Arbeit

Unendlicher Psychoterror

Die Phänomene Mobbing und Cybermobbing sind nicht nur auf Teenies und Schule begrenzt. Auch Erwachsene sind in hohem Maße von den Angriffen betroffen.

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Sei es am Arbeitsplatz oder im Internet - Angriffe von Erwachsenen und gegen Erwachsene sind längst keine Seltenheit mehr. Zu den Ergebnissen kommt die Studie "Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen", durchgeführt vom Bündnis gegen Cybermobbing e.V. Die Studie liefert die derzeit aktuellsten Daten zu Ausmaß, Formen, Reaktionen, Folgen und Prävention zu Mobbing und Cybermobbing in Deutschland - Schikanen, die zunehmend als gesellschaftliches Problem wahrgenommen werden.

Insgesamt 28 Prozent der befragten Erwachsenen gaben an, bereits Opfer von Mobbing gewesen zu sein, 8 Prozent klagten über Cybermobbing. Frauen sind besonders häufig von Übergriffen betroffen: ein Drittel der befragten Frauen gab an, schon einmal gemobbt worden zu sein. Bei ihnen besteht laut Studie ein 1,5-mal höheres Mobbing-Risiko als bei Männern.

Mobbing bei Erwachsenen prägt demnach in hohem Maße die gesamte Arbeitswelt. 72 Prozent der Vorfälle werden dort registriert. Nach Ansicht der befragten Opfer sind Neid und starre Hierarchien die häufigsten Ursachen für Mobbing und Cybermobbing im Arbeitsumfeld.

Spaß als Motiv

Fast jeder dritte Täter gibt in der Studie an, aus Spaß gehandelt zu haben, also ohne einen tatsächlichen Tathintergrund. Vorgesetzte sind laut Studie in über der Hälfte der Mobbing-Fälle am Arbeitsplatz als Täter oder Mittäter beteiligt. Aber Mobbing findet nicht ausschließlich am Arbeitsplatz statt, ein Drittel (31 Prozent) der Vorfälle ereignen sich im privaten Umfeld.

Die oftmals schweren Folgen können sich auf die physische wie psychische Gesundheit der Opfer sowie auf ihr privates und berufliches Umfeld erstrecken - und im äußersten Fall zu einer existenziellen Notlage führen. Fast 50 Prozent der Betroffenen von Mobbing und Cybermobbing klagen über Persönlichkeitsveränderungen und Depressionen. Extremausprägungen sind schwindendes Selbstwertgefühl, Zwangsstörungen sowie die Flucht in Alkohol oder andere Suchtmittel.

Gelähmt aus Scham und Ohnmacht

Mehr als jedes zehnte Opfer stuft sich sogar als suizidgefährdet ein. Aus Scham oder vermeintlicher Ohnmacht suchen sich die Betroffenen trotz eines hohen Leidensdrucks oft keine oder erst sehr spät Hilfe. 23 Prozent der Befragten lassen die Angriffe ohne jegliche Reaktionen über sich ergehen.

Mobbing und Cybermobbing haben auch wirtschaftliche Auswirkungen: Betroffene weisen jährlich 5 bis 6 Krankheitstage mehr auf als nicht betroffene Beschäftigte. Über zwei Drittel der Opfer strebt laut Studie einen Wechsel des aktuellen Arbeitgebers an. Die mit Mobbing-Vorfällen direkt verbundenen Krankheitsfolgekosten für deutsche Unternehmen belaufen sich auf zirka 3 Milliarden Euro im Jahr.

Die Firma - keine große Hilfe

Dennoch scheinen die Unternehmen in Deutschland die Dringlichkeit der Problematik noch nicht erkannt zu haben. Nur in den wenigsten Fällen bieten Arbeitgeber Präventionsmaßnahmen an, obwohl die durch Mobbing und Cybermobbing entstehenden Fehlzeiten und Ausfälle und die damit verbundenen Kosten immens sind.

Direkt messbar und monetär zurechenbar sind die Krankheitsfolgekosten - also die Kosten, die durch Arztbesuche, Therapiesitzungen, durch Medikamente oder durch Arbeitsfehltage entstehen. Darüber hinaus kommt es zu indirekten Kosten, wie zum Beispiel verminderte Effizienz am Arbeitsplatz und Produktivitätsminderung. Bereits 2001 schätzte das Europäische Parlament den durch Mobbing entstehenden Gesamtschaden für die deutsche Wirtschaft auf 15 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr.

"Um Mitarbeiter für das Thema Mobbing und Cybermobbing zu sensibilisieren und darüber aufzuklären, sind Schulungen, Seminare und Informationsveranstaltungen im Unternehmen ratsam", rät Uwe Leest, der Vorstandsvorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing. Außerdem sollte die Stärkung des Betriebsklimas im Vordergrund stehen.

Das Betriebsklima stärken

Leest: "Das Betriebsklima ist ein wesentlicher Faktor um Mobbingfällen vorzubeugen. Dazu dient beispielsweise eine ,Vereinbarung', die einen gewaltfreien und respektvollen Umgang der Mitarbeiter untereinander regelt und fördert." Wünschenswert für alle Betroffenen, unabhängig, ob im Unternehmen oder im sozialen Umfeld, seien flächendeckende Mobbing-Beratungsstellen sowie anonyme Hotlines. Auch die Politik müsse ihrer Verantwortung nachkommen und ein (Cyber-) Mobbing-Gesetz auf den Weg bringen.

Die Studie "Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen" wurde vom Bündnis gegen Cybermobbing e.V. mit Unterstützung der ARAG SE im Zeitraum vom 11. bis 24. November 2013 durchgeführt. Insgesamt wurden dabei mehr als 6.200 Frauen und Männer über 18 Jahre befragt.

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