Brennpunkt

Schatten über Kreta

Iris Berger-Mirtakis ist schon seit 26 Jahren auf Kreta als Zahnärztin niedergelassen. Für zm-online schildert sie die Zustände auf Kreta in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Inna Felker - Fotolia

Iris Berger-Mirtakis: Es gibt eine Einheitskasse (EOPYY), alle anderen Kassen wurden zwangsintegriert. Da die vorher bestehenden Kassen aber völlig verschiedene Versichertenabgaben hatten, konnte man dieses Defizit nicht ausgleichen. Es gab Kassen, die völlig pleite waren. Andere, wie zum Beispiel die Ärztekasse TSAY, haben durch den Schuldenschnitt über 80 Prozent verloren. Es gibt kein Geld mehr in den Kassen, es gibt nur noch wenige Ärzte, die nur noch einen Bruchteil verdienen, aber viel mehr dafür arbeiten müssen.

Die Krankenhäuser haben das durchschnittliche Gehalt der angestellten Ärzte um 50 Prozent gesenkt. Es gibt einen Einstellungsstopp. Kaum mehr Geld für Materialien und Medikamente, die Patienten müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Durch die hohe Arbeitslosenquote (1,5 Millionen Menschen sind nicht mehr versichert) sind auch die zukünftigen Einnahmen der Kassen nicht gewährleistet. Dadurch wird sich das Gesundheitssystem nicht erholen können. Also gibt es immer mehr private Versicherungen und Privatkliniken. Die etwas besser verdienenden Patienten können dort gegen Bezahlung versorgt werden. Für die Armen und Bedürftigen gibt es Sozialpraxen, die auf ehrenamtliche Arbeit der Ärzte und Spenden angewiesen sind.

Keine.

Private Zahnärzte gibt es genug. Wer Geld hat, kann sich behandeln lassen. In der Provinz beziehungsweise auf den Inseln werden immer mehr einzelne Kliniken aus Ärztemangel (Einstellungsstopp) geschlossen, so dass keine richtige Gesundheitsversorgung mehr möglich ist. Beispielsweise wurde in Lerapetra (Süddosten von Kreta) die gynäkologische Klinik geschlossen, in Sitia (äußerster Nordosten von Kreta) die kardiologische Klinik.

Notfallbehandlungen am laufenden Band. Prothesenreparaturen. Ich arbeite zehn Stunden täglich. Etwa nur die Hälfte der Patienten kann bezahlen.

Mein Ehemann und Kollege ist Kreter. 1987 haben wir den Versuch, eine gemeinsame Privatpraxis auf Kreta zu meistern, gestartet. Bis jetzt habe ich das nicht bereut.

Da bin in ich leider überfragt. 1987 musste ich mein Diplom anerkennen lassen (DIKATSA), einen Gesundheitscheck über mich ergehen lassen und Griechischkenntnisse nachweisen. Ich denke aber, dass sich nicht viel geändert hat.

Natürlich, es sind immer Notfallbehandlungen - wer geht schon freiwillig im Urlaub zum Zahnarzt? Schmerz ist natürlich das wichtigste Symptom, akute Pulpitis und die damit verbundenen Wurzelkanalbehandlungen, periapikale- und Weichteilschwellungen, Reparaturen von Totalprothesen, wegen einfacher Füllungen gehen Touristen eigentlich nicht zum Zahnarzt.

Die Sicherheit, Bestand eines Sozialstaats zu sein. Für uns wird es hier in Zukunft weder ein zufriedenstellendes Gesundheitssystem noch Renten geben. Wir hoffen darauf, auch im fortgeschrittenen Alter fit und gesund zu bleiben und die finanziellen Möglichkeiten zu haben, privat behandelt  werden zu können. Als meine Kinder (inzwischen ist mein Sohn Zahnmedizinstudent in Greifswald und meine Tochter fertige Psychologin und Psychotherapeutin in Wien) noch schulpflichtig waren, habe ich ein gut funktionierendes Schulsystem vermisst. Durch die Finanzkrise hat sich alles noch verschlimmert, doch das ist ein anderes Thema.

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