Freizeit

"Wir brauchen mehr Vernetzung"

Das soziale Engagement der deutschen Zahnärzte ist umfangreich und vielfältig - vielleicht zu vielfältig. Denn es kann auch passieren, dass mitten im Himalaya zwei Teams nur wenige Kilometer voneinander entfernt eine Zahnbehandlung anbieten - ohne voneinander zu wissen. Dr. Klaus Winter, Vorsteher der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte plädiert für mehr Austausch und Vernetzung.

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Die Koordinierungskonferenz "Hilfsorganisationen“ wurde unter anderem zum besseren Austausch und der besseren Vernetzung untereinander ins Leben gerufen. Mit welchem Problem sieht sich das  Hilfswerk Deutscher Zahnärzte für Lepra-­ und Notgebiete (HDZ) beispielsweise konfrontiert?

Dr. Klaus Winter: Lassen Sie mich auf diese Frage gleich eingangs - kurz und präzise - antworten: Das HDZ sieht bei der Zielsetzung der Koordinierungskonferenz „Hilfsorganisationen“ seit der ersten Veranstaltung in den 90er Jahren im Zahnärztehaus in Köln unter dem Initiator und damaligen Vizepräsidenten der BZÄK, Dr. Jobst Wilken Carl, keine Probleme! 

Aber, wenn ich weiter ausführen darf, dann komme ich zu dem  Ergebnis: Die Ziele für den „besseren Austausch und eine bessere Vernetzung“ unter den zahnärztlichen Hilfsorganisationen sind aus meiner Sicht leider bis heute nicht  erreicht. Eine interaktive Zusammenarbeit zwischen den großen und kleinen zahnärztlichen Hilfswerken wird unter den Teilnehmern nicht oder nur sehr selten wahrgenommen. 

Die jeweils einladenden Landeszahnärztekammern bitten offensichtlich auch nicht  alle Akteure zu dieser Konferenz. So wurde ich schon öfters gefragt, warum nicht die eine oder andere Organisation auf der KoKo vertreten sei. Beim Nachfragen auf entsprechender Länderebene wurde mir zum Beispiel geantwortet: „Wo kämen wir denn dahin, wenn wir alle einladen würden? Das würde nur den Rahmen dieser Veranstaltung sprengen.“  oder: „Diese Hilfseinrichtung kennen wir gar nicht, also konnten wir sie auch nicht einladen.“

Dr. Klaus Winter ist Vorsteher der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ). | BZÄK-Axentis

Wenn es gelänge, mehrere Hilfsorganisationen mit gleicher Zielsetzung unter einen Hut zu bringen, also eine Art Holding zu konstruieren, könnte die karitativ tätige deutsche Zahnärzteschaft nicht nur eine Art Personalunion bilden und dabei Verwaltungskosten sparen, sondern auch die jeweils satzungsgemäßen  Ziele effektiver und schneller erreichen. Solange wir hierfür keinen Durchbruch, also keine „Zusammengehörigkeit“ spüren, werden kleinere und größere Stiftungen, Vereine und Organisationen eigene, individuelle und manchmal - so denke ich - konkurrierende Wege gehen (wollen).  

In den letzten Jahren haben sich zum Beispiel an der Seite von verschiedenen Länderkammern mehrfach eigene Projekte entwickelt, die dann mit einem weitaus effektiveren Verwaltungsaufwand verbreitet oder veröffentlicht werden konnten als dies kleinere Hilfseinrichtungen für sich mit  ihrer ausnahmslos ehrenamtlichen Besetzung tun können.

Unsere Stiftung­ HDZ mit Sitz in Göttingen wurde 1987 von dem Zahnarzt Carl Heinz Bartels gegründet. Sie hatte sich aus der 1981 gegründeten Patenschaft Niedersächsischer Zahnärzte für Lepragebiete weiterentwickelt und behauptet und ist seit dieser Zeit als unabhängige zivilgesellschaftliche Nichtregierungsorganisation weder Teil der Bundeszahnärztekammer noch Teil der Landeszahnärztekammer Niedersachsen. Sie kann aus Satzungsgründen auch nicht mit anderen Organisationen  fusionieren.

Aber um weltweit, nachhaltige Veränderungen durch Hilfsmaßnahmen zu erreichen, pflegt das HDZ - die sogenannte Bartels Stiftung - seit fast 28 Jahren die Zusammenarbeit mit Partnern. Diese agieren mit uns zusammen sehr erfolgreich und bilden mit uns eine vertrauensvolle, voneinander abhängige Gemeinschaft. Es ist daraus ein karitatives, stabiles Netzwerk entstanden, das sich allerdings überwiegend außerhalb der Zahnärzteschaft entwickelt hat.

Satzungsgemäße Hilfeleistungen und operative Maßnahmen konnte das HDZ seit Bestehen für viele Millionen Euro und im Jahr 2014 im Wert  von rund 800.000 Euro aber nur gewähren, weil uns immer wieder bundesweit Zahnärzte und Zahnärztinnen ihr Vertrauen für diese Arbeit schenkten und dann als HDZ‐Vermittler bei ihren Patienten zur (Zahn)Altgold -­Spende auftraten. Stellvertretend für alle Projektempfänger möchte sich das HDZ dafür sehr herzlich bedanken.

Aber warum sind unter den über 52.000 niedergelassenen Zahnärzten in Deutschland nur so wenige meinem Aufruf im Jahr 2007 gefolgt, dem HDZ durch eine eigene einmalige oder laufende Zustiftung die Nachhaltigkeit für satzungsgemäße Aufgaben zu sichern? Jeder sollte nach dieser Idee wenigstens einmal im Jahr per Dauerauftrag 10 Euro spenden. Was für ein segensreiches Volumen an Stiftungskapital hätte dem HDZ nach sieben Jahren schon zur Verfügung stehen können! Die gesponserten HDZ-­Anzeigen in den zm erinnern doch regelmäßig und immer wieder daran!

Ein weiteres Ziel der Koordinierungskonferenzen ist, die Hilfsaktionen des Berufsstands in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach soziales Engagement der Zahnärzteschaft?

Es täte unserem Berufsstand gut, wenn für ein in Zukunft sicheres, wirkungsvolles Helfen -­ ob in Deutschland oder weltweit -­ neben der Spendenbereitschaft auch die unterschiedlichen Stärken und Schwächen zahnärztlicher karitativ tätiger Organisationen ausgeglichen wären.

Erst wenn Synergien zwischen Hilfswerken unterschiedlicher Stärkeprofile realisiert werden, können nach innen und außen Vernetzungen zu einem Ganzen - auch in der Öffentlichkeit - sichtbar werden.

Im März 2015 findet die nächste Koordinierungskonferenz statt. Welche Aspekte möchten Sie in die Diskussion mit einbringen?

Mein Hauptaspekt ist, dass der ganze Berufsstand im HDZ unter der Schirmherrschaft der Bundeszahnärztekammer ein Aktionsbündnis bei der Bekämpfung von Armut, Krankheit und Not sieht und dass sich die einzelnen Akteure hierin vernetzt sehen -­ nach dem Motto: Eine Einheit in Vielfalt. 

Dafür müssen die Vorteile von Verknüpfungen unter den helfenden zahnärztlichen Einrichtungen und darunter auch die operative Verantwortung für die Spendergewinnung erarbeitet werden. Eine klar definierte Rollenverteilung unter den zahnärztlichen Hilfsorganisationen wäre für mich wichtig. Hierfür will das HDZ einen Teil der Lösungen anbieten und nicht ein Teil des Problems sein.

Die Fragen stellte Navina Haddick.


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