Arbeit

So geht Selbstverwaltung

Am Wochenende fiel in Berlin der Startschuss für den 8. Jahrgang der AS-Akademie. Von nun an büffeln die Teilnehmer freiwillig vier Semester lang neben dem Praxisalltag. Das angestrebte Ziel: Karriere in der Selbstverwaltung.

Axentis/Lopata

Die AS-Akademie ist ein postuniversitäres Forum für Zahnärzte und hauptamtliche Mitarbeiter der zahnärztlichen Berufsvertretungen. Wer sich eingeschrieben hat, eignet sich in zehn Modulen über zwei Jahre hinweg berufsbegleitend - überwiegend in Berlin - ein sozial- und wirtschaftswissenschaftliches Wissensfundament für den berufspolitisch und unternehmerisch agierenden Zahnarzt an.

Auf dem Weg zu profundem Wissen: Die neuen Teilnehmer des 8. Jahrgangs der AS-Akademie mit Vertretern der Schirmherren und der Körperschaften. | Axentis/Lopata

Wissenschaftlicher Leiter des Studiengangs ist Burkhard Tiemann, Professor für Verwaltungs- und Sozialrecht sowie Sozialmanagement. Tiemann sagte zur Begrüßung des neuen Studiengangs in Berlin, die AS-Akademie sei für den Berufsstand essenziell. Nicht zuletzt hätten sich aus der Teilnehmerschaft im Laufe der Jahrgänge zahlreiche kollegiale Netzwerke herausgebildet, die bis heute halten.

Profundes Wissen – berufsbegleitend erlernt

Inhaltlich erwartet die Teilnehmer ein bunter Strauß interdisziplinärer Themen, die Zahnärzte in der Regel nicht im Studium vermittelt werden. Etwa aus dem Bereich der Rechtswissenschaft, Kommunikation, der Ökonomie oder der Sozialmedizin. Das ist das Rüstzeug für die Aufgaben der freiberuflichen Selbstverwaltung.

Die Ratio essendi der Akademie: Autodidaktisch erworbenes Wissen reicht als Voraussetzung nicht, um sich in der Selbstverwaltung erfolgreich zu engagieren. Gefragt sind vielmehr ein breites Fach- und Bezugswissen sowie hohe Managementqualitäten.

Setzt sich für die Selbstprofessionalisierung des zahnärztlichen Berufsstandes ein: Prof. Burkhard Tiemann, Wissenschaftlicher Leiter der AS-Akademie. | Axentis/Lopata

Wird dieses Wissen nicht mehr aus dem Berufsstand generiert, bestünde die Gefahr, dass die Geschicke entweder vom Staat oder von Berufsfremden übernommen werden. Dies ginge mit einem erheblichen Identitätsverlust einher. „Insofern kämpfen wir dafür, dass die Selbstprofessionalisierung des Berufsstandes erfolgt", sagte Thiemann.

Auch Kammerpräsidenten haben sich professionalisiert

Prof. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident und Vetreter der Bundeszahnärztekammer als Schirmherrin, lobte das hohe Engagement der Teilnehmer, die die Akademie neben dem „normalen“ Praxisbetrieb durchlaufen. Er selbst habe sich nach der politischen Wende zunächst einmal profundes Wissen für die berufspolitische Arbeit aneignen müssen. Dass sich die Selbstverwaltung heute verstärkt professionalisieren muss, befand auch Oesterreich. Und zwar deshalb, weil sich der Berufsstand mit den gesellschaftlichen Veränderungen stetig auseinandersetzen müsse. Je eher der Berufsstand neue Entwicklungen erkennt, desto besser sei er gerüstet.

Prof. Dietmar Oesterreich: Hat sich nach der politischen Wende in Deutschland selbst professionelles Wissen für die berufspolitische Arbeit angeeignet. | Axentis/Lopata

Gastreferent Christoph Hommerich, Professor für Soziologie, Marketing und Management, sieht die Freien Berufe in einer "durchaus kritischen Phase“. Vor dem Hintergrund der verstärkten Fokussierung einiger Medien auf Skandale im Gesundheits- und Politikbetrieb seien die Freien Berufe und damit auch die Zahnärzteschaft gut beraten, wenn sie sich mittels Professionalisierung stärker legitimierten.

In jedem Quartal ein neuer Skandal

Wichtig seien in erster Linie die Vertrauenssicherung und eine gemeinsame Sprache des Berufsstandes. Die Vertrauenskrisen der jüngsten Zeit, wie etwa die Bankenkrise, der NSA-Skandal, das Unglück von Fukushima oder der Fall Edathy hätten das Vertrauen in zahlreiche Branchen erschüttert. 

Jedem Skandal trotzen, lautet der Appell von Prof. Christoph Hommerich an die Freiberufler. | Axentis/ Lopata

Einmal da, verbreite sich das Misstrauen "wie Kriechöl". „Eine Vertrauenskrise ist nicht einfach durch Public Relations-Maßnahmen wegzumanagen“,erläuterte er. Auch innerhalb der Freien Berufe könne ein fundamentales Vertrauensproblem aufreißen, sofern kein Einigungspotenzial und keine gemeinsame Sprache vorhanden ist. Die Ärzteschaft zeige gerade durch den ständigen Wechsel der Vorstände, dass sie keine Einigungsbasis findet.

Die Skandallust der Medien sei gefährlich, werde aber bleiben. Als Reaktion müsse man immer wieder auf einen seriösen Kern zurückfinden. Dafür seien berufspolitisches Fachwissen und Berufsethos notwendig. Die nachhaltige Arbeit der AS-Akademie sei hier ein wichtiges Element, so Hommerich.

Abschließend sprach Christian Neubarth, Vorstandsmitglied der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen als Repräsentant der Trägerkörperschaften ein Grußwort.

Die Akademie für freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement versteht sich als postuniversitäres Forum für Zahnärzte und hauptamtliche Mitarbeiter der zahnärztlichen Berufsvertretungen mit der Aufgabe, politische und soziale Kompetenzen für die Wahrnehmung von Selbstverwaltungsaufgaben und zur Fortentwicklung freiberuflichen Praxismanagements zu vermitteln.

Der Schwerpunkt der Akademiearbeit liegt in der gesundheitsökonomischen Qualifizierung von Zahnärzten zur Übernahme von Leitungsfunktionen in Körperschaften, Verbänden und Institutionen im Gesundheitswesen. Die Akademie steht unter der Schirmherrschaft von BZÄK und KZBV. Geschäftsführer ist Dr. Sebastian Ziller (MPH), Leiter der Abteilung Prävention und Gesundheitsförderung der BZÄK. Die Teilnehmer qualifizieren sich binnen vier Semestern postgradual zum Manager in Health Care Systems/ Freiberufliche Selbstverwaltung und Praxismanagement.

Christoph Hommerich leitet das Institut "Hommerich Forschung" in Bergisch Gladbach. Er ist wissenschaftlicher Berater und Professor für Soziologie, Marketing und Management. Er hat zahlreiche Untersuchungen im Bereich der Freien Berufe, Kammern und Verbände zum Thema Vertrauensmarketing  durchgeführt.



 

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