Arbeit

Schutz vor Übergriffen

Zahnarztpraxen sind leider keine Orte, die von Gewaltübergriffen ausgenommen sind. Konfliktmanagement ist daher auch für Praxisteams ein immer wichtigeres Thema.

contrastwerkstatt - Fotolia

"Es empfiehlt sich, ein einheitliches Codewort festzulegen, um diskret vor Praxisübergriffen zu warnen", sagt Sylvia Gabel, Referatsleiterin für Zahnmedizinische Fachangestellte vom Verband medizinischer Fachberufe (vmf). In den vergangenen Jahren sei es in verschiedenen Regionen in Deutschland, beispielsweise im Ruhrgebiet, häufig zu Gewaltangriffen auf Zahnärztinnen und auch auf Praxisteams gekommen.

Code: "Herr Winter ist jetzt da!"

Mittlerweile hätten Ärzte und Mitarbeiter darauf reagiert: "Kolleginnen aus den Praxen und auch viele Praxisinhaber haben sich auf verschiedenen Stammtischen getroffen und dieses Problem sehr ausführlich diskutiert." Wichtigstes Ergebnis dieser Treffen sei die Vereinbarung gewesen, über einen einheitlichen Code die Kollegen in der Praxis zu warnen, beispielsweise „Herr Winter ist jetzt da“.

Den Notfall proben

Im Ernstfall solle eine Mitarbeiterin sofort bei der Polizei anrufen. "Dieser Anruf soll von einem anderen Ort getätigt werden, damit die Täter es nicht bemerken und die Sicherheit des Personals auf keinen Fall gefährdet ist", erklärt Gabel. Wichtig sei auch, dass die Praxisteams den Notfall proben.

Sylvia Gabel leitet beim vmf das Ressort für Zahnmedizinische Fachangestellte. | vmf

„Zahlen sind uns nicht bekannt“, sagt vmf-Präsidentin Sabine Ridder, „allerdings spielt das Thema Gewalt in Arzt- und Zahnarztpraxen schon eine Rolle.“ Neben Gewalttaten und brutalen Überfällen zählten dazu auch Probleme mit alkohol- oder drogenabhängigen und auch mit behinderten Menschen. Der Umgang mit aggressiven Patienten stelle die Praxisteams dabei immer wieder vor Schwierigkeiten. Auch sexuelle Belästigungen gegenüber Zahnärztinnen und Mitarbeiterinnen kämen vor.

Der optimale Arbeitsbereich und das richtige Verhalten

Zur Vermeidung von Gewalttaten rät Ridder: „Gewaltprävention sollte einerseits durch die bauliche Gestaltung des Arbeitsbereichs passieren und andererseits über entsprechendes Verhaltenstraining.“ Bei Übergriffen wie Festhalten, Schlagen, Treten, Beißen, Spucken, Schubsen, Würgen, gezieltes Werfen mit Gegenständen, Stechen mit Messern, sexuelle Übergriffe müsse die Möglichkeit zum schnellen Rückzug gegeben sein.

"Das bedeutet, die Fluchtwege müssen frei sein - zum Ausgang beziehungsweise zur Tür muss man sich frei ohne Hindernisse begeben können", sagt Ridder. Es müsse auch die Frage geklärt sein, wo man sich in der Praxis zurückziehen kann: Beispielsweise in einen Raum mit Telefon oder Notrufanlage. Gefährliche Utensilien wie etwa Glasflaschen und Instrumente sollten für den Patienten möglichst nicht erreichbar sein.

Bei Stress mindestens zwei Meter Abstand

Zum Deeskalationstraining gehöre die Selbstfürsorge ebenso wie das Training der Körperhaltung und ein nachvollziehbares Grenzensetzen. Zum Patienten müsse eine Distanz gehalten werden. In schwierigen Situationen sollte der Abstand zum Patienten circa zwei Meter betragen. Die Standposition solle sicher und fest sein, gleichzeitig solle man aber auch zum Rückzug bereit sein. "Der Patient darf sich durch meine Körperhaltung nicht herausgefordert fühlen", sagt Ridder.

Die Hände sollte man nicht in die Tasche stecken und möglichst versuchen, auch in schwierigen Situation die Ruhe zu bewahren. "Das Beobachten der Mimik und Gestik ist ebenso wichtig wie die Beachtung, dass angespannte Menschen einen größeren Aktionsradius benötigen", sagt Ridder. Hektische Bewegungen sollte man unterlassen. In der Zahnarztpraxis sei es während der Behandlung nicht möglich, Distanzen einzuhalten. Deshalb sei die Patientenbeobachtung und die Wahrnehmung möglicher Bewegungen hier besonders wichtig. Ansonsten gelte es darauf zu achten, dass man sich von Patienten nicht in die Ecke drängen lässt.

Sabine Ridder ist die vmf-Präsidentin. | vmf

Ridder: „Es ist wichtig, im Team der Zahnarztpraxis eine Atmosphäre zu schaffen, die es den Mitgliedern ermöglicht, über solche Vorkommnisse zu sprechen.“ Außerdem sollten alle Vorfälle dokumentiert werden, um Folgeereignisse oder Erkrankungen gegebenenfalls besser nachvollziehen zu können.

Angst vorm starken Mann

Eine besondere Situation sind laut Sylvia Gabel Notdienste in der Nacht. „Wenn Zahnärztinnen nachts zum Notdienst in die Praxis fahren, sollte geklärt sein, wer sie begleitet.“ Das könne der Ehemann der Zahnärztin oder der ZFA sein. Denn die meisten Angreifer scheuten die Präsenz eines „starken“ Mannes.

Sowohl der Verband der medizinischen Fachberufe, als auch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) bieten zur verbalen und nonverbalen Kommunikation Seminare an. Der Verband empfiehlt, mindestens einmal jährlich in den Praxen ein Sicherheitstraining durchzuführen.

11369641122025112202611220271127778 1127779 1122030
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare