Brennpunkt

Wenn die TV-Werbung zur Krankheit passt

Amazon, Google und Facebook machen vor, was Siemens nun auf Krankenhäuser übertragen will. Das Unternehmen hat eine Software zum Patent angemeldet, die Patientendaten auswertet - und gezielt Werbung ausspielt.

Nicht wundern, wenn im TV zur eigenen Krankheit passende Werbung läuft. Diese Idee lässt sich die US-Medizinsparte von Siemens aktuell patentieren. serts_-_iStockphoto

In Deutschland gehen auch drei Monate nach Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) immer noch Datenschützer auf die Barrikaden, um vor dem "gläsernen Patienten" zu warnen. Nicht so in den USA, wo generell offenherziger mit personenbezogenen Daten und auch Patientendaten umgegangen wird. Ein Anknüpfungspunkt an einen lukrativen Werbemarkt.

Das dachte offensichtlich auch Robert Neff, Produktmanager für die US-Medizintechniksparte von Siemens. Wie die Onlineausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (faz.net) schreibt, lieferte Neff die Idee zur Programmierung einer Software, die personenbezogene Krankendaten mit medizinischen Angeboten wie Medikamenten oder Heilverfahren abgleicht - um anschließend jedem Patienten für ihn optimierte Werbung anbieten zu können. 

Personalisierte Werbung auf der Krankenhaus-Serviette

Das könne nach der Vorstellung des Erfinders zum Beispiel mittels einer Werbefläche auf den Entlassungsunterlagen des Krankenhauses geschehen. Oder indem während einer Werbeunterbrechung im Fernsehen passende Werbung angezeigt wird. Auf Patienten "zugeschnittene Informationen" könnten aber auch in einer Broschüre, auf einem Informationsblatt oder der zum Krankenhausessen gereichten Serviette platziert werden.

Gezielte Werbung oder Informationen über den Umgang mit der Krankheit könnten über verschiedene Kommunikationswege innerhalb eines Krankenhauses verfügbar gemacht werden, zitiert faz.net aus dem Patentantrag. Ein automatisches System würde die wichtigen relevante Daten für den Patienten herausfiltern: Daten zur Person, Ergebnisse von Labortests, Beobachtungen und Diagnosen der Ärzte, auch erworben aus elektronischen Patientenberichten.

Frankreich und Österreich gelten als mögliche Märkte

Auch wenn es noch lange dauern wird, bis Siemens das Patent bekommt und umsetzt, scheint es unwahrscheinlich, dass ein solches Modell auch in Deutschland funktionieren könnte. Das gilt aber nicht für alle Länder Europas. In Frankreich gibt es seit 2007 die zweite Generation der "Carte Vitale", einer Smartcard für die elektronische Kommunikation. Bei dieser entscheidet der Patient, welche Daten gespeichert werden und wer Zugriff auf sie haben soll. Die Karte öffnet generell den Zugang auf die elektronische Patientenakte, die von Ärzten abgerufen werden kann, schreibt faz.net.

Unter Experten gelte vor allem Österreich in Sachen eGK als das Land auf dem Kontinent mit den größten Fortschritten im Datensammeln. Bei aller Kritik und datenschutzrechtlichen Bedenken setzten sich die Gesundheitskarte und die elektronische Gesundheitsakte (Elga) im Eiltempo durch. Hier ist Elga der Schlüssel zu den Daten, die dezentral gespeichert, über das staatlich kontrollierte Internetportal aber virtuell vernetzt werden. Und auch hier können Patienten per Widerspruch die Teilnahme am System ablehnen. Ein Angebot, das seit Jahresbeginn rund 140.000 Krankenversicherte genutzt hätten, heißt es.

Bei aller Kritik hält der Trend zur Digitalisierung und zentralen Datenvernetzung oder -verwaltung an. Das weiß auch Robert Neff.  

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