Geld

Verhängnisvoller Appetit

Wenn es ums Geld geht, blenden Anleger je nach Spekulationsbereitschaft häufig die eigene Vernunft aus. So erging es auch Peter L., einem niedergelassenen Zahnarzt, der sich sein Geschäft mit seiner Hausbank wohl anders vorgestellt hat.

jr casas - Fotolia

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Peter L. bei seiner Hausbank im Gegenwert von rund 30.000 Euro Aktien deutscher und europäischer Unternehmen gekauft. Da es sich bei L. um einen eher unerfahrenen Anleger handelt, war ihm der Anlageberater des Kreditinstituts bei der Auswahl dieser Aktien behilflich.

Auf die Erfahrung der Bank gesetzt

Während der dazu erforderlichen Gespräche machte ihm der Berater Appetit auf mehr: Wenn er tatsächlich das „große Geld“ machen wolle, müsse er vor allem in spekulative Aktien und in Optionen investieren. Die Bank, führte der Bankmitarbeiter weiter aus, sei sogar bereit, ihm dazu einen besonders zinsgünstigen Aktienkredit über 70.000 Euro zur Verfügung zu stellen.

Die Aussagen wurden vom Anlageberater optisch sehr geschickt mit Zahlen und den Entwicklungen unterschiedlicher Wertpapiere unterstützt, die L. im Einzelnen zwar nicht nachvollziehen konnte, die ihn aber letztlich vom Angebot des Bankmitarbeiters überzeugten. Am Ende vertraute L. auf die Erfahrung seines Gesprächspartners und der hinter ihm stehenden Kompetenz des Kreditinstituts.

Selbstkritisch muss L. heute aber auch einräumen, dass natürlich er selbst im Ergebnis für das Geschäft verantwortlich ist. Immerhin hätte er sich ja durchaus kritischer mit dem Thema auseinandersetzen können. Ein Versuch, die Bank juristisch wegen möglicher Falschberatung zu belangen, kam für ihn daher auch in keiner Weise in Frage.

Auf 7.000 Euro sitzen geblieben

So zeigten die folgenden Monate für L. unerfreuliche Ergebnisse: Mit nahezu jedem Wertpapier ging es nämlich kontinuierlich bergab. Nach einem Jahr zog L. vor allem auf Drängen seines Steuerberaters die sprichwörtliche Notbremse und verkaufte sämtliche Wertpapiere, um sein Kreditkonto mit den Verkaufserlösen zumindest halbwegs auszugleichen.

Dies gelang ihm tatsächlich nur zum Teil: Auf rund 7.000 Euro blieb er im Ergebnis schließlich sitzen. Immerhin wird L. aus diesem missglückten Finanzabenteuer seine Lehre ziehen. Künftige Spekulationen mithilfe eines Bankkredits wird es mit ihm jedenfalls nicht mehr geben.

Positiv ist auch, dass L. sich relativ frühzeitig zum Ausstieg entschied und den Schaden damit in Grenzen hielt. Das übliche Verhalten von Anlegern sieht in einer solchen Lage häufig nämlich anders aus: Sie hoffen auf wieder steigende Kurse und vergrößern damit ihr Risiko, wenn die negative Entwicklung anhält.

Wie man Wertpapiere nicht finanziert

Aktien oder andere Wertpapiere sollten grundsätzlich nicht mit einem Wertpapier- oder Effektenkredit finanziert werden. Bei einem Kreditzinssatz von beispielsweise 5 Prozent pro Jahr muss der jährliche Wertzuwachs der kreditfinanzierten Wertpapiere über diesem Zinssatz liegen, um nur diese Kosten zu decken. Transaktionskosten, also Kauf- und Verkaufsspesen bei den jeweiligen Wertpapiergeschäften sowie Depot- und Verwaltungsgebühren sind darin noch nicht einmal enthalten. Bis dahin wird also noch kein Euro Gewinn erzielt.

Zur Überbrückung eines vorübergehenden Liquiditätsengpasses kann sich ein solcher Kredit ausnahmsweise eignen, wenn er in absehbarer Zeit vom Anleger abgelöst wird. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn in heutiger Zeit Kurschancen beispielsweise bei Aktien oder Investmentfonds genutzt werden sollen und in Kürze etwa eine fällige Lebensversicherung oder eine andere finanzielle Reserve bereit steht, um den Effektenkredit abzulösen.

In einem solchen oder ähnlichen Fall sollte natürlich sichergestellt sein, dass die Formulierungen des Kreditvertrags eine jederzeitige Ablösung durch den Kunden kostenlos ermöglichen.

Michael Vetter
Fachjournalist für Finanzen

vetter-finanz@t-online.de

765469748801748802748803765470 765471 765421
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare