Freizeit

"Wir kommunizieren in der Weltsprache Musik"

Der Countdown läuft: Am 24. April musiziert das World Doctors Orchestra (WDO) in der Kreuzkirche in Dresden. Einen Tag später gastiert das mit Medizinern aus aller Welt besetzte Orchester im Konzerthaus Berlin. Mit dabei sind die Zahnmediziner Rebecca Berkensträter und Norbert Kries. Im Interview berichten beide, warum sie gerne Bohrer gegen Geige tauschen.

WDO_Andrea Katheder

zm-online: Wie sind Sie zum World Doctors Orchestra gekommen?

Rebecca Berkensträter: Vor einigen Jahren blätterte ich rein zufällig während einer Zugfahrt im Bahnmagazin und wurde dort auf das WDO aufmerksam. Da ich seit meiner Kindheit begeistert Geige und Bratsche spiele, habe ich mich dann gleich beim WDO angemeldet.

Norbert Kries: Meine musikalische Ausbildung begann im Alter von acht Jahren mit dem Klavierspiel.  Mit zwölf Jahren kam die Violine dazu, was das gemeinsame Musizieren in einem sinfonischen Orchester ermöglichte. Nach dem Abitur studierte ich zunächst ein Jahr Schulmusik mit Hauptfach Klavier an der Musikhochschule des Saarlandes bevor ich zum Zahnmedizinstudium wechselte.

Daneben blieb ich jedoch meiner musikalischen  Leidenschaft treu und bin bis zum heutigen Tag in den verschiedensten musikalischen Ensembles von Kammermusik bis Sinfonieorchester aktiv.

Meine Frau ist ebenfalls Geigerin von Kindesbeinen an und passionierte Orchestermusikerin. Während ihres Medizinstudiums war sie Mitglied im "European Medical Students Orchestra". Nach Aufnahme ihrer Tätigkeit als Ärztin bewarb sie beim WDO und durfte zum ersten Mal an der Konzertreise nach Armenien teilnehmen. Ein Jahr später bewarb ich mich ebenfalls und wir spielten gemeinsam Gustav Mahlers 2. Sinfonie in Washington.

Nach Auftritten in Österreich, den USA, Taiwan, Armenien, China, Südafrika, Japan und Chile kommt das WDO im April wieder nach Deutschland. Worauf dürfen sich die Besucher in Berlin und Dresden freuen?

R.B.: Auf ein hervorragendes Orchester mit einem wunderschönen Programm: Die 4. Sinfonie von Schumann, Cellokonzert von Dvořák und die Meistersinger von Wagner.

N.K.: Und auf einen hervorragenden Solisten: Ludwig Quandt , 1. Solo-Cellist  der Berliner Philharmoniker. Er wird mit uns Antonín  Dvořáks berühmtes Cellokonzert zu Gehör bringen.

Das WDO verbindet musikalischen Hochgenuss mit einer karitativen Idee. Wie wichtig ist Ihnen als Mediziner das soziale Engagement?

R.B.: In vielen Teilen der Welt ist die medizinische Versorgung deutlich schlechter als bei uns. Daher ist es mir persönlich wichtig, auf diese Probleme aufmerksam zu machen und durch unsere Benefizkonzerte einen Beitrag zu leisten.

N.K.:  Die Musiker des WDO tragen grundsätzlich alle Kosten für Reise und Unterkunft selbst. Die Einnahmen der Konzerte werden an ausgewählte Hilfsprojekte wie zum Beispiel "Dentists for Africa e.V." gespendet. Diese Verknüpfung von qualitativ hochwertigem Musikerlebnis und sozialem Engagement macht den besonderen Reiz des internationalen Orchesters aus.

R.B.: In diesem Fall freue ich mich als Zahnärztin besonders darüber, dass die Dentists for Africa unterstützt werden.

Im Orchester treffen über 900 Mediziner aus fast 50 Ländern aufeinander. Wie gestaltet sich da die Organisation? 

R.B.: Die Organisation wird von unserer Orchestermanagerin Alexandra Gruber geleitet. Sie unterstützt die Orchestermitglieder vor Ort. Diese organisieren die Konzerte und Proben.

N.K.:  Es können natürlich nicht alle Musiker gleichzeitig an einem Projekt teilnehmen. Da es es aber meist drei Projekte pro Jahr gibt, für die man sich  bewerben kann, ergeben sich für die Mitglieder gute Chancen, an ihrer gewünschten Konzertphase teilzunehmen. Die endgültige Auswahl erfolgt durch die musikalische Leitung. Um die Kommunikation und Organisation von so vielen Musikern zu gewährleisten, ist ein professionelles Orchestermanagement unerlässlich.

R.B.: Die Proben sind immer sehr spannend, weil so viele Berufskollegen aus unterschiedlichsten Kulturen aufeinander treffen. Es macht immer sehr viel Spaß, zusammen mit unserem sehr engagierten Dirigenten Stefan Willich das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach ein Konzert des WDO aus?

N.K.:  Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Mediziner neben ihrem Beruf auf hohem Niveau musikalisch aktiv sind. Alle kommen bestens vorbereitet aus den verschiedensten Ländern angereist und kommunizieren in der "Weltsprache" Musik.

R.B.: Dass Ärzten aus allen Teilen der Welt und aus den unterschiedlichsten Kulturen ein Ziel haben: durch wunderschöne klassische Musik auf Missstände der medizinischen Versorgung aufmerksam zu machen.

N.K.: Am Ende der intensiven Probephase bilden dann die Konzerte an attraktiven Orten, wie zum Beispiel der Berliner Philharmonie, den krönenden Abschluss. Und natürlich macht es noch mehr Freude zu wissen, dass man damit etwas Gutes bewirken kann.

Die Fragen stellte Navina Haddick.

Das WDO ist am Freitag, 24. April, erstmals in der Kreuzkirche in Dresden zu erleben. Einen Tag später gastieren die Musiker im Konzerthaus Berlin. Gemeinsam mit Ludwig Quandt, dem 1. Solo-Cellisten der Berliner Philharmoniker, präsentiert das WDO Antonín Dvoráks Cellokonzert in h-Moll sowie Robert Schumanns Symphonie Nr. 4. Abgerundet wird das Programm durch die Ouvertüre zu Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Weitere Informationen sowie Angaben zum Ticketkauf gibt es auf der Homepage des WDO.

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