Brennpunkt

Viele Patienten verstehen ihren Arzt nicht

Im Internetzeitalter wird viel vom mündigen Patienten gesprochen, der bereits informiert und mit der passenden Eigendiagnose in die Praxis kommt. Eine Studie straft diese Annahme Lügen.

M.studio - Fotolia.com

Wie ein Konsortium aus neun Universitäten und Instituten unter der Leitung der Uni Maastricht herausgefunden hat, hapert es bei fast jedem zweiten Deutschen an der nötigen sogenannten Gesundheitskompetenz, die notwendig ist, um entsprechende Infos richtig verstehen und nutzen zu können. Das berichtet die Ärzte-Zeitung.

„Auch wenn Sie ein noch so guter Therapeut sind und meinen, dass Sie alles verständlich rüberbringen, können Sie nicht sicher sein, ob Ihr Gegenüber das wirklich und nachhaltig verstanden hat", sagte die Geschäftsführerin der Patientenuniversität der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Dr. Gabriele Seidel dem Blatt. Die Patientenuniversität habe sich jedoch genau dies auf die Fahnen geschrieben: Die Gesundheitskompetenz der Deutschen zu erhöhen. 

Am Anfang steht die Begriffsklärung

Erstes Problem sei schon die Definition des Begriffs Gesundheitskompetenz. Denn darunter verstehe jeder etwas anderes, erklärt Seidel, laut der ein ganzes Bündel an Fähigkeiten dazugehört, damit ein Mensch kompetent mit seiner Gesundheit umgehen kann.
 
Dazu zählten etwa kognitive Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben oder Rechnen, die nicht zwingend jeder Patient mitbringe. Immerhin seien 14 Prozent der Menschen in Deutschland Analphabeten, dazu kämen weitere 26 Prozent, die nur sehr langsam lesen und schreiben können, so Seidel zur Ärzte-Zeitung. Ebenfalls notwendig seien kommunikative Kompetenzen, um dem Arzt mitteilen zu können, welches gesundheitliche Problem vorliegt.  

Ein Kompetenzen-Kanon ist nötig zur Teilhabe

Außerdem sei die Fähigkeit, die eigenen Interessen durchsetzen zu können, für Compliance genauso wichtig wie das Vertrauen darauf, dass man gesund werden kann, erklärt Seidel weiter. Und: Ohne die Fähigkeit, dieses Wissen auch in Handeln umzusetzen, gehe es nicht. Wissen allein genüge eben nicht. "Nur weil ich weiß, dass Rauchen schädlich ist, muss ich noch nicht damit aufhören", sagt die Geschäftsführerin.  Ihr Urteil: Besonders gut sei es hierzulande nicht um diese Fähigkeiten bestellt. Dies hätten die Ergebnisse des ersten europäischen "Health Literacy Survey" (Studie zur Gesundheitskompetenz) gezeigt, die von Januar 2009 bis Februar 2012 durchgeführt wurde.

Patienten mit niedriger Kompetenz nutzen das Gesundheitswesen stärker
 
Laut Studie sei fast die Hälfte der deutschen Patienten alles andere als mündig und könnte Erläuterungen ihres Arztes zum Teil gar nicht folgen. Die Vermutung: Gerade mit diesen Patienten hätten Ärzte besonders häufig zu tun. So hätten verschiedene Studien aus den USA hätten gezeigt, dass Menschen mit einer geringen Gesundheitskompetenz das dortige Gesundheitswesen häufiger nutzten als solche deren Wissen um gesundheitliche Themen größer ist, berichtete Seidel. 
 
1.500 chronisch Kranke besuchten Patientenuniversität

Im Herbst 2006 wurde an der MHH die erste deutsche Patientenuniversität gegründet. Die Initiative ist ein unabhängiges Bildungsinstitut, das durch Eigenmittel, Teilnehmerbeiträge und Spenden finanziert wird. Ziel ist, auf der Basis strukturierter Bildungsangebote das universitäre Wissen und aktuelle Forschungsergebnisse aus diversen Disziplinen nicht nur Expertenkreisen, sondern auch der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.

Das Konzept habe sich bewährt, ist sich Seidel sicher. Bisher gebe es knapp 3.000 Teilnehmer, mehr als die Hälfte davon sind chronisch Kranke waren, berichtet sie. Eine repräsentative Befragung im Jahr 2011 habe zudem ergeben, dass die Teilnehmer "viel gelernt" und "von dem Angebot profitiert" hätten. Seidel: "Vor allem die Teilnehmer mit niedrigem Bildungsgrad hatten einen Benefit."  
 

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