Brennpunkt

The Making of Alzheimer

Unbequeme Wahrheit oder Hirngespinst: Wird mit der Diagnose Alzheimer aus kommerziellen Erwägungen ein gigantischer Schwindel betrieben? Diese These vertritt die Biologin und Journalistin Cornelia Stolze.

Foto: Okapia

Ärzte, Pharmaindustrie und Medien schürten eine regelrechte Hysterie, monierte Stolze jüngst auf dem Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg. Aus verkaufsfördernden Gesichtspunkten und  Eigeninteressen heraus werde Alzheimer öffentlichkeitswirksam zu einer Krankheit stilisiert, "die keine ist", sagte Stolze. Ihren Vortrag betitelte sie mit "The Making of Alzheimer - wie Medien und Forscher neue Krankheiten verkaufen.“

Bei der Bundesärztekammer (BÄK) will man sich zu Stolzes Behauptungen nicht äußern. Dennoch hatte die BÄK zum Welt-Alzheimertag am 20. September eine Mitteilung ausgegeben. "Etwa 60 Prozent aller Demenzformen beruhen auf einer Alzheimer Erkrankung", heißt es dort. Deshalb spricht sich Ärztepräsident Prof. Frank Ulrich Montgomery für den Ausbau von Pflege- und Betreuungsangeboten für Demenzkranke aus.

Als wichtigen Schritt bezeichnete er auch die vom  Bundesgesundheits- und Bundesfamilienministerium neu gegründete "Allianz für Menschen mit Demenz“. Ziel ist laut Gesundheitsministerium, dem Thema Demenz noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Der Meinung ist auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAG): "Die Diagnose der Alzheimerkrankheit mag wissenschaftlich gesehen nicht hundertprozentig sein, Fehldiagnosen kommen bei allen Krankheiten vor. Doch es wäre unverantwortlich, auf Diagnosen zu verzichten."

Dass Alzheimer eine Krankheit mit schwerwiegenden Auswirkungen und nicht lediglich ein altersbedingtes Nachlassen der geistigen Kräfte sei, wüssten Betroffene, pflegende Angehörige, Ärzte und Pflegepersonal sehr genau. "Wer dies leugnet, mag mit unkonventionellen Thesen in die Talkshows gelangen, leistet aber keinen Beitrag zur Aufklärung über eine Krankheit, die eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte darstellen wird", betonte Hans-Jürgen Freter von der DAG.

Stolze argumentiert indes, dass der "Hype um die vermeintliche Massenerkrankung" die notwendige medizinisch exakte Trennung von Demenz und Alzheimer als Erkrankung aufhebe. Demenz als Überbegriff für Senilitätserkrankungen könne viele Ursachen haben. Allein mehr als 50 Funktionsstörungen kämen für die Diagnose in Frage.

Laut Stolze versehen Ärzte Patienten jedoch häufig vorschnell mit dem Befund Alzheimer. Nach ihrer Ansicht können dabei weder medizinische Praxis noch Wissenschaft das Leiden als Krankheit genau definieren, an dem angeblich Millionen von Menschen weltweit leiden. Mit der Kennzeichnung Alzheimer werde es formal als Krankheit eingestuft, obwohl sich keine Belege für die Richtigkeit dieses Befundes finden ließen.

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