Arbeit

Wenn Paare leiten

Paare, die als Duo eine Zahnarztpraxis führen, müssen als Team privat und beruflich funktionieren. Das ist nicht einfach. Doch es gibt Strategien, wie man diese Herausforderung meistert.

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Ganz „automatisch“ klappt es in den wenigsten Fällen: Meist zerbricht entweder die private oder die berufliche Partnerschaft. Zu viele Unterschiede, die man sich vorher nicht klar gemacht hat; das Team verbündet sich mit einer und gegen die andere Führungsspitze oder Einzelne spielen einen Partner gegen den anderen aus. Ist erst einmal Misstrauen gesät oder eine Verstimmung entstanden, die nicht frühzeitig angesprochen und geklärt wurde, eskaliert selbst eine Kleinigkeit.

Eine Voraussetzung zur guten Zusammenarbeit: klare Vereinbarungen untereinander, die auch dem Team mitgeteilt werden. Geklärt werden muss: Wer übernimmt welchen Bereich? Wer ist Ansprechpartner? Wer hat welche Entscheidungsbefugnisse? Je detaillierter das Doppel im Vorhinein seine Zusammenarbeit regelt, desto weniger Zweifelsfälle gibt es später in der Praxis - und desto weniger Raum für Streitigkeiten.

Klassisch sind zum Beispiel Trennungen zwischen betriebswirtschaftlicher und personeller Führung. Sinnvollerweise bleibt man bei der einmal getroffenen Entscheidung und ändert sie allenfalls, wenn es aus unterschiedlichsten Gründen nicht anders geht.

Natürlich gibt es auch Überschneidungen: Einstellungsgespräche sollten gemeinsam stattfinden - auch die neue Kraft soll sich schließlich ein Bild vom Führungsduo machen können, bevor sie sich entscheidet. Das Ärzte-Paar zeigt nach außen in seinen Grundsätzen möglichst große Einigkeit, um glaubwürdig zu sein.

Gleichzeitig darf das Umfeld aber auch um die unterschiedlichen Persönlichkeiten und Fachkompetenzen wissen. Im optimalen Fall ergänzen sich die intro - und extrovertierten Persönlichkeiten im Praxisalltag gegenseitig, betonen Karsten Funke-Steinberg, Winfried Meilwes und Ulrich Hoepfner in ihrem gleichnamigen Fachbuch zur "Führungskultur".

Eine Frage sollte zwischen den beiden Führungspersonen klar beantwortet sein: Gibt es eine interne Hierarchie oder agieren beide Partner auf gleichem Niveau und mit gleicher Kompetenz? Dies hat nämlich auch Auswirkungen auf die Belegschaft: Bisweilen „teilt“ sie sich, das heißt, Mitarbeiter schlagen sich auf die Seite der vermeintlich dominanten Führungskraft, um ihre Stellung in der Gruppe zu festigen. Oder Mitarbeiter wenden sich an das schwächere Glied, weil sie die Chance sehen, eigene Forderungen eher unterbringen zu können.

Viele Dinge zwischen den Partnern müssen immer wieder neu verhandelt werden. Daher bedarf es einer klaren Kommunikation. Dies betrifft besonders die Gehaltsfrage, die schon frühzeitig geklärt werden sollte. Auch hier siegt die klare Absprache gegenüber einem „mal sehen, was übrig bleibt“. Gerade Letzteres führt zu häufig zu Diskussionen und Konflikten.

Bei Meinungsunterschieden kann man versuchen, einen dritten Weg zu finden, der als Kompromiss dient. Offenheit, Flexibilität, das Wissen um den hohen Wert und die positive Kraft der komplementären Sichtweisen können die Partnerschaft lebendig halten.

Dazu kommt die Anerkennung jeder Art von geleisteter Arbeit. Konkret meint dies, dass etwa Verhandlungen mit der Bank ebenso viel Wert sind wie der direkte Patientenkontakt. Gegenseitiger Respekt ist daher ein elementarer Baustein des Vertrauens ohne den das Tandem nicht überleben kann.

Allerdings: Die gemeinsame Arbeit im Unternehmen bedingt dauerhafte Beziehungsarbeit. Durststrecken wollen durchgehalten werden, sie kommen in jedem Unternehmen vor und erfordern Ausdauer und Kompromissbereitschaft.

Einige Paare lassen sich im Reflexionsgespräch von einem Coach oder Psychologen begleiten - bevor etwas aus dem Ruder läuft. Der Berater sollte sowohl Einzel- als auch Paargespräche führen: Das hat sich in meiner Coachingpraxis als sehr wirksam erwiesen, weil sich manche Menschen lieber einer neutralen Person als dem eigenen Partner öffnen können.

Die meist verschwimmenden Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben sind achtsam zu beobachten und zu bewahren. Auch die Frage „Wo finden wir Entlastung?“ kann erörtert werden, um sich einen Freiraum zu schaffen.

Dabei kann es sich sowohl um eine Reinigungskraft handeln, die gegebenenfalls auch Einkäufe übernimmt, als auch um die Delegation beruflicher Aufgaben an das Praxismteam. Zeit für das Paar-Dasein, für Muße, Freizeit und Hobbys sollte allemal konsequent eingeplant werden.

Zu den hier genannten Themen fügen die Autoren Lianne Fravi, Bettina Plattner-Gerber in ihrem Buch "Wenn Paare Unternehmen führen" einen aufschlussreichen Fragenkatalog hinzu:

  • auf individueller Ebene:
    Welche Vorstellungen habe ich bezüglich unserer gemeinsamen beruflichen und privaten Lebensführung?
    Wie stelle ich mir unsere Familie vor?
    Was brauche ich für ein ausgeglichenes Berufs- und Privatleben?
  • die Paar-Ebene:
    Welche gemeinsamen Visionen und Wertvorstellungen haben wir?
    Wie möchten wir an der Pflege unserer Beziehung arbeiten?
    Wie können wir uns fachlich und persönlich gegenseitig unterstützen?
    Wie bewältigen wir unsere Probleme? Was können wir gut und wo brauchen wir Unterstützung?
  • die Ebene des Unternehmens:
    Wie möchten wir als Führungsduo von außen wahrgenommen werden?
    Was passiert, wenn einer von uns nicht mehr arbeiten kann?

Ute Jürgens
Diplompädagogin
Peter-Sonnenschein-Str. 59
28865 Lilienthal

Literatur:

  1. Lianne Fravi, Bettina Plattner-Gerber: Wenn Paare Unternehmen führen. Kösel  2013
  2. Karsten Funke-Steinberg, Winfried Meilwes, Ulrich Hoepfner: Führungskultur - Diener dreier Herren. Vierzig Thesen für die tägliche Praxis. EHP 2013

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