Brennpunkt

Weg mit der Armut

Die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen laufen 2015 aus. Eine neue, nachhaltige Entwicklungsagenda soll sie ersetzen. Das Ziel: extreme Armut zu beseitigen.

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Die Bekämpfung von Armut stand neben einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung bereits bei den Millennium-Entwicklungszielen (MDGs) im Mittelpunkt. Sie wurden 2001 von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Vereinte Nationen (UN), der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung formuliert.

Der letzte Zwischenbericht 2010 zeichnete ein durchwachsenes Bild, was den Fortschritt bei der Umsetzung der Ziele betrifft. In den Bereichen Regierungsführung, Frieden und Sicherheit, Grundschulbildung und Reduzierung der extremen Armut habe man laut Bericht "beachtliche Fortschritte" erzielt. Probleme gebe es noch bei der Trinkwasserversorgung und dem Zugang zu sanitären Anlagen. Auch seien die Kindersterblichkeit und die Todesfälle von Müttern während Schwangerschaft oder Geburt noch zu hoch. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) kritisierten zudem, dass die Industrienationen mit ihren finanziellen Zusagen im Rückstand sind.

Nachhaltigkeit - das neue Zauberwort

In zwei Jahren laufen die MDGs aus, ob alle Ziele bis dahin erreicht werden, ist offen. Die UN haben vorsorglich eine Post-2015 Entwicklungsagenda aufgelegt, um weiter an ihren Zielen zu arbeiten. "Eine neue globale Partnerschaft: die Armut beseitigen und die Wirtschaft durch nachhaltige Entwicklung verändern" lautet ihr programmatischer Titel. Bis 2030 wird neben der Armutsbekämpfung nun auch ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum eingefordert.

Bei der Ausarbeitung der Entwicklungsagenda waren - im Gegensatz zu den MDGs - nicht nur große Organisationen, sondern auch die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft beteiligt. Würden die formulierten Ziele bis 2030 erreicht, verbessert sich der Zustand der Weltbevölkerung laut UN dramatisch. Der Report identifiziert fünf sogenannte Transformationsziele, die für die Post-2015 Agenda essenziell sind:

  • Niemanden zurück lassen/ die Beseitigung extremer Armut
  • Nachhaltige Entwicklung in den Mittelpunkt rücken
  • Die Wirtschaft zum Wohl von Arbeitsplätzen und nachhaltigem Wachstum verändern
  • Friedenssicherung und die Schaffung offener, verlässlicher Institutionen
  • Das Schmieden einer neuen, globalen Partnerschaft

Die Ziele könnten aber nicht erreicht werden, wenn die internationale Gemeinschaft so weitermache wie bisher, sagte die ehemalige mexikanische Außenministerin Patricia Espinosa, die bei der Entwicklung der Agenda mitwirkte, bei der Vorstellung der Agenda in New York. Institutionen müssten aufgebaut und großen Teilen der Weltbevölkerung die Befriedigung von Grundbedürfnissen ermöglicht werden. Außerdem müsse weiter für die Menschenrechte gekämpft werden.

Eine faire Chance im Leben

Die geforderten Anstrengungen im Gesundheitsbereich sind stark mit denen der Armutsbekämpfung verknüpft. Weder Einkommen, Geschlecht, Ethnie, Behinderung oder Geografie sollten darüber entscheiden, ob Menschen leben oder sterben, eine Mutter sicher ihr Baby zur Welt bringen kann oder ein Kind eine faire Chance im Leben hat, heißt es im Bericht. Deshalb soll vor allem der Zugang zu einer medizinischen Grundversorgung sichergestellt werden.

Laut UN sterben jedes Jahr sieben Millionen KInder vor ihrem fünften Geburtstag. Die meisten dieser Todesfälle sind vermeidbar, zum Beispiel durch ausgebildete Hebammen, sauberes Wasser, sanitäre Anlagen, nahrhaftes Essen und Schutzimpfungen. Hier wollen die UN ansetzen und dadurch die Zahl dieser Todesfälle drastisch reduzieren.

Alle 1,5 Minuten stirbt eine schwangere Frau

Auch andere, besorgniserregende Zahlen sollen laut der Post-2015 Agenda bis 2030 stark gesenkt werden: Alle 1,5 Minuten stirbt eine Frau durch Komplikationen bei der Schwangerschaft oder der Geburt; 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften und 20 Millionen unsichere Abtreibungen pro Jahr sind dem schlechten Zugang für Frauen zu effektiven Verhütungsmitteln geschuldet; 340 Millionen Menschen stecken sich pro Jahr mit einer sexuell übertragbaren Krankheit an.

Mehrere NGOs lobten, dass die MDGs weiterentwickelt werden sollen, fanden aber auch kritische Worte. "Mit der Konkretisierung hapert es noch", bemängelte der Generalsekretär der Welthungerhilfe, Wolfgang Jamann, im Interview mit der "Deutschen Welle". Unfaire Handelsbedingungen oder das Finanzsystem würden nicht hinterfragt, sagte Jamann. Er kritisierte zudem, dass Entwicklungspolitik in Deutschland kaum eine Rolle spiele. "Es ist bedauerlich, dass solche wichtigen globalen Entscheidungen im jetzt beginnenden Wahlkampf überhaupt nicht stattfinden", so Jamann.

Ein Rückschritt hinter gemachte Vereinbarungen

Das Aktionsbündnis gegen Aids bemängelte, die neuen Zielempfehlungen zur Gesundheitsversorgung - speziell für HIV und Aids - würden dem Ziel der Armutsbeseitigung bei weitem nicht gerecht. "Es ist völlig ungenügend, bis 2030 die Krankheitslast durch HIV und Aids lediglich reduzieren zu wollen", erklärte Joachim Rüppel, Sprecher des Aktionsbündnisses. "Das ist ein Rückschritt hinter bereits gemachte UN-Vereinbarungen." Wer Armut überwinden wolle, müsse für bestmögliche Gesundheit sorgen. Nur so könnten Menschen einen produktiven Beitrag zur Gesellschaft leisten und Entwicklungsanstrengungen Erfolg haben, sagte Rüppel.

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