Geld

Vorsorge für den Ernstfall

Sich schon während des Studiums gegen das Risiko einer eventuell eintretenden Berufsunfähigkeit abzusichern, ist sinnvoll, denn Studierende wären ansonsten ganz auf sich allein gestellt.

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An der Uni arbeitet man mehrere Jahre auf seinen Traumjob hin. Dass man dieses Ziel vielleicht nicht erreicht, ist ein Gedanke, den wohl kaum jemand hat. Nicht zu Unrecht - in den allermeisten Fällen geht schließlich alles gut.

Trotzdem: Wird man als Student aufgrund einer schweren Krankheit oder eines Unfalls berufsunfähig, trifft einen dieser Tiefschlag besonders hart. „Hochschülern zeigt der Staat in diesem Fall die kalte Schulter“, erklärt Finanzexperte Jochen Altvater. „Sie bekommen von ihm keinerlei finanzielle Unterstützung.“

Auf die zwar kleine Erwerbsminderungsrente, die anderen Betroffenen aus der staatlichen Rentenkasse zufließt, haben Studierende in der Regel keinen Anspruch. Grund: Um Leistungen zu erhalten, muss man mindestens fünf Jahre Mitglied in der gesetzlichen Rentenversicherung gewesen sein und in den drei vorangegangenen Jahren Beiträge geleistet haben. „Das macht eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) interessant für Studenten. Sollte ihnen während des Studiums etwas passieren, können sie wenigstens auf eine Basisabsicherung für ihren Lebensunterhalt zurückgreifen“, führt Altvater aus. 

Die Kosten für eine BU seien durchaus erschwinglich, fügt er hinzu: „Man muss circa 35 Euro aufwärts pro Monat investieren.“ Dabei können eventuell die Eltern oder Großeltern dem studierenden Nachwuchs unter die Arme greifen. Übrigens: Eine Unfallversicherung ist kein ausreichender Ersatz für eine BU. Sie zahlt nur, wenn der Versicherte aufgrund eines Unfalls invalide wird. Ist die Ursache eine Krankheit, guckt er in die Röhre.

Der Abschluss einer BU in jungen Jahren hat einen entscheidenden Vorteil: In diesem Alter sind die meisten Menschen noch kerngesund. Das hilft ihnen, die Gesundheitsprüfung, die für eine BU meist obligatorisch ist, mit Bravour zu bestehen – und dadurch einen Tarif mit günstigen Konditionen zu bekommen. 

Je später man das Thema BU angeht, desto mehr Gefahr läuft man, sich schon Krankheiten wie ein Rückenleiden oder Allergien eingefangen zu haben. Einen Versicherungsvertrag bekommt man dann oft nur mit teuren Risikozuschlägen. „Wegen Vorerkrankungen können Versicherungen wichtige Leistungen sogar ausschließen oder den BU-Schutz rundweg ablehnen“, bemerkt Jochen Altvater. 

Früh zuzuschlagen, hat finanziell keine Nachteile. Auf diese Weise zahlt man über den gesamten Versicherungszeitraum gesehen nicht mehr, manchmal spart man sogar etwas. Denn: Für in höherem Alter abgeschlossene Verträge werden auch teurere Raten fällig. 

Von Starterpolicen rät Jochen Altvater Studierenden ab. „Hier fangen die monatlichen Raten zwar schon bei 15 Euro an, im Gegensatz zu normalen Tarifen sind diese Policen aber nicht nach dem durchschnittlichen Risiko bis zum Vertragsende kalkuliert.“ Der unangenehme Nebeneffekt: Es besteht keine Planungssicherheit, weil die Parameter nicht langfristig feststehen. Die Raten können über die Vertragslaufzeit so laut dem Finanzfachmann von 15 auf bis zu 200 Euro im Monat steigen. „Hochschüler sollten Starterpolicen nur in Erwägung ziehen, wenn diese von vorneherein zeitlich begrenzt sind oder wenn schon bei Vertragsbeginn der Termin feststeht, zu dem man in den Normaltarif wechselt“, erklärt der Experte. 

Eine gute BU für Studierende muss verschiedene Konditionen enthalten. Wichtig ist unter anderem, dass der Versicherte seine Rente bekommt, sobald feststeht, dass er den angestrebten Beruf nicht mehr ausüben oder sein Studium nicht beenden kann. „Ein Vertrag darf deshalb keine Erwerbsunfähigkeitsklausel enthalten. Mit ihr sichert man sich während des Studiums nur für den Fall ab, dass man in gar keinem Beruf mehr arbeiten kann – auch nicht als Pförtner“, erläutert Jochen Altvater. Eine BU werde aus diesen Policen erst nach dem Uniabschluss. 

Finger weg heißt es nach Angaben des Experten auch bei Verträgen, die eine „abstrakte Verweisung“ ermöglichen. Sie gibt dem Versicherer das Recht, den Kunden auf eine alternative Tätigkeit zu verweisen, in der er trotz seiner Invalidität im alten Beruf theoretisch arbeiten könnte. Zahlen muss sie dann nicht.

Studierende können in den meisten Fällen nur Verträge abschließen, die ihnen zunächst eine maximale Monatsrente von 1000 Euro garantieren. Mit zunehmendem Alter steigen jedoch die Ansprüche und man braucht mehr Geld, um seinen Lebensstandard zu halten. 

„Aus diesem Grund ist eine Nachversicherungsgarantie wichtig“, erklärt Jochen Altvater. „Das bedeutet, dass man seine Police bei verschiedenen Anlässen anpassen und die Versicherungssumme erhöhen kann - und zwar ohne erneute Gesundheitsprüfung.“ Möglich sollte das zum Beispiel bei Ausbildungsende sein oder wenn man heiratet. 

„Sinnvollerweise sichert man sich außerdem gleich bis zum Renteneintrittsalter gegen Berufsunfähigkeit ab, also bis zum 67. Lebensjahr“, fügt Altvater hinzu. „Solche Policen kosten zwar mehr als kürzer laufende Verträge. Sie decken aber auch das in den letzten Arbeitsjahren deutlich steigende Berufsunfähigkeitsrisiko ab.“
 
Zur Person: Jochen Altvater, Jahrgang 1968, war nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre in der Unternehmensberatung tätig und betreibt über seine Beratungsfirma 1plus das Portal Vorsorge-und-Finanzen.de. Er ist unser Experte für eine Serie, die Studenten über die Themen Versicherung und Geld informiert.
 
 
 
 
 
 

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