Brennpunkt

Schwangerschaft in Theorie und Praxis

Zahnärztinnen sind vom Mutterschutzgesetz besonders betroffen, das gilt für angestellte wie niedergelassene. Was das für den Praxisbetrieb bedeuten kann, erklärt Fachanwältin Melanie Neumann.

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zm-online: Inwieweit sind Zahnärztinnen vom Mutterschutzgesetz besonders betroffen?

Melanie Neumann: Das Mutterschutzgesetz bestimmt, dass angestellte werdende Mütter nicht mit Arbeiten beschäftigt werden dürfen, bei denen sie schädlichen Einwirkungen von gesundheitsgefährdenden Stoffen oder Strahlen, von Staub, Gasen oder Dämpfen, von Hitze, Kälte oder Nässe, von Erschütterungen oder Lärm ausgesetzt sind (§ 4 Abs. 1 MuSchG).

Weiterhin dürfen Sie keine Arbeiten ausführen, bei denen sie infolge ihrer Schwangerschaft in besonderem Maße der Gefahr, an einer Berufskrankheit zu erkranken, ausgesetzt sind oder bei denen durch das Risiko der Entstehung einer Berufskrankheit eine erhöhte Gefährdung für die werdende Mutter oder eine Gefahr für die sogenannte Leibesfrucht besteht (§ 4 Abs. 2 Nr. 6 MuSchG).

Hierunter fallen sämtliche Arbeiten am Behandlungsstuhl einer Zahnarztpraxis sowie beim Röntgen, so dass ab Kenntnis der Schwangerschaft durch den/die Arbeitgeber/in sofort ein Beschäftigungsverbot für diese Tätigkeiten auszusprechen ist. Eine Zahnärztin ist daher betroffen, wenn sie angestellt und selbst schwanger ist oder wenn sie Arbeitgeberin ist und eine Mitarbeiterin schwanger ist. Einzig für die schwangere Praxisinhaberin gilt das Beschäftigungsverbot nicht.

Was bedeutet das für den Arbeitgeber?

Der/die Arbeitgeber/in muss die Schwangerschaft unverzüglich der für den Arbeitsschutz zuständigen Aufsichtsbehörde melden. Aufgrund der oben genannten Schutzvorschriften sind der Schwangeren nur noch Tätigkeiten erlaubt, bei denen sie keinerlei Infektionsgefahr ausgesetzt ist. Es ist nicht ausreichend, dass zum Beispiel durch das Verwenden von Einmalhandschuhen ein fast hundertprozentiger Schutz gewährleistet ist.

Der/die Arbeitgeber/in verliert daher mit Kenntnis der Schwangerschaft ab sofort eine Mitarbeiterin, die bei der Behandlung von Patienten eingesetzt werden kann. Die Folge ist, dass bei vollem Terminkalender und fehlendem sofortigem Ersatz häufig Patienten nach Hause geschickt beziehungsweise umbestellt werden müssen. Ein Verzicht der schwangeren Angestellten auf das Aussprechen eines Beschäftigungsverbots ist nicht möglich, eine entsprechende schriftliche Vereinbarung wäre unwirksam. Der/die Arbeitgeber/in haftet daher ab dem Zeitpunkt der Kenntnis der Schwangerschaft dafür, dass der werdenden Mutter und dem entstehenden Leben nichts passiert.

Weiterhin ist für den/die Arbeitgeber/in wichtig: Die Schwangere unterliegt ab sofort und bis vier Monate nach der Entbindung einem Kündigungsschutz. Wusste der/die Arbeitgeber/in zum Zeitpunkt der Kündigung noch nichts von der Schwangerschaft, hat die Schwangere Zeit bis zwei Wochen nach der Kündigung, die Schwangerschaft mitzuteilen. Eine zunächst wirksam ausgesprochene Kündigung wird damit rückwirkend unwirksam. Ist die Schwangere jedoch befristet angestellt, so kann eine Befristung, die zeitlich bestimmt ist, auch während der Schwangerschaft auslaufen, ohne dass die Schwangere einen Anspruch auf Verlängerung hat.

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