Geld

Politik schafft Altersarmut

Der nominelle Wertverfall in privaten und staatlichen Rentensystemen führt zu einer Altersarmut, an der die Politik mitverantwortlich ist. Zu dem Ergebnis kommen zwei Insider, die die Materie gründlich durchleuchtet haben.

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Auch die laufenden politische Entscheidungen der vergangenen 20 Jahren hätten das Rentenniveau immer weiter nach unten gedrückt, betonen der Rechtsanwalt und Bankkaufmann Dr. Johannes Fiala aus München und der Diplom Mathematiker Peter A. Schramm aus Diethardt bei Wiesbaden. Von ehemals durchschnittlich 70 Prozent vom Nettogehalt sei das Rentenniveau auf bis zu weniger als die Hälfte gesunken, schreiben die beiden.

Nur für Johannes Heesters attraktiv

Die Umstellung vom GKV-Umlageverfahren auf die Kapitaldeckung privater Vorsorge habe dabei wesentlich zum Wertverlust beigetragen. „In Deutschland hat man die staatlich durch Zulagen geförderte Riester-Rente eingeführt. Im Durchschnitt real ein Verlustgeschäft, es sei denn man wird so alt wie Johannes Heesters oder Methusalem“, schreiben die Experten. Die staatlichen Zulagen verblieben letztlich bei den Anbietern oder werden "für Kosten und Provisionen ausgegeben“.

Die „Pseudo-Individualisierung durch die Rentenreform“ löse nicht die Aufgabe, das Realeinkommen zwischen den Generationen zu verteilen. Zudem habe die Politik den Niedriglohnsektor der arbeitenden Bevölkerung von ehemals 10 Prozent auf bis zu mehr als 25 Prozent erhöht.

Bis zu mehr als 25 Prozent der Bevölkerung seien gar nicht mehr in der Lage, irgend eine Form von Ersparnis zu bilden, und bis zu mehr als 25 Prozent der Bevölkerung zahlten so wenig in die gesetzliche Rente ein, dass sie wahrscheinlich später nur die Grundsicherung erhalten.

Die Umstellung der größten Volkswirtschaften vom Generationenmodell auf eine Kapitaldeckung scheitert den Autoren zufolge bereits daran, dass es weltweit gar keine ausreichenden realwirtschaftlichen Investitionsmöglichkeiten für eine solche Altersversorgung gebe. Ausgenommen seien lediglich fragwürdige Investments oder andere nur vorübergehend für wertvoll gehaltene Kapitalanlagen, die man jedoch später abschreiben müsse, wie beispielsweise Anleihen der Lehman Brothers Bank.

Zwar sei die Bevölkerung bislang in der Lage gewesen, allein aufgrund des Produktivitätsfortschritts sowohl die Kinder als auch die Alten zu ernähren. Wenn es aber Löhne und Renten davon seit bis zu mehr als 15 Jahren entkoppelt sind, verbreitere sich die Zahl derer, die im Alter arm sind.

Privatrenten im Keller

Zudem traue sich kein Politiker zu sagen, dass selbst mit einem Beitragssatz von 20 Prozent für die gesetzliche Rente der Lebensstandard fast nicht zu halten ist. „Was Finanzberater kaum zu formulieren wagen, ist die Tatsache dass die Renten aus privater Vorsorge um bis zu mehr als 50 Prozent im Vergleich zu den früheren Aussichten gesunken sind. Dies allein deshalb, weil sich Europa seit etwa 1998 einem internationalen Niedrigzinskartell angeschlossen hat, so dass vielfach die mageren Zinsen kaum mehr die Verwaltungskosten der Kapitalanlage decken können“, monieren Fiala und Schramm.

Allein durch die normale Preissteigerung schmelze das Investment noch einmal um mehr als die Hälfte bis zum Rentenalter dahin. Die Illusion, mit wenig Einsatz über Traumrenditen am Kapitalmarkt und das „Zinseszinswunder“ am Ende eine hohe Vorsorge zu bekommen, sei zusehends zerronnen. „Heute muss man hoffen, seine Spargroschen gerade einmal mit einem Kaufkraftausgleich im Alter wieder zu bekommen.“

Revival der staatlichen Rente

Zahlreiche Staaten hätten daher die Rückkehr zur Stärkung der staatlichen Rente beschlossen und umgesetzt. Dafür seien private Pensions- respektive Rentenfonds „enteignet“ worden, wie etwa in Bulgarien, Frankreich, Irland, Portugal oder Zypern, so Fiala/Schramm.

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