Freizeit

Versicherungswirtschaft is watching you

Mit Fitnessbändern und Computer-Uhren sammeln immer mehr Menschen Informationen über ihre Gesundheit. In der Versicherungsindustrie gibt es Gedankenspiele, darauf Geschäftsmodelle aufzubauen. Experten warnen vor Risiken.

treety-Fotolia

Das klingt doch eigentlich ganz fair: Wer gesünder lebt, bekommt Vorteile, wenn es um Kranken- oder Lebensversicherung geht. Doch wie misst man als Versicherung das gesunde Leben? Analoge Methoden wie Stempelhefte sind von Gestern. Heute können immer mehr Sensoren präzise Daten über einen Kunden liefern. Die Industrie wittert einen Umbruch der Geschäftsmodelle.

So will Generali in der Lebens- und Krankenversicherung künftig auch auf Fitnessdaten zurückgreifen. Verbraucherschützern sind die neuen Möglichkeiten nicht geheuer.  So könnte die Zukunft aussehen: Angenommen, Sie sind heute Joggen oder Radfahren gegangen, Puls, Blutdruck und Blutzuckerwerte sind top, und statt einer Party ging es früh ins Bett.

PKW-Branche als Tarifvorbild

Die Software beim Versicherer sieht das als gute Ausgangsposition, um lange gesund zu bleiben. Also gibt es einen Abschlag beim Versicherungstarif - oder vielleicht Prämien auf einem Punktekonto. Wer stattdessen faul auf der Couch lag, kommt schlechter weg. Das Modell ist nicht einmal mehr neu: Bei der Autoversicherung finden bereits allmählich Geräte in den Alltag, die den Versicherungstarif an die Fahrweise anpassen sollen.

Geräte, aus denen sich Gesundheits-Informationen schöpfen lassen, gibt es immer mehr. Nach Schätzung von Marktforschern werden pro Jahr rund 70 Millionen verschiedener "Fitness-Tracker" verkauft. Die Armbänder, die Schritte des Nutzers zählen, machten vor ein paar Jahren den Anfang und waren mit rund 30 Millionen Geräten im vergangenen Jahr die meistverkaufte Kategorie, wie die Analysefirma Gartner errechnete.  

Gesundheitscheck am Handgelenk

Neue Armband-Modelle von Branchen-Pionieren wie Fitbit oder Jawbone nehmen auch rund um die Uhr den Herzschlag auf. Vor allem aber sind aktuell die Computer-Uhren im Aufwind, die noch mehr Gesundheits-Informationen aufnehmen können. So baute Apple zum Start seiner für Anfang nächsten Jahres angekündigten Uhr bereits die Plattform HealthKit mit Silos für alle möglichen Daten von Blutzuckerwerten über Cholesterin bis hin zur Sauerstoffsättigung.

Apple betont, dass die Informationen dort sicher verwahrt werden - ein Kunde kann aber immer entscheiden, einem Anbieter den Zugang zu eröffnen. Google arbeitet an der eigenen Plattform Google Fit und die Gründer des Internet-Konzerns, Larry Page und Sergey Brin, schwärmen schon lange davon, wie sehr die - anonyme - Auswertung von Gesundheitsdaten den Kampf gegen Krankheiten und Tod voranbringen könnte.

The watch is watching you

Doch gerade bei solchen hochsensiblen Informationen ist auch die Sorge um Datenschutz besonders groß. "Bei so detaillierten Apps, die genau Aufschluss geben über körperliche Aktivitäten, Ernährung oder Ähnliches sehen wir ein erhebliches Überwachungspotenzial", mahnt Ilona Köster-Steinebach vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Die Gefahr: Menschen, die etwa auf niedrige Beiträge angewiesen sind, könnten sich dem beugen, um überhaupt noch an günstige Krankenversicherungen heranzukommen. "Da geht es im Endeffekt um Daseinsvorsorge. Und Daseinsvorsorge sollte nicht an die Bedingung geknüpft sein, Daten über sich preiszugeben, die man nicht preisgeben möchte." 

Brisant und heikel

Dass das Thema heikel ist, hat auch die Allianz erkannt. Man wolle Daten über Smartphones, Apps, Daten-Brillen und -Uhren nicht dazu nutzen, die Höhe der Versicherungsprämien zu steuern oder um Gesundheits- oder Risikoprofile zu erstellen, sagt die Chefin der Allianz Privaten Krankenversicherung, Birgit König. "Diese Daten sind hoch sensibel und schutzwürdig."  

Doch wenn solche Informationen erst einmal in großen Mengen vorliegen, wie lange wird man sich als Versicherungskunde und Arbeitnehmer dagegen sperren können, sie auch arbeiten zu lassen? Denn auch wenn die Teilnahme an solchen Programmen ausdrücklich freiwillig sein dürfte - Experten rechnen mit sozialem und beruflichem Druck. Diverse Unternehmen wie der Ölkonzern BP setzen bereits auf Programme, die Mitarbeiter für mehr Bewegung belohnen.

Geschäfte mit fremden Daten

Gartner-Analystin Angela McIntyre erwartet, dass in vier Jahren jeder Vierte Fitness-Tracker von Arbeitgebern, Versicherungen oder Sport-Studios verteilt werden wird. Nach Schätzungen von US-Experten sind bereits 50 Millionen Amerikaner von Fitness-Programmen ihrer Arbeitgeber betroffen. Der technische Fortschritt macht es möglich: "Digitale Informationen können zu sehr geringen Kosten verifiziert werden", betonte der amerikanische Forscher Scott Peppet in einem wissenschaftlichen Papier und sagte schon im Jahr 2011 eine rasante Verbreitung von Geschäftsmodellen mit Gesundheits-Sensoren vorher.

Er stellte sich dort eine Zukunft mit "digitalen Dossiers" vor, in die ausführliche private Informationen etwa zu Gesundheit oder Arbeitsleben einfließen könnten. Schon die Ablehnung, Einblick in diese Daten "der Bank, der Kreditkartenfirma, der Versicherung oder einem potenziellen Arbeitgeber zu verweigern, könnte den Eindruck entstehen lassen, dass man etwas zu verbergen habe", warnte Peppet.

von Andrej Sokolow und Christine Schultze, dpa

11615551142196114219711421981161556 1161557 1142201
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare