Freizeit

Willkommen zur Wissenssafari

Es ist Ferienzeit. Auch an den Universitäten haben die vorlesungsfreien Wochen begonnen. Wer sich eine Auszeit gönnen und trotzdem etwas dazulernen will, kann auf große Tour durch deutsche Wissenschaftsmuseen gehen. Eine Reiseroute.

Corbis - Fotolia.com

Startpunkt ist das Dentalhistorische Museum
 in Zschadraß, 50 Kilometer südöstlich von Leipzig. Die Sammlung führt Besucher durch die Jahrhunderte alte Geschichte der Zahnmedizin.

Eine geköpfte Maus gegen Zahnschmerzen

Unter anderem verrät sie, wie man in früheren Zeiten zahnende Kinder von ihren Schmerzen befreite: "Mütter sollen einer lebendigen Maus den Kopf abbeißen und ihn dem Kinde mit einem roten Faden um den Hals binden“, heißt es auf einer Tafel, die in der 240 Quadratmeter umfassenden Ausstellung zu sehen ist. Daneben sind noch weitere Hausmittelchen dokumentiert. Nur so viel sei verraten: In einem von ihnen spielt Froschsuppe eine wichtige Rolle. 

Im Dentalhistorischen Museum ist bis zu 2.000 Jahre altes zahnärztliches Instrumentarium zu sehen, unter anderem Geräte, die bei Badern, Barbieren und Chirurgen ab den 1750er-Jahren zum Einsatz kamen. In den über zwei Stockwerke verteilten Ausstellungsräumen sind außerdem historische Exponate zu den Themen Zahnersatz und Schmuck aus Zähnen sowie Mundhygiene und Prothetik zu sehen. 

Den 300. Geburtstag von Philipp Pfaff in diesem Jahr hat das Museum zum Anlass genommen, dessen Berliner Zahnarztpraxis aus dem Jahr 1750 in Zschadraß aufzubauen. Außerdem im Programm: eine Dental-Werkstatt aus den 1930er-Jahren.

Selbst Hand anlegen können Besucher im "Spielzimmer“, das mit einem alten Pumpstuhl, einer Turbine und einer Tretbohrmaschine ausgestattet ist. Speziell für Kinder gibt es das Programm "Wir legen einen Zahn zu“, das neben einem kurzen Mitmachvortrag zum richtigen Zähneputzen aus einer kindgerechten Führung durch das Museum und einem Spiel zum Abschluss besteht.

Wem der Sinn nach Fachliteratur steht: In Zschdraß wird zurzeit eine Bibliothek aufgebaut, die bisher mehr als 10.000 Dissertationen und wissenschaftliche Arbeiten aus der Zahnheilkunde enthält, aber auch Filme, die bis in die 1930er-Jahre zurückgehen, und Fotos aus Dissertationen der 1920er-Jahre.

dentalmuseum

Die Meckelschen Sammlungen, nach eigenen Angaben die umfangreichste anatomische Sammlung in Europa, ist Station zwei der Museumstour. Sie befindet sich im knapp 90 Kilometer von Zschadraß entfernten Institut für Anatomie und Zellbiologie der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg. 

Die Sammlung wurde im 18. Jahrhundert von dem Anatomen Johann Friedrich Meckel begründet und von drei Generationen seiner Nachfahren fortgeführt, die ebenfalls auf dem Fachgebiet der Anatomie arbeiteten. Heute sind von den ursprünglich 12.000 Trocken- und Feuchtpräparaten noch 8.000 erhalten.

Die Ausstelltung besteht zum einen aus einem human-anatomischen Bereich mit Objekten aus den Gebieten Bewegungsapparat, Herz und Kreislauf sowie Nervensystem und Sinnesorgane. Daneben gibt es 300 Präparate zur Teratologie, der Lehre von Fehlbildungen. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem Tierreich und setzt sich unter anderem aus Hunderten von Fisch-, Amphibien-, Reptilien-, Vogel- und Säugerskeletten zusammen.

meckelsche-sammlungen.de

Etappenziel drei liegt im 150 Kilometer entfernten Dresden und ist interessant für jeden Mediziner: das Deutsche Hygiene Museum (DHMD). Im vergangenen Jahr feierte das Haus, dessen Gründung auf eine Initiative des Odol-Fabrikanten Karl August Lingner zurückgeht, sein 100-jähriges Bestehen.

Die Dauerausstellung des DHMD zeigt auf rund 2.500 Quadratmetern Fläche über 1.300 Exponate, die sich mit verschiedenen Aspekten des menschlichen Lebens beschäftigen. Insgesamt gibt es sieben Schwerpunkte unter anderem zu den Themen "Leben und Sterben - Von der ersten Zelle bis zum Tod des Menschen“, "Kosmos im Kopf - Das Gehirn“ und "Schönheit, Haut und Haar - offene Grenzen zwischen Körper und Umwelt“. Spannend für Besucher: Das Museum bietet zahlreiche interaktive Elemente.

Das Kinder-Museum im DHMD wurde für vier- bis zwölfjährige Kinder konzipiert und ist den fünf Sinnen gewidmet. Der Bereich setzt auf Mitmach-Elemente und altersgerechte Wissensvermittlung. Familien mit Kindern ab vier Jahren können eine "Entdeckertour“ buchen.  In einer vom DHMD bezeichneten "Ausstellungs-Satire“, beschäftigt sich das Museum zurzeit mit dem Thema Reichtum. Noch bis zum 11. August läuft die Ausstellung "Über Grenzen“. Sie zeigt Fotos der Berliner Fotoagentur Ostkreuz, die sichtbaren und unsichtbaren, geografischen und historischen Grenzen auf den Grund gehen. 

dhmd.de  

Weiter geht’s.Nun sind knapp 400 Kilometer zurückzulegen. Auf dem Programm steht das Deutsche Medizinhistorische Museum in Ingolstadt. Es ist in der "Alten Anatomie“ der ehemaligen Universität Ingolstadt untergebracht, einem spätbarocken Bau aus dem 18. Jahrhundert. 

Die chronologisch gestaffelten Exponate sollen veranschaulichen, wie sich die Humanmedizin vom seit der Antike geltenden Konzept der Viersäftelehre (Humoralpathologie) gelöst und den Naturwissenschaften zugewandt hat. Neben der Antiken und der religiösen Volksmedizin geht es in der Ausstellung um Seuchen und das Impfwesen. 

Zu sehen sind außerdem diagnostische Instrumente wie Handkraftmesser und Labormikroskope, Exponate rund um die Pharmazie und medizintechnische Geräte, unter anderem Brutschränke aus dem Labor von Robert Koch und eine "Eiserne Lunge“. Die Sammlung geht auch darauf ein, wie sich einige Fachdisziplinen ab 1850 aus der Chirurgie heraus verselbstständigten - unter anderem wird die Zahnheilkunde behandelt. 

Ein Highlight ist das "Theatrum anatomicum“ mit seinem opulenten Deckenfresko. An die Autopsien, die hier zu Universitätszeiten stattfanden, erinnern im Raum ausgestellte anatomische Präparate. Gute Nachrichten für alle Besucher, in deren Brust ein Botanikerherz schlägt: Zum Museum gehört ein Arzneipflanzengarten, für den im Sommer Führungen angeboten werden.

ingolstadt.de/dmm

Einen Katzensprung von Ingolstadt liegt das Deutsche Museum in München. Das Museum hat einen großen naturwissenschaftlichen Bereich mit den Schwerpunkten Chemie, Physik, Pharmazie und Mathematik. Im angegliederten "Zentrum Neue Technologien“ ist eine Ausstellung zu Nano- und Biotechnologie untergebracht und es gibt zwei Mitmach-Labore, in denen es unter anderem um DNA und Robotik geht. Über den Tellerrand der Naturwissenschaft kann man im Deutschen Museum in den Abteilungen Kommunikation und Musikinstrumente schauen.

deutsches-museum.de

Die nächste Etappe führt 450 Kilometer Richtung Norden nach Gießen ins Mathematikum. Das Motto hier lautet: Mathematik zum Anfassen - für Kinder und Erwachsene. Dafür sorgen über 150 Experimente, die Besuchern einen spielerischen Zugang zur Mathematik ermöglichen, zum Beispiel geometrische Puzzles, Brückenbauspiele oder Seifenblasenversuche. Das „Mini-Mathematikum“ ist auf Kinder zwischen vier und acht Jahren zugeschnitten.

Bis Oktober läuft die Sonderausstellung "Bewegte Momente“, die sich mit physikalischen Phänomenen beschäftigt. Auch hier spielen Mitmach-Elemente eine wichtige Rolle. Von Ende Juli bis Mitte August finden an einzelnen Tagen außerdem die "Ferienspiele im Mathematikum“ für Kinder zwischen acht und zwölf Jahren statt.

mathematikum.de

Knapp 170 Kilometer weit weg, im Kölner Odysseum, wird Wissenschaft zum Event. Im Fokus stehen vor allem junge Menschen-– das Odysseum eignet sich prima für Familienausflüge. Das Haus ist in verschiedene Erlebniswelten vom Dschungel bis zum Weltall und vom Hochseilgarten bis zum Flugsimulator unterteilt.

Zum Angebot gehören Aktionen wie das interaktive Wissenspiel "The Game“, eine Art digitale Schnitzeljagd. Dazu werden die Teilnehmer mit einem elektronischen Lesegerät, das wie ein Spielekonsolen-Controller aussieht, auf Entdeckungstour durch das Gebäude geschickt. Unterwegs können sie über das Lesegerät per Multiple Choice Fragen zu wissenschaftlichen Themen beantworten.  Spannend: Für Gruppen wird ein Exklusivbesuch nach Ablauf der regulären Öffnungszeiten angeboten. Sie haben das Odysseum dann ganz für sich allein.

odysseum.de

Von Köln aus geht es 370 Kilometer Richtung Osten nach Wolfsburg. Ziel ist das Phæno, in dem Besucher über 350 naturwissenschaftliche Phänome selbst erforschen können. In dem spektakulären Bau von Stararchitektin Zaha Hadid befinden sich Experimente zu den fünf Themenbereichen Spürsinn, Spiegel, Leben, Energie und Dynamik. Dazu gehören neben einem fliegenden Teppich auch ein Nebeltornado und Versuche zur Genetik und Biotechnologie. 

In der Sonderausstellung "Klingende Zahlen“ verdeutlichen 14 interaktive Exponate noch bis Ende August den Zusammenhang zwischen Musik und Mathematik. Am 29. August findet wieder die Veranstaltung After Dark statt, bei der man zwischen 18 und 22 Uhr durch’s Phæno streifen kann - bei Cocktails und Musik.

phaeno.de

In Berlin, noch einmal 230 Kilometer weiter gen Osten, endet die Museumstour im Medizinhistorischen Museum der Charité. Schwerpunkt sind die Entwicklungen der Humanmedizin in den letzten 300 Jahren, insbesondere die Geschichte der Pathologie an der Charité. Die Sammlung umfasst rund 10.000 pathologisch-anatomische Feucht- und Trockenpräparate. Zu sehen sind außerdem medizin- und zahnmedizinhistorische Exponate wie Moulagen und Prothesen. In seinem Bestand hat das Museum außerdem, beginnend mit Rudolf Virchow, Unterlagen wie Sektionsprotokolle, Laborbücher, Fotos und seltene Schriften aus den Bereichen Anatomie und Pathologie.

bmm-charite.de

Ein bisschen Fernweh sei gestattet. Die Museumstour lässt sich ganz einfach um Abstecher in die deutschen Nachbarstaaten ausdehnen. Im österreichischen Linz kann man zum Beispiel das Museum für Geschichte der Zahnheilkunde und Zahntechnik besuchen. Zu sehen sind Exponate aus den Jahren seit 1700 unter anderem ein Bader-Stuhl und eine edle Wiener Praxis aus dem Jahr 1900.

zahnmuseum-linz.at

Das Zahnmuseum Wien zeigt zahnärztliche Instrumente aus - nach eigenen Angaben - "nahezu allen Jahrhunderten“ sowie technische Geräte und historischen Zahnersatz aus Elfenbein.

zahnmuseum.at

Jenseits des Ärmelkanals bietet das Dental Museum London der British Dental Association (BDA) ebenfalls mithilfe von Instrumenten und Praxismobiliar Einblicke in die Geschichte der Zahnmedizin. Zurzeit läuft dort zusätzlich eine Sonderausstellung über Lilian Lindsay, die 1895 als erste Frau in Großbritannien als Zahnärztin approbiert wurde. 

bda.org/museum

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