Arbeit

Qualitätsförderung ist bei den Zahnärzten angekommen

Die "Agenda Qualitätsförderung" ist frisch gedruckt. Prof. Dr. Winfried Walther, Direktor der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe, hat die wissenschaftliche Überarbeitung begleitet. Wir haben ihn gefragt, wie sich das Verständnis der Zahnärzte zum Thema Qualität geändert hat.

julien tromeur - Fotolia

Schon zweimal haben die BZÄK und und KZBV eine "Agenda Qualitätsförderung“ vorgelegt, nämlich in den Jahren 1988 und 2004.  Jetzt, zehn Jahre nach der vorangegangenen, erscheint eine neue Fassung der Agenda. Worin sehen Sie den Hauptunterschied zur früheren Version?

Prof. Dr. Winfried Walther: Der Unterschied zur vorangegangenen Version wird deutlich, wenn man die „Grundsätze“ liest. In der aktuellen Fassung eröffnen sie den Text der Agenda und stellen klar, welche Bedeutung die Qualitätsförderung für den zahnmedizinischen Berufsstand hat.

Da wird im zweiten Satz klipp und klar gesagt: Der zahnärztliche Berufsstand „konzipiert und fördert als freier Beruf eigenständig Konzepte zur Sicherung einer qualitativ hochwertigen Versorgung.“ Da steht kein Konjunktiv mehr wie in früheren Versionen. Es wird selbstbewusst ausgedrückt, dass die Zahnärzte sich sehr erfolgreich um die Qualität der zahnärztlichen Versorgung kümmern. Jeder Leser kann dadurch erkennen: Die Qualitätsförderung ist bei den Zahnärzten angekommen. Sie ist eine Selbstverständlichkeit geworden.

Die Vorgängerversion war noch stark davon geprägt, im politischen Diskurs Flagge zu zeigen und überzogene Forderungen abzuwehren. Das Wort „Qualität“ stand unter dem Generalverdacht, als politisches Mittel zur Minderung berechtigter Honoraransprüche eingesetzt zu werden. Die Agenda 2004 hat deswegen einen eher defensiven Grundton. Dieser Aspekt hat bei der Reduktion der Agenda 2014 berechtigterweise noch eine gewisse Rolle gespielt, der Grundton der Formulierung ist jetzt jedoch offensiver geworden.

Was sind denn die Unterschiede zwischen der Situation 2004 und 2014 im Hinblick auf die zahnmedizinische Qualitätsförderung?

Es gibt in der neuen Fassung einen Abschnitt, der bei der Vorgängerversion fehlt. Es ist der Abschnitt 2 mit der Überschrift „Bestandsaufnahme“. Hier findet sich die Liste der vom Berufsstand freiwillig erbrachten Leistungen für die zahnmedizinische Qualitätsförderung. Diese Leistungen, wie die Organisation von zahnärztlichen Qualitätszirkeln und die Einrichtung einer Patientenberatung, bringen zum Ausdruck, dass die zahnärztliche Profession Energie und Fantasie einsetzt, um die Versorgung zu verbessern.

In den vorangegangenen Versionen finden sich vor allen Dingen Verweise auf die Regelwerke, die für die zahnärztlichen Praxen gelten. Dazu gehören die allgemeinen Behandlungsrichtlinien für die vertragszahnärztliche Versorgung, die Verordnung, Hygienevorschriften und viele andere formale Anforderungen. Auch heute sind diese Regelwerke natürlich im Fokus, zumal die staatlich verordneten Ergänzungen uns alle sehr beschäftigen und die praktische Durchführung  solcher Verordnungen jede Menge Fragen aufwirft. Es geht heute aber nicht mehr nur um diese Regelwerke.

Die Zahnärzteschaft hat selbstständig Konzepte der Qualitätsförderung entworfen und erfolgreich eingeführt, die sich im Alltag der Versorgung bewähren. Das führt zu einem neuen Selbstbewusstsein.

Die neue Agenda Qualitätsförderung bezieht sich, wie in der Präambel formuliert wird, auf alle in der zahnärztlichen Versorgung Beschäftigten - und auch auf die Patienten. Welche Anregungen für eine bessere Qualität der Versorgung können diese Gruppen dort finden?

Die neue Agenda enthält im Abschnitt „Strategien“ erstmals ausformulierte Handlungsempfehlungen. Diese richten sich zum Teil, wie auch bei den Vorgängerversionen, an Standespolitik und Politik. Sie richten sich jedoch auch an Zahnärzte und Patienten. Zahnärzte werden aufgefordert, ihr individuelles Wissen und ihre Erfahrung als Ressource für die gesamte Zahnärzteschaft zu begreifen und einzusetzen.

Der hohe Wert einer ständigen Reflektion des Versorgungsgeschehens durch die, die für die Versorgung verantwortlich sind, wird wiederholt herausgestellt. Dafür gibt es schon bewährte Modelle wie Qualitätszirkel oder Fortbildung, die auf dem kollegialen Austausch gründet. Da ist jedoch noch erheblicher Freiraum für neue Entwicklungen.

Die Patienten finden in der Agenda das eindeutige Bekenntnis zu einer partnerschaftlichen Entscheidungsfindung, die die Individualität einer Behandlungsplanung berücksichtigt.

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