Freizeit

So schlafen die Deutschen

Einstein schlief zehn Stunden, Napoleon nur vier, Churchill arbeitete bis drei Uhr morgens und saß um um acht wieder am Schreibtisch. Eine Studie untersuchte die deutschen Schlafgewohnheiten.

MEV

Die Studie zur Gesundheit Erwachsener blickte in die Schafzimmer von 7.988 Deutschen zwischen 18 und 79 Jahren. Ergebnis: Knapp 70 Prozent leiden unter massiven Schlafstörungen, die davon meisten sind  Frauen.

Ein Jahr hat 8.760 Stunden. Davon verbringt der Mensch  rund 3.000 im Bett. Leider nicht immer schlafend: Denn 5,7 Prozent aller Deutschen sind von einer Insomnie betroffen - einer Schlafstörung mit Krankheitswert. Sie schlafen schlecht ein, wachen in der Nacht oft oder zu früh auf, ohne gleich wieder einschlafen zu können, fühlen sich am Morgen eher gerädert als erholt und starten missmutig, erschöpft und müde in den neuen Tag.

Guter Schlaf ist außerdem ungerecht verteilt: Frauen sind in Deutschland doppelt so häufig von einer Insomnie betroffen wie Männer, ermittelten Epidemiologen des Robert-Koch-Instituts Berlin. Die soeben vom RKI vorgestellte große "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS1) beruht auf der Befragung und Untersuchung von 7.988 Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 79 Jahren.

Sie schließt neben Interviews auch körperliche Untersuchungen, Tests und Labortests aus insgesamt 180 Untersuchungszentren in ganz Deutschland ein. Damit bietet die Untersuchung zum ersten Mal einen detaillierten und repräsentativen Einblick in deutsche Schlafzimmer und erfasst wissenschaftlich genau die Häufigkeit und Verteilung von Schlafproblemen.

Gefragt wurde nach Schlafdauer und Schlafproblemen in den letzten vier Wochen vor der Befragung. Das Ergebnis fiel beunruhigend, wenn nicht sogar erschreckend aus: Knapp 70 Prozent der Studienteilnehmer sagten aus, dass sie mehr als dreimal in der Woche nur schlecht einschlafen oder nicht richtig durchzuschlafen können - hochgerechnet sind es über 50 Millionen Deutsche, die mit ihrem Schlaf nicht zufrieden sind.

Jeder fünfte Teilnehmer klagt über schlechte Schlafqualität in den letzten vier Wochen. Acht Prozent der Frauen und 3,6 Prozent der Männer haben in den letzten vier Wochen mindestens einmal ein vom Arzt verordnetes oder freiverkäufliches Schlafmittel einnehmen müssen, um in der Nacht Ruhe zu finden. Gut 12 Prozent der Befragten schlafen weniger als fünf Stunden pro Nacht. Auf mehr als neun Stunden Schlaf bringen es nur 6 Prozent.

Die Diagnose Insomnie beinhaltet neben Ein- und/oder Durchschlafstörungen zusätzlich eine schlechte Schlafqualität und eine dadurch entstehende Tagesbeeinträchtigung mit andauernder Müdigkeit oder Erschöpfung.

Von dieser Störung sind 7,7 Prozent der Frauen betroffen, mehr als doppelt so viele wie Männer (3,8 Prozent). Westdeutsche (inklusive Berlin) haben ein deutlich höheres Risiko für Insomnie als Bewohner der neuen Bundesländer. Die Gründe für eine Insomnie können individuell sehr unterschiedlich sein: Mal stören körperliche Schmerzen den Schlaf, mal liegt es am nächtlichen Grübeln, mal am Stress und Ärger des Tages, aber auch mal am Lärm in der Nacht.

"Erholsamer Schlaf ist eine Grundvoraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden“, sagt Prof. Dr. Dipl.-Psych. Jürgen Zulley (67), bis zu seinem Ruhestand Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Universität Regensburg. Ist der Schlaf gestört, drohen ernsthafte Konsequenzen: Wunden heilen langsamer, Infektionen verlaufen schwerer, das Gedächtnis leidet, es drohen Herzerkrankungen und Depressionen.

Studien haben gezeigt, dass Menschen, die zwischen sieben und neun Stunden pro Nacht schlafen, ein geringeres Sterberisiko haben als solche mit kürzeren (oder aber auch längeren) Schlafzeiten. Schlafgestörte Menschen haben dagegen ein fünffach höheres Risiko während eines Jahres einen schweren Unfall in Haushalt, Beruf oder Verkehr zu erleiden als Menschen mit gesundem Schlaf.

Entgegen einer allgemeinen Annahme arbeitet der Organismus während der Nacht keineswegs auf Sparflamme, berichtet Zulley: Der Schlaf benötigt genauso viel Energie wie der Wachzustand. Im Schlaf wird das Wachstumshormon produziert, das zur Regenerierung von Haut und Haaren ("Schönheitsschlaf“) sowie für das Knochenwachstums benötigt wird.

Schlaf macht auch klüger: Während der Nachtruhe ordnet das Gehirn die Lernerfahrungen des Tages und arbeitet an Problemlösungen. Schlafmangel dagegen führt zu Erinnerungslücken, reduziert die Arbeitsleistung am Tage um 25 Prozent und macht durch die Schädigung des Immunsystems anfälliger für Krankheiten.

Tagsüber gegen 14 Uhr tendiert die innere Uhr zu einem kleinen „Zwischentief“. Wer es sich einrichten kann, sollte deshalb ein Nickerchen machen, empfiehlt Zulley: "Menschen, die einen Mittagsschlaf halten können, erleiden statistisch gesehen 30 Prozent seltener einen Herzinfarkt als Menschen, die durcharbeiten müssen und ihre Müdigkeit und Leistungsabfall mit Kaffee bekämpfen“.

Aber Patentrezepte für schlafgestörte Menschen gibt es nicht. Bevor man jedoch zu Medikamenten greift, sollte man versuchen, die natürliche Schlafbereitschaft des Körpers zu erhöhen. An einigen wissenschaftlichen Zentren für Schlafforschung hat man bereits Programme ausgearbeitet, wie man ohne Medikamente für einen besseren Schlaf sorgen kann. Dem Patienten wird dabei meistens geraten, einen strengen Schlaf-Fahrplan einzuhalten - auch an den Wochenenden. 

Für eine Therapie mit Medikamenten spricht ihre schnelle Wirkung, dagegen das Risiko von Nebenwirkungen und die Gefahr, auch am nächsten Tag noch "benebelt“ zu sein. Einige der gängigen Präparate können auch abhängig machen und eine Sucht fördern. Pflanzlich Schlafmittel (Phytopharmaka) haben wie die meisten Naturheilmittel den Vorteil, dass sie weitgehend frei sind von unerwünschten Wirkungen. Die meisten pflanzlichen Schlafmittel sind Kombinationen aus Baldrian, Hopfen und Melisse.

Wer gut schlafen will, sollte zum Abendessen eiweißreiche Speisen, wie Fleisch essen, empfiehlt Zulley: "Nach 18 Uhr kein Grünes mehr! Kohlenhydrate werden abends schlechter verwertet als tagsüber, Salat ist deshalb schwerer verdaulich.“ Die Leber toleriert jetzt den Alkohol besser als in den Morgenstunden: Für den Besuch des Biergartens sei die Zeit zwischen 18 und 20 Uhr am besten geeignet, so der Wissenschaftler.

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