Brennpunkt

Stillen mit Hepatitis C

Muttermilch gilt als beste Nahrung für den Säugling. Doch was, wenn die Mutter mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) infiziert ist? Bislang war Stillen untersagt, eine Studie beweist jetzt das Gegenteil.

Oksana Kuzmina - Fotolia.com

Hat die Mutter Hepatitis C, droht dann eine Übertragung der Erreger schwerer Leberschäden durch das Stillen? Diese Frage war bislang ungeklärt. Deutsche Forscher konnten nun allerdings zeigen, dass Muttermilch Hepatitis-C-Viren so stark deaktiviert wie ein Desinfektionsmittel. Dieses Ergebnis spricht dafür, auch Müttern mit HCV-Infektion das Stillen zu empfehlen und belegt erneut die faszinierenden Eigenschaften von Muttermilch.

Eine am Anfang oft unbemerkte Krankheit

Hepatitis C ist eine Infektionskrankheit, die anfangs meist unbemerkt bleibt, im weiteren Verlauf aber zu schweren Leberschädigungen und Leberkrebs führen kann. Die Infektion erfolgt hauptsächlich durch die Übertragung von Blut. Ursache können Bluttransfusionen sein, das Benutzen nicht desinfizierter Injektionsnadeln oder Tätowierungen und Piercings bei Verwendung entsprechend verunreinigter Instrumente. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 130 Millionen Menschen mit dem HC-Virus infiziert, in Deutschland 400.000 bis 500.000.

Die Forscher um Stephanie Pfänder und Eike Steinmann vom Institut für Experimentelle Virologie am Forschungszentrum Twincore versetzten Muttermilch in Kulturschalen mit hohen Virusmengen und analysierten anschließend die Effekte auf die Erreger. „Um immunologische Nebeneffekte in der Milch auszuschließen, die automatisch entstehen, wenn eine Mutter mit HCV infiziert ist, haben wir die Milch gesunder Frauen verwendet", sagt Steinmann auf www.Wissenschaft.de.

Muttermilch als Desinfektionsmittel

Die Untersuchungen der Forscher ergaben: Muttermilch macht HC-Viren intensiv den Garaus. Dieser Effekt war besonders stark, wenn die Milch vor den Versuchen bei vier Grad Celsius gelagert worden war. Innerhalb einer Minute inaktivierte sie die Viren dann so stark wie 80 prozentiger Alkohol.

„Wir haben herausgefunden, dass freie Fettsäuren in der Milch für die Inaktivierung verantwortlich sind", sagt Pfänder. „ Es handelt sich gleichsam um die Zersetzungsprodukte der Milchfette, die sich durch Lagerung bilden. Den gleichen Vorgang erwarten wir aber auch im Darm eines Säuglings durch die Verdauung der Milch." Die freien Fettsäuren lösen die Hülle der Viren auf, erklären die Forscher. Die Verpackung des Virus wird also von der Milch aufgelöst und damit daran gehindert, sich an Zellen zu binden und diese zu infizieren.

„Erstaunlich war, dass weder die handelsüblichen Muttermilchersatzprodukte, noch Kuh- oder Pferdemilch in der Lage sind, das auf Menschen spezialisierte HCV zu inaktivieren", sagt Steinmann. Ein auf Kühe spezialisiertes Virus, das dem HCV ähnelt, wird hingegen wiederum erfolgreich von Kuhmilch zerstört, zeigten Untersuchungen.

Allerdings auch von menschlicher Muttermilch, die nicht nur Hepatitis C- sondern auch verschiedene andere behüllte Viren inaktivieren kann, wie beispielsweise das Influenza-Virus. Die Virologen wollen nun die genauen Mechanismen weiter untersuchen, die hinter der wundersamen antiviralen Wirkung der natürlichsten aller Babynahrungen stecken.

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