Geld

Streitthema Versorgungswerke

Der saarländische Gesundheitsminister Andreas Storm lobt die Effizienz der Versorgungswerke der Freien Berufe. Das sehen nicht alle so.

Flügelwesen - photocase.com

Die Versorgungswerke hätten sich bewährt, erklärte der Minister für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Saarlandes. Auch bei einer Erweiterung des versicherten Personenkreises in der gesetzlichen Rentenversicherung etwa um sogenannte Solo-Selbstständige bräuchten sich die Freien Berufe keine Sorgen um den Bestand ihrer Versorgungswerke zu machen. Laut Storm hätten die berufsständischen Versorgungswerke auch in der gegenwärtigen Staatsschuldenkrise gezeigt, dass sie gut funktionieren und ohne staatliche Zuschüsse auskommen.

Der Vorsitzendende der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e.V. (ABV), Hartmut Kilger verwies gleichfalls darauf, dass die Freiberufler ihre demografischen Risiken selber trügen und damit die gesetzliche Rentenversicherung entlasteten. Immerhin sei wegen der durchschnittlich längeren Lebenserwartung auch die Rentenlaufzeit in den Versorgungswerten vier Jahre länger als in der gesetzlichen Rentenversicherung.

50 Prozent weniger Rente?

Derweil wird von anderer Seite heftig Kritik am Zustand der Altersversorgung für die Angehörigen von Kammerberufen geübt und das gesamte System in Frage gestellt. So kritisieren der Fachanwalt Dr. Johannes Fiala und der Diplom-Mathematiker Peter A. Schramm aus München, dass Ärzte, Notare, Steuerberater, Anwälte, Zahnärzte, Architekten und Wirtschaftsprüfer erheblichen Risiken bei der Altersversorgung ausgesetzt seien und bis zu bis zu 50 Prozent weniger an Rentenzahlungen in Kauf nehmen müssten.

Stille Reserven aufgebraucht

Einige Versorgungswerke hätten bereits einräumen müssen, dass sämtliche stillen Reserven aufgebraucht seien. Konkrete Beispiele werden jedoch von den beiden Kritikern nicht genannt. Ihrer Ansicht nach sollen aber allein durch Anlageverluste während der Subprimekrise, der Griechenland- und Zypernkrise, aber auch durch die steuerliche Zusatzbelastung des Alterseinkünftegesetzes, bereits zu bis zu mehr als 30 Prozent Rentenkürzung geführt haben.

Das Risiko für die Altersversorgung liege unter anderem darin begründet, dass die Versorgungswerke auch in Aktien, Private Equity, Hedgefonds, Rohstoffe, strukturierte Zinsprodukte und ähnliche "Giftpapiere“ investierten und so Verluste erwirtschafteten. Da das Verwaltungsgericht München entschieden hat, dass einem Mitglied des Versorgungswerkes keine detaillierten Auskünfte zustehen, gehen Fiala und Schramm auch davon aus, dass Betroffener nicht erfahren, wo das Risikomanagement in den letzten Jahren versagt habe.

"Tatsächlich wird man davon ausgehen müssen, dass alleine schon die seit Mitte der 90er Jahr stark gesunkenen Marktzinsen sowie die Verlängerung der Lebenserwartung die Renten am Ende mehr als halbiert haben werden - gegen diese sichere Entwicklung hilft aber auch kein Risikomanagement mehr“, heißt es in einer Erklärung der beiden. Zu einer Insolvenz bei Versorgungswerken werde es aber wohl nicht kommen - schließlich erlaubten es die Satzungen der Versorgungskammern regelmäßig, die Leistungen herabzusetzen. "Versorgungswerke sind nicht insolvenzfähig - Versorgungsempfänger künftig umso leichter“, heißt es weiter.

Zu diesen und anderen Vorwürfen, die der Spiegel bereits im Mai dieses Jahres erhob, erklärte der ABV-Chef Kilger: "Kein Versorgungswerk wackelt." Es bestehe kein Anlass, über wirtschaftliche Schwierigkeiten der berufsständischen Versorgungswerke in Deutschland zu spekulieren. Im Gegenteil: Die Versorgungswerke erfüllten ihren Auftrag, daran habe bisher auch die Finanzmarktkrise nichts ändern können, so Kilger. Im Übrigen habe der Verband bereits frühzeitig darauf hingewiesen, dass die Zeit üppiger Rentenanpassungen vorbei sei.

"Eine kalte Enteignung durch Politik billigen Geldes"

Die aktuell niedrigen Zinsen seien das Ergebnis einer Euro-Rettungspolitik, die überschuldete Staatsfinanzen auf Kosten der Vorsorgesparer - insbesondere in Deutschland - saniere, so Kilger. Diesem negativen Umfeld könnten sich auch die berufsständischen Versorgungswerke nicht entziehen. Anpassungen des Rechnungszinses, wie sie von einer Reihe von Versorgungseinrichtungen bereits vorsorglich vorgenommen worden seien, spiegelten daher nichts anderes wider als die kalte Enteignung der Vorsorgesparer durch eine Politik des billigen Geldes.
 
 
 

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