Brennpunkt

Uralte Zähne belegen Milchkonsum

Im Zahnbelag lässt sich noch Jahrtausende nach dem Tod eines Menschen nachweisen, ob er regelmäßig Milch getrunken hat. Ein Eiweiß der Molke bleibt nämlich in der mineralisierten Plaque erhalten.

SR

Chrisitna Warinna ist Presidential Research Professor im Department of Anthropologyan der University of Oklahoma. Christina Warinner
Christina Warinner an der Arbeit im Zentrum für Evolutionäre Medizin der Uni Zürich. Christina Warinner

Die Wissenschaftler um Christina Warinner von der Universität Zürich wollen über die Analyse der jahrtausende alte Zähne mehr über die Ernährung und die Lebensgewohnheiten früherer Kulturen zu erfahren. Dazu hatten sie 92 archäologische Zahnfunde aus Europa, Asien und Afrika untersucht - die ältesten stammen aus der Bronzezeit etwa 3.000 vor Christus. Mithilfe eines massenspektrometrischen Verfahrens suchten sie im mineralisierten Zahnbelag nach dem Protein Beta-Lactoglobulin (BLG), wie die Forscher im Fachblatt "Scientific Reports" schreiben.

Kein Konsum in Westafrika

In keiner der Proben aus Westafrika konnten sie dieses Protein nachweisen. Das überraschte die Forscher auch nicht, denn es ist bekannt, dass in dieser Region tierische Milch gar nicht oder nur in sehr geringem Ausmaß konsumiert wurde. In gut einem Viertel der Proben aus Europa und Südwestasien wiesen sie das BLG hingegen nach und konnten anhand von minimalen Unterschieden im Proteinaufbau sogar zwischen Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch unterscheiden.

Nachdem es seine Methode grundsätzlich bestätigt sah, setzte das Team sie ein, um eine aktuelle Forschungsfrage zu klären: Die Wissenschaftler untersuchten sechs Zahnproben von Menschen, die zwischen dem 9. und 15. Jahrhundert in zwei skandinavischen Siedlungen in Grönland gelebt hatten. Das Ergebnis: Die Menschen in der älteren Siedlung hatten Milch getrunken, in den jüngeren Proben hingegen fanden sie nur noch bei einem Menschen Hinweise auf geringen Milchgenuss.

Die Untersuchung stütze die These, dass klimatische Veränderungen und der darauf folgende Zusammenbruch der Milchviehwirtschaft zum Niedergang und schließlich zur Aufgabe der skandinavischen Kolonien in Grönland geführt haben.

Erstmals der Nachweis: Seit 8.500 Jahren trinkt der Mensch Milch

Es sei bereits bekannt, dass der Mensch seit mindestens 8.500 Jahren tierische Milch verzehrt. Bisher habe es aber keine Methode gegeben, dies direkt nachzuweisen, schreiben die Forscher. Hinweise auf den Genuss von Milch in früheren Kulturen stammten häufig aus Untersuchungen von Gefäßen, in denen die Milch aufbewahrt wurde. Diese Methode sei jedoch unsicher, zudem könne damit nicht zwischen Milch verschiedener Tierarten unterschieden werden. Die Milchviehhaltung und die Verarbeitung der Milch zu verschiedensten Produkten hätten die Entwicklung der menschlichen Kultur nachhaltig geprägt.

Viehhaltertradition schafft Laktose-Toleranz

In Populationen mit einer lang zurückreichenden Viehhaltertradition seien mit der Verbreitung der Laktose-Toleranz sogar die nötigen genetischen Voraussetzungen geschaffen worden, um tierische Milch auch nach dem Säuglingsalter noch verdauen zu können. Die Erkenntnis der Forscher trage damit dazu bei, mehr zu erfahren über Ernährung und Kultur in der Entwicklungsgeschichte des Menschen.

(a) Human dental calculus from the British Anglo-Saxon site of Norton-on-Tees (sample NEM18, ca. 6th century CE) found to contain seven β-lactoglobulin peptides. (b) Three-dimensional structure of bovine β-lactoglobulin protein, rendered from PDB 3NPO using VMD v.1.9.136. The mapped locations of all BLG peptide sequences identified by tandem mass spectrometry within archaeological dental calculus are shown in red, resulting in a coverage of 72 percent of the reconstructed consensus BLG protein.

Direct evidence of milk consumption from ancient human dental calculus C. Warinner, J. Hendy, C. Speller,E. Cappellini, R. Fischer, C. Trachsel, J. Arneborg, N. Lynnerup, O. E. Craig, D. M. Swallow, A. Fotakis, R. J. Christensen, J. V. Olsen, A. Liebert, N. Montalva, S. Fiddyment, S. Charlton, M. Mackie, A. Canci, A. Bouwmanet al. Scientific Reports 4, Article number:7104 doi:10.1038/srep07104 Received 21 July 2014 Accepted 27 October 2014 Published 27 November 2014

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