Arbeit

Trends der Periimplantitistherapie

Der Wechsel von den maschinierten klassischen Brånemark-Implantaten zu den heute gängigen rauen Implantatoberflächen markiert die erste entscheidende Etappe in der Implantatoberflächentechnologie. Ein zweiter Quantensprung war die chemische Modifikation der Oberflächen. Wo geht die Reise hin? Wird es einen „dritten Quantensprung“ geben? Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Mainz, über Implantatoberflächen von morgen und aktuelle Trends in der Periimplantitistherapie.

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Herr Prof. Al-Nawas, was lässt sich an den heutigen Implantatoberflächen überhaupt noch optimieren?

Prof. Bilal Al-Nawas: Die Implantatoberflächen selbst sind heute so gut, dass wir selbst im kritischen Knochenlager eine nahezu perfekte Einheilung erreichen. Doch der weichgewebliche Abschluss lässt sich verbessern. Und das Thema rückt die Wissenschaft derzeit in den Fokus. Was sich hier momentan tut, ist hochspannend. Das betrifft auch die Abutments.

Was genau tut sich hier?

Es gibt unterschiedliche Forschungsansätze. Ein Weg ist, durch einen fein aufgerauten Implantathals (gelasert) eine Struktur zu schaffen, an der das Weichgewebe gut „andocken“ kann. Dazu gibt es erste vielversprechende Daten aus vergleichenden Studien, entsprechende Implantate werden bereits angeboten. Auch Abutments lassen sich mit einer besonderen Rauigkeit oder einer besonderen Struktur versehen. Hier laufen präklinische Studien, klinische Daten stehen noch aus.

Besonders spannend finde ich einen dritten Ansatz: die Antiinfektionsoberflächen. Ziel solcher Projekte ist es, innovative nanostrukturierte Implantatoberflächen zu entwickeln, die eine verminderte Bakterienadhäsion aufweisen. Man könnte sich mittelfristig sogar Abutments vorstellen, die per Nanocarrier Medikamente oder aktive Substanzen tragen, die sich im Entzündungsfall - zum Beispiel aktiv mit einer UV-Lampe oder passiv über die Veränderung des pH-Wertes - freisetzen lassen.

Glätten mit Titanbürsten

Zurück zur heutigen Praxis: Für welche Oberfläche entscheiden Sie sich bei periimplantitisgefährdeten Patienten? Sind raue Oberflächen hier kontraindiziert?

Nein, kontraindiziert sind sie nicht. Man sieht allerdings in den langfristigen retrospektiven Arbeiten bei Patienten mit hohem Periimplantitisrisiko, dass ein ganz diskreter Vorteil für die alten glatten maschinierten Brånemark-Implantate besteht. Es gibt dazu aber keine prospektiven Daten. Wir müssen uns in der Tat intensiv der Frage widmen, welche Oberfläche sich optimal für Patienten mit hohem Periimplantatitisrisiko eignet. Interessant ist das auch für die Periimplantitistherapie.

Inwiefern?

Ist bei Periimplantitispatienten bereits Knochen abgebaut, therapieren wir chirurgisch offen. Liegt raue Implantatoberfläche zur Mundhöhle hin frei, haben wir diese bis vor zirka zwei Jahren mit einem Diamantbohrer glattgeschliffen. Das Verfahren ist schwierig und unangenehm, da viele Titanspäne in das OP-Feld gelangen.

Das Schleifen schafft quasi nachträglich eine maschinierte Schulter?

Ja, und das bringt natürlich Probleme mit sich. Schließlich verändert man radikal etwas an dem Implantat. Schleift man zu viel, ändern sich Festigkeit und Stabilität. Wir haben deswegen diesen Weg verlassen.

Ihre Alternative?

Statt mit dem Diamantbohrer zu schleifen, glätten wir mit Titanbürsten. Damit können wir die Oberflächen-Rauigkeit mindern. Das funktioniert sehr gut.

Setzt sich dieses weniger invasive Vorgehen in der Praxis durch?

Das ist zurzeit eine offene Diskussion. Wir setzten seit etwa zwei Jahren die Titanbürsten ein.

Könnten Implantate mit maschinierter Schulter eine Alternative sein, vor allem für Risikopatienten?

Soft Tissue-Level-Implantate, deren Ankopplungen weiter zur Mundhöhle liegen und die eine maschinierte Schulter haben, sind extrem gut zu reinigen und zeigen ein stabiles Knochenniveau. Das Konzept kommt für uns durchaus infrage. Insbesondere im Unterkiefer-Seitenzahngebiet ist die maschinierte Schulter eine ganz elegante Variante. Inwieweit Patienten mit hohem Periimplantitisrisiko davon profitieren, ist nicht belegt. Aber auch in puncto Biomechanik ergeben sich Vorteile: Bei kurzen Implantaten verringert sich so die Kraft auf die Krone, also die technische Kronenlänge.

Die Fragen stellte Anne Barfuß.

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas ist leitender Oberarzt Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische Operationen der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seine klinische Schwerpunkte sind Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten, craniofaziale Chirurgie, dentale Implantate, plastische Operationen inklusive mikrovaskuläre Chirurgie und die funktionelle Rehabilitation von Patienten mit Kopf- und Halskarzinomen. | privat

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