegt es daran, dass sie in den meisten Fällen eine Familie im Rücken haben, die ihnen in einer Notsituation aushelfen kann“, überlegt die Juristin. Es könne allerdings sein, dass durch die vermehrte Aufnahme von Studienkrediten die Probleme in Zukunft zunehmen würden.

Sand mit Risiko

Studienkredite gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Die Versuchung sich darüber schnell Geld zu verschaffen, ist bei vielen Studierenden groß. Vor allen Dingen, weil sie davon ausgehen, nach dem Studium reibungslos ins Berufsleben zu starten. Aber: Nicht immer klappt es gleich mit dem gut bezahlten Job, der einem ganz nebenbei die Tilgung des Kredits ermöglicht. 

Auch Beatrix Gomm betont, dass man einen Studienkredit nicht unüberlegt abschließen sollte. „Bevor man einen Vertrag unterschreibt, sollte man dringend durchdenken, welche Risiken es gibt und vor allen Dingen die Kreditlast bis zum Ende durchrechnen.“ Diesen Aspekt vernachlässigten viele Hochschüler.

Wachsen einem die Schulden tatsächlich über den Kopf, ist es höchste Zeit für eine professionelle Beratung. „Man muss auf jeden Fall verhindern, dass Primärkosten wie Miete und Strom nicht mehr gezahlt werden können“, erklärt Claudia Both. Das könne im schlimmsten Fall in die Obdachlosigkeit führen, fügt die Schuldnerberaterin der VZ Berlin hinzu. Wo Betroffene in einer solchen Situation Hilfe finden und wie eine Schuldnerberatung abläuft, erläutert der Ratgeber „Schulden abbauen - Schulden vermeiden“ der Bundesregierung. 

Auch Betrix Gomm legt betroffenen Studierenden ans Herz, spätestens bei akuter Verschuldung aktiv zu werden. „Scham und Verdrängung sind ein Grund, warum man Mahnungen gar nicht mehr öffnet und sich die Schuldenberge plötzlich türmen. Aber dadurch werden die Probleme nur größer. Wer vor einem persönlichen Gespräch zurückschreckt, kann sich bei uns und vielen anderen Stellen auch anonym per E-Mail oder Telefon beraten lassen.“

Spannende Auszeit

Einen Weg raus aus den Schulden gebe es immer. Laut Gomm hilft manchmal schon ein Urlaubssemester, in dem man arbeiten geht. Vielleicht findet sich sogar ein studienrelevantes, bezahltes Praktikum. So vermeidet man eine Lücke im Lebenslauf und kann bei Bewerbungen nach dem Studium punkten. Gomm: „Viele Studierende wollen unter allen Umständen in der Regelstudienzeit bleiben. Aber viele Arbeitgeber schauen gar nicht mehr nur darauf, ob jemand schnell durchstudiert hat. Sie finden es durchaus interessant, wenn jemand eine spannende Auszeit genommen hat.“
 

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