3. Zukunftskongress in Münster

Welche Berufsausübungsformen sind gerade angesagt?

Die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe (ZÄKWL) lädt auch dieses Jahr zu einem Zukunftskongress nach Münster ein. Am 2. Dezember werden dabei die unterschiedlichen Berufsausübungsformen vorgestellt und diskutiert.

Wie wollen junge Zahnärzte künftig arbeiten? Und was gilt es bei den verschiedenen Berufsausübungsformen zu beachten? Im Rahmen ihres Zukunftskongresses wird die Zahnärztekammer Westfalen-Lippe am 2. Dezember über die strategische Berufsplanung informieren. Fotolia - Robert Kneschke

Frau Dr. Rahimzai, Sie haben als Moderatorin zusammen mit Dr. Bartling die Themen für den Zukunftskongress zusammengestellt. Warum sollte Ihrer Meinung nach ein junger Kollege den Zukunftskongress besuchen?

Dr. Hirama Rahmzai: Wir waren alle nach unserem Examen in der Situation, in der wir uns die berufliche Frage gestellt haben "Was nun?“ Viele der Themen des Zukunftskongresses widmen sich genau dieser Frage. Sei es nun der Weg in die Niederlassung oder in eine Anstellung und wie könnte ich mich in der weiteren Folge in der zahnärztlichen Standespolitik oder Selbstverwaltung engagieren - jeder dieser Aspekte wird von renommierten Referenten beleuchtet werden.

Dr. Hirama Rahmzai (links) ist Anfang 30 und arbeitet als angestellte Zahnärztin in Siegen. Sie ist Mitglied im Ausschuss für zahnärztliche Zukunft, Kommunikation und Belange junger Mitglieder - kurz „Zukunftsausschuss“  der ZÄKWL. | Copyright privat

Dr. Michael Bartling (rechts) führt eine eigene Praxis in Dortmund und engagiert sich unter anderem in der Kammerversammlung und im Finanzausschuss. Er ist ebenfalls Anfang 30 und Mitglied im „Zukunftsausschuss“. | Copyright privat

Klar, alles ist neu und vielleicht weiß man als junger Absolvent noch nicht, wohin die Reise gehen soll. Dennoch ist das Tagungsthema „schwere Kost“. Warum haben Sie das Thema konkret gewählt, Herr Dr. Bartling?

Dr. Michael Bartling: Die Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Technik gehen auch am
zahnärztlichen Berufsstand nicht spurlos vorbei. Noch vor ein paar Jahren gab es vornehmlich nur den klassischen Berufsweg für die junge Kollegin und den jungen Kollegen. Nach dem Studium wurde die Assistenzzeit absolviert, und danach die eigene Praxis eröffnet. Die Möglichkeiten heutzutage sind da deutlich facettenreicher und variabler geworden. Teils aufgrund persönlicher Entscheidungen, teils wegen gesellschaftlicher Veränderungen und nicht zuletzt durch gesetzesinduzierte Rahmenbedingungen.

Die Trias aus vermeintlich steigendem Anspruch des Patienten nach hochtechnischer Behandlungsmethode, stetig wachsenden Regularien seitens des Gesetzgebers und dem Bestreben eines Lebens neben dem Beruf setzt die Entscheidungshürde zur eigenen Praxis für viele messbar höher. Insbesondere junge Kolleginnen, welche seit 2015 über 65 Prozent der Studienabsolventen ausmachen, suchen nach Alternativen zum klassischen Berufsweg. Die, nach dem Vertragsarztrechtänderungsgesetz 2007 aufkommenden, MVZ sind dabei nur ein neuer Weg, sicher jedoch nicht der Einzige. Die Vorteile einer ÜBAG/BAG einer klassischen Praxisgemeinschaft oder einer Gemeinschaftspraxis sind in vielen Punkten noch hervorstechend. Gemeinsam mit dem Auditorium möchten wir diese Variantenvielfalt gern aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten.

Meinen Sie, dass die Anstellung für junge aber auch ältere Zahnärzte in einem zahnmedizinischen Versorgungszentrum dauerhaft funktionieren kann?

Bartling: Ob die Idee des MVZ langfristig funktionieren wird, kann aktuell nicht sicher prognostiziert werden. Auch eine Gemeinschaftspraxis kann z.B. sehr facettenreich aufgestellt sein, und alle zahnärztlichen Fachrichtungen abdecken. Im Auge behalten werden sollte zudem, was es für die Jobsicherheit eines angestellten Zahnarztes im MVZ bedeutet, wenn als Betreiber nicht eine Privatperson, sondern ein großes, eventuell internationales Unternehmen, im Impressum steht. Aber genau das werden wir hoffentlich im Rahmen des Zukunftskongresses erfahren.

Frau Dr. Rahimzai, betrachten Sie die fachübergreifende Einrichtung von MVZs eher als Fluch oder Segen?

Rahimzai: Auch von mir bekommen Sie keine „Generalaussage“ zum medizinischen Versorgungszentrum. MVZs können als Einstieg für junge Zahnmediziner nach dem Examen dazu dienen, sich zunächst zu orientieren, wenn noch nicht ganz klar ist, in welche Fachrichtung oder ob man sich überhaupt spezialisieren will. Hier bieten die MVZs durch eine Vielzahl von zahnärztlichen Schwerpunkten gute Orientierungsmöglichkeiten. Die Gefahr, die ich persönlich bei MVZs sehe, liegt in möglichen Besitzverhältnissen von  z.B. Großkonzernen, die medizinische Belange möglicherweise wirtschaftlichen Interessen unterordnen könnten. Dies hätte dann auch nachhaltig negativen Einfluss auf die zahnärztliche Assistenzzeit.

Nun sind Sie schon niedergelassen, Herr Dr. Bartling. Haben Sie vor Ihrer Niederlassung einen Workshop oder gar so einen Kongress besucht, um sich fit für die Niederlassung zu machen?

Bartling: Für mich stand bereits seit dem Studium fest, dass ich mich selbst niederlassen möchte. Dennoch, oder gerade deshalb, habe ich mehrere Workshops und Seminare besucht. In diesen wurden mir wichtige und essentielle Grundlagen sowie Tipps vermittelt, um meinem Wunsch nach der eigenen Praxis näher zu kommen. Auch habe ich durch mein erworbenes Mehrwissen einige Sorgen und Bedenken bezüglich meines Vorhabens verloren. Bei einer Niederlassung müssen unter anderem juristische, wirtschaftliche sowie organisatorische Überlegungen im Vorfeld geklärt und durchdacht werden. Im Studium lernt man vieles über die berufliche Kunst an sich, allerdings verschwindend wenig über das Führen einer eigenen Praxis in der heutigen Zeit.

Rechtsanwältin Melanie Neumann wird über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen. Was glauben Sie, ist die größte Hürde – wenn man es so nennen darf- für junge Zahnmediziner, sich niederzulassen? Gibt es überhaupt eine Hürde? 

Rahimzai: Von einer Hürde würde ich nicht sprechen, weil durch Teilzeitmodelle, die ich von vielen Kollegen kenne, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf leichter geworden ist als noch vor einigen Jahren. Auch wenn ich zugeben muss, dass eine junge Mutter sich viel besser organisieren muss, um Familie, Praxis und Haushalt unter einen Hut zu bringen.

Können Sie sich vorstellen, dass Sie sich irgendwann niederlassen? Wenn ja, in welcher Form?

Rahimzai: Ja, auf jeden Fall. Durch die Arbeit in der Praxis und das kollegiale Miteinander kann ich mir neben der klassischen Niederlassung auch die Ausübung in einer Gemeinschaftspraxis vorstellen.

Kommen wir zum Schluss, wir wollen ja im Vorhinein nicht zu viel verraten. Welcher Vortrag interessiert Sie persönlich am meisten und warum?

Bartling: Gespannt bin ich auf die vermutlich leicht  kontrovers laufenden Vorträge MVZ vs. Niederlassung und die anschließende Diskussion. Aber auch die weiteren Vorträge behandeln interessante Themengebiete. Ich denke, es wird recht kurzweilig werden.

Und Sie, Frau Rahimzai?

Rahimzai: Einen konkreten Vortrag möchte ich hier nicht anführen. Mich interessieren insbesondere die rechtlichen Aspekte, die in nahezu jedem Vortrag thematisiert werden, da ich finde, dass diese im Studium zu kurz kommen.

3. Zukunftskongress Westfalen-Lippe 2017

    • Samstag, 02.12.2017 10:00-15:00 Uhr
    • LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster
    • weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf der Website www.zahnaerzte-wl.de, Suchbegriff „Zukunftskongress
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