Spezialisierung

Wie werde ich Spezialistin für Prothetik?

Nach Studienende und womöglich einigen Jahren Berufserfahrung kann es sinnvoll sein sich auf ein zahnmedizinisches Fachgebiet zu spezialisieren. Hier erzählt eine junge Expertin von ihrem Weg in die Prothetik.

Philipp Böll/DÄV

Dr. Ghazal Aarabi hat zunächst den Greifswalder Master in "Zahnmedizinische Prothetik" erworben und ist seit 2015 als Spezialistin für Prothetik bei der DGPro registriert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. 


Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um sich zertifiziertes Expertenwissen in der Prothetik anzueignen. Zum einen ist es möglich, einen postgradualen Master of Science an einer Universität zu absolvieren. Im deutschsprachigen Raum gibt es zwei Universitäten, an denen das möglich ist: Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald und die Medizinische Universität Wien. An beiden Universitäten findet das Masterstudium berufsbegleitend statt, wobei die Kosten in Greifswald mit 21.230 Euro etwas höher liegen als in Wien (14.980 Euro). Dafür studiert man in Wien nur zwei Jahre, in Greifswald 2,5 Jahre. Während man in Wien sehr gute Englischkenntnisse vorweisen sollte (Unterrichtssprache ist Englisch), ist bei dem Greifswalder Master eine erhöhte Reisebereitschaft erforderlich. Es wird nicht nur in Greifswald, sondern auch in Aachen, Ulm, München, Gießen und weiteren Standorten gelehrt.

Außerdem hat die Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien e.V. (DGPro) in Kooperation mit der Akademie Praxis und Wissenschaft (APW) ein spezielles Ausbildungsprogramm für niedergelassene Zahnärzte und deren Assistenten entwickelt, die sich in der Prothetik weiterbilden wollen. Die Kursserie dauert 16 Tage bzw. acht Kurswochenenden und erstreckt sich - wie der universitäre Masterstudiengang - über einen Zeitraum von zwei Jahren. Nach erfolgreichen Abschluss der Ausbildung wird der Kursteilnehmer in die Datenbank der DGPro als Spezialist aufgenommen. Auch hier finden die Kurse an verschiedenen Standorten in Deutschland statt, etwa in Nürnberg, Berlin, Hamburg und Kiel. Die Kosten belaufen sich als DGPro-Mitglied auf 3.960 Euro, für Nicht-Mitglieder liegt die Kursgebühr bei 4.600 Euro. 

Unabhängig, ob man den Masterstudiengang absolviert hat oder das Zertifikat von DGPro/APW erworben hat, muss man bei der jeweiligen Kammer beantragen, auch als Experte für Prothetik geführt zu werden. Hier entscheidet letztlich nicht nur die Zertifizierung, sondern auch der Tätigkeitsschwerpunkt.


Sie haben sich in der Prothetik fortgebildet? Wieso haben Sie sich gerade für diesen Teilbereich der Zahnmedizin entschieden?

Dr. med. dent. Ghazal Aarabi | Copyright: Foto Löffler Freiburg

Dr. Ghzal Aarabi: Die Umsetzung komplexer prothetischer Fälle hat mich schon immer sehr fasziniert, denn hierbei zählt der Gesamtüberblick. Prothetik ist immer ein kleines Unternehmen – es erfordert viel Management. Im Bereich der Implantatprothetik reizt mich einerseits das chirurgische Prozedere und andererseits der dynamische Entwicklungsprozess durch den Bereich der Digitalisierung und Individualisierung.

Wie lange hat die Fortbildung gedauert?

Ich habe drei Jahre lang auf meine fachzahnarztanaloge Spezialistenprüfung der DGPro hingearbeitet und diese mit dem Kolloquium vor der Prüfungskommission abgeschlossen. Meine 18 Wochenendmodule für die Qualifikation zum Master of Science (MSc) starteten im Jahr 2012 und dauerten 2,5 Jahre. Das Masterkolloquium folgte etwa ein halbes Jahr später.

Wie hoch waren die Kosten?

Für die Ausbildung zum Prothetikspezialisten sind keine zusätzlichen Kosten entstanden, außer der Prüfungsgebühr, die am Ende gezahlt werden musste. Beim Masterstudiengang fallen Modulgebühren an und die Module werden an unterschiedlichen Standorten in Deutschland gelehrt, so dass Reise- und Übernachtungskosten anfallen.

Was waren zentrale Inhalte der Fortbildung?

Es gab drei Säulen:

  1. Die Klinische Praxis: Diese Säule beinhaltet das synoptische Behandlungskonzept, die Dokumentation und Umsetzung komplexer prothetischer Fälle, die Implantatprothetik von der präimplantologischen Diagnostik bis zur implantologisch-prothetischen Rehabilitation.
  2. Die Forschung: Diese Säule beinhaltet eine Vertiefung des wissenschaftlichen Arbeitens und die Veröffentlichung von zwei Originalarbeiten.
  3. Die Lehre: Hierbei geht es um das Sammeln von Lehrerfahrungen, also das Halten von Vorlesungen und die Betreuung von Behandlungen im Studentenkurs.

Sie arbeiten am UKE und haben es häufiger mit selteneren Zahnerkrankungen zu tun als ein niedergelassener Kollege. Hat sich etwas in Ihrer Praxis verändert seit der Fortbildung? 

Auf jeden Fall hat man aufgrund des erworbenen Wissen und der vielen Fortbildungen deutlich bessere Möglichkeiten, bei der Umsetzung der prothetischen Planungen und bei der Durchführung einzelner Behandlungsschritte, beispielsweise die individuelle Abformung bei implantatgetragenen Einzelzahnkronen.

An welche Behandlung (prothetisch oder nicht) erinnern Sie sich gerne zurück?

An meine erste Teleskopprothese, deren galvanisch hergestellten Sekundärteleskope ich intraoral verkleben musste. Es war eine Zirkonoxid-Hybridprothese im Unterkiefer bei einer sehr netten, aber zunächst auch sehr ängstlichen Patientin.

Gibt es auch eine Behandlung, die Sie heute lieber vergessen würden?

Die Behandlung eines Patienten, der mir sehr am Herzen lag, aber leider an einem nichtheilbaren Tumor erkrankt war und später verstarb. Dennoch hat es mich enorm beeindruckt, wie viel Lebensenergie und was für eine positive Ausstrahlung der Patient hatte.

Welche drei Charakteristika helfen auf dem Weg zum Spezialisten für Prothetik?

  1. die Verinnerlichung des synoptischen Behandlungskonzepts 
  2. eine strukturierte Gesamtplanung
  3. die Behandlungen nach aktuellen wissenschaftlichen Standards durchzuführen

Was wollen Sie bezüglich der Prothetik unbedingt noch loswerden?

Ich bin immer wieder fasziniert darüber, wie viel Dankbarkeit die Patienten einem entgegenbringen, wenn die Behandlung abgeschlossen ist. Und da wir meist komplexe und große prothetische Fälle umsetzen, sind die Vorher-Nachher-Vergleiche mittels Fotos tatsächlich sehr beeindruckend. 

Dr. Ghazal Aarabi, geboren 1984, hat ihr zahnmedizinisches Staatsexamen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg erworben und danach den Masterstudiengang „Zahnmedizinische Prothetik“ der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald absolviert. Seit 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Im Jahr 2015 erfolgte ihre Ernennung zur qualifizierten Spezialistin für Prothetik der DGPro. 

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